Nvidia Aktie: SpaceX setzt auf Starmind-Chips
Nvidia gewinnt SpaceX als exklusiven Chip-Kunden für Orbital-Rechenzentren, kämpft aber mit DRAM-Engpässen. Analysten zeigen sich gespalten.

- SpaceX-Partnerschaft für Orbital-Rechenzentren
- Designänderung wegen DRAM-Knappheit
- Gemischte Analystenurteile und Insiderverkäufe
- Quartalszahlen am 26. August erwartet
Nvidia hat eine der stärksten Wochen des Jahres hinter sich. Die Aktie schloss am Freitag bei 193,68 Euro, ein Plus von 2,03 Prozent gegenüber dem Vortag. Auf Wochensicht summiert sich der Anstieg auf 11,23 Prozent. Zum bisherigen 52-Wochen-Hoch von 202,50 Euro, erreicht Mitte Mai, fehlen dem Papier damit nur noch 4,36 Prozent. Treiber der Rally ist ein Großauftrag aus dem Weltraumgeschäft, der zugleich neue Fragen zur Lieferkette aufwirft.
SpaceX macht Nvidia zum exklusiven Chiplieferanten fürs All
Elon Musks Raumfahrtunternehmen SpaceX hat sich mit Nvidia auf eine exklusive Partnerschaft für die geplanten orbitalen Rechenzentren des Projekts Starmind verständigt. Die Anlagen sollen künftig mit Nvidias Vera-Rubin-Architektur betrieben werden, bestehend aus Vera-CPUs und Rubin-GPUs im NVL72-Rackformat. Nach Einschätzung von Bernstein-Analysten könnte die Vereinbarung sogenannte Neoclouds wie CoreWeave und Nebius benachteiligen, da SpaceX bei der Chip-Zuteilung nun weiter vorn in der Warteschlange stehen dürfte. Beide Unternehmen hatten zuvor jeweils Kapitalspritzen von Nvidia in Höhe von 2 Milliarden Dollar erhalten und verfolgen eigene Ausbaupläne von mehr als 5 Gigawatt KI-Rechenleistung bis 2030. Bernstein hob im Zuge der Nachricht das Kursziel für SpaceX von 239 auf 248 Dollar an.
Der Deal reiht sich in eine Serie milliardenschwerer Kapitalzusagen Nvidias ein. Das Unternehmen plant eine Investition von bis zu 3 Milliarden Dollar in den Blackstone-nahen Stromentwickler Lancium, der das texanische Stargate-Rechenzentrum von OpenAI mit Energie versorgt. Zusätzlich fließen 5 Milliarden Dollar in die KI-Firma Safe Superintelligence des früheren OpenAI-Forschers Ilya Sutskever, die im Gegenzug Zugriff auf Vera-Rubin-Systeme mit zehnfacher Rechenkapazität erhält – obwohl das Startup bislang weder Produkt noch Umsatz vorweist.
Speicherknappheit zwingt zu Kompromissen bei Rubin Ultra
Parallel zur Wachstumsstory zeigt sich eine technische Schwachstelle. Wegen einer erwarteten DRAM-Knappheit bis 2027 passt Nvidia das Design der kommenden Rubin-Ultra-GPU an: Statt der ursprünglich geplanten 12-Layer-HBM4e-Speicherkonfiguration mit 384 Gigabyte testet das Unternehmen nun eine reduzierte 8-Layer-HBM4-Variante mit 192 Gigabyte, kombiniert mit zwei statt vier GPU-Dies und einer gesenkten Leistungsaufnahme von 1.800 statt 2.300 Watt. Die Nachricht verunsicherte Speicherhersteller in Asien deutlich stärker als Nvidia selbst: Die SK-Hynix-Aktie brach in Seoul um rund 10 Prozent ein, das US-Pendant der ADR verlor knapp 5 Prozent. Für Nvidia-Anleger bedeutet die Anpassung vor allem eines: Selbst der dominante Chipentwickler ist nicht immun gegen Engpässe in der vorgelagerten Lieferkette.
Analysten zwischen Euphorie und Vorsicht
Bei den Analystenhäusern gehen die Einschätzungen auseinander. Dan Ives vom Analysehaus Yorkville Ives sieht die Branche erst im „dritten Inning“ der KI-Revolution und beziffert die bislang getätigten KI-Ausgaben auf lediglich 15 Prozent des erwarteten Gesamtvolumens. Die Nachfrage nach Nvidia-Grafikchips übersteige das Angebot nach seinen Berechnungen um das Zwölffache, das Unternehmen bleibe der zentrale Nutznießer des Umbruchs. Gegenläufig positionierte sich New Street Research: Die Analysten senkten ihr Kursziel von 343 auf 340 Dollar, woraufhin die Aktie im US-Handel zeitweise um 1,9 Prozent nachgab. Der Analystenkonsens bleibt mit einer Kaufempfehlung und einem Kursziel von rund 303 Dollar dennoch deutlich optimistischer als der damalige Kurs.
Für zusätzliche Vorsicht sorgen jüngste Insidertransaktionen. Finanzchefin Colette Kress trennte sich in den vergangenen drei Monaten von Aktienpaketen im Wert von rund 11,0 Millionen Dollar, Vertriebschef Ajay K. Puri verkaufte Anteile im Umfang von etwa 109,4 Millionen Dollar. Zusammen kommen beide auf gut 120 Millionen Dollar an Veräußerungen – ein Signal, das Kritiker als Warnzeichen werten, während Befürworter der Aktie es angesichts der Marktkapitalisierung von umgerechnet mehr als 4,5 Billionen Euro als vernachlässigbar einstufen.
Quartalszahlen als nächster Prüfstein
Der nächste wichtige Termin fällt auf den 26. August, wenn Nvidia seine Zahlen zum zweiten Quartal vorlegt. Analysten rechnen mit einem Umsatz von rund 90 Milliarden Dollar, nach 81,6 Milliarden Dollar im Vorquartal. Sollte das Unternehmen diese Erwartung erfüllen oder übertreffen, dürfte das die zuletzt gestiegene Bewertung weiter untermauern – ebenso wie ein möglicher Rückschlag die derzeit hohe Volatilität der Aktie zusätzlich befeuern würde.
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