Nvidia Aktie: Senatsanhörung am 11. Juni
Nvidia steht eine Woche mit Inflationsdaten und einer Senatsanhörung bevor. Die hohe Bewertung der KI-Aktie wird auf die Probe gestellt.

- US-Inflationsdaten am 10. Juni
- Senatsanhörung zu China-Geschäft
- China-Umsatz bereits auf null gesetzt
- KI-Nachfrage bleibt ungebrochen
Nvidia geht in eine Woche, in der die Geschäftsstory fast nebensächlich wirken könnte. Am 10. Juni kommen neue US-Inflationsdaten, am 11. Juni folgt eine Anhörung im US-Senat. Für eine hoch bewertete KI-Aktie ist das eine heikle Mischung.
Die Aktie schloss am Freitag bei 178,08 Euro und verlor 5,42 Prozent. Auf Wochensicht steht ein Minus von 1,83 Prozent. Der Rücksetzer kam nach einer Woche, die mit starken Produktmeldungen von der Computex begann.
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Am Ende drückten zwei Themen, die wenig mit der Nachfrage nach Grafikprozessoren zu tun haben. Ein stärker als erwarteter US-Arbeitsmarktbericht dämpfte die Hoffnung auf baldige Zinssenkungen. Dazu rückte Washington Nvidias China-Geschäft wieder ins Rampenlicht.
Zwei Termine, ein Bewertungsproblem
Der Inflationsbericht für Mai trifft Nvidia direkt über die Bewertung. Je höher die Zinsen bleiben, desto stärker leiden Aktien, deren Gewinne weit in der Zukunft erwartet werden. Genau in diese Kategorie fällt Nvidia.
Die April-Inflation lag bei 3,8 Prozent, dem höchsten Stand seit Mai 2023. Ein heißer Mai-Wert könnte die Zinssenkungsfantasie weiter bremsen. Der PPI-Bericht am 11. Juni liefert direkt danach den nächsten Makro-Test.
Der zweite Termin ist politischer. Senatorin Elizabeth Warren hat CEO Jensen Huang vor den Bankenausschuss des Senats eingeladen. Thema sind Nvidias China-Geschäft und die US-Exportkontrollen.
Warren sorgt sich, dass Nvidia-Chips nach China gelangen und dort militärisch genutzt werden könnten. Nvidia weist diesen Vorwurf zurück. Trotzdem reicht schon die Debatte, um eine Aktie mit hoher Bewertung in Bewegung zu bringen.
China ist weniger Umsatzrisiko als Schlagzeilenrisiko
Wie viel Politik verträgt eine Aktie, deren China-Umsatz im Rechenzentrum bereits auf null gesetzt wurde?
Das ist der eigentliche Punkt dieser Woche. Die H20-Lieferungen lagen im ersten Quartal bei null. Ein Jahr zuvor standen dort noch 4,6 Milliarden Dollar.
Für das laufende Quartal rechnet Nvidia bereits ohne chinesischen Rechenzentrumsumsatz. Das Risiko ist damit nicht verschwunden, aber es ist in der Planung schon hart zurückgesetzt. Die Senatsanhörung trifft also eher die politische Wahrnehmung als eine versteckte Umsatzsäule.
Die Volatilität früherer H20-Verkäufe zeigt trotzdem, wie teuer die Regulierung werden kann. Nvidia verbuchte im Geschäftsjahr 2026 eine Belastung von 4,5 Milliarden Dollar auf H20-Bestände. Neue Lizenzregeln hatten diesen Schritt ausgelöst.
Kurz gesagt: China bleibt gefährlich. Allerdings nicht mehr in der Form, die viele Schlagzeilen nahelegen. Der Markt reagiert auf Unsicherheit, nicht auf eine neu entdeckte Ertragslücke.
Die Nachfragegeschichte bleibt intakt
Während Washington Druck macht, hat sich an der strukturellen KI-Nachfrage wenig geändert. Amazon, Alphabet, Microsoft und Meta planen für 2026 zusammen Investitionen zwischen 635 und 665 Milliarden Dollar. Das ist der harte Unterbau der Nvidia-Story.
Nvidia erwartet für 2027 KI-Investitionen der Hyperscaler von rund 1 Billion Dollar. Diese Zahl ist groß, aber sie passt zur Logik hinter agentischer KI. Wenn solche Systeme deutlich mehr Rechenleistung brauchen, wird KI-Infrastruktur kein einmaliger Ausbau.
Sie wird zu laufendem Aufwand. Unternehmen rollen KI nicht nur aus, sie betreiben sie dauerhaft. Genau daraus entsteht der lange Nachfragepfad, auf den Nvidia setzt.
Die Einführung steht in vielen Firmen noch am Anfang. Fast ein Drittel der befragten Organisationen befindet sich weiter in Pilot- und Prüfphasen. Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Hinweis auf frühe Marktdurchdringung.
Trotz des jüngsten Rücksetzers liegt die Aktie über zwölf Monate noch 45,47 Prozent im Plus. Seit Jahresanfang steht ein Gewinn von 10,54 Prozent. Die Bewertung bleibt damit anspruchsvoll, aber sie hängt an einer Nachfragekurve, die bisher nicht gebrochen ist.
Technik: nicht kaputt, nicht komfortabel
Das Bild im Chart ist angespannt, aber nicht beschädigt. Vom 52-Wochen-Hoch bei 202,50 Euro ist Nvidia um 12,06 Prozent zurückgefallen. Dieses Hoch stammt vom 14. Mai.
Der Schlusskurs liegt nur 2,11 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt von 174,40 Euro. Der RSI von 45,3 liefert kein klares Richtungssignal. Damit fehlt dem Markt aktuell ein technischer Rückenwind.
Der 200-Tage-Durchschnitt bei 161,46 Euro liegt noch 10,29 Prozent tiefer. Er wäre eher die breite Sicherheitslinie als der erste Test. Kurzfristig schaut der Markt auf die Zone um den 50-Tage-Schnitt.
Das Konsens-Kursziel von 258,67 Euro signalisiert rechnerisch 45,3 Prozent Luft nach oben. Diese Lücke bleibt aber Theorie, solange Makrodruck und politische Schlagzeilen dominieren. Bewertungspotenzial allein schützt nicht vor einer nervösen Woche.
Bis Mittwoch dürfte der Markt vor allem die Zinserwartungen neu sortieren. Am Donnerstag wechselt die Bühne nach Washington. Hält Nvidia den Bereich um 174,40 Euro, bleibt der Rücksetzer kontrolliert; ein Bruch würde den Blick schnell auf tiefere technische Marken lenken.
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