Nvidia Aktie: SpaceX sichert sich Vera-Rubin-Kapazität

Nvidia verzeichnet starke Kursgewinne, doch Analysten warnen vor Risiken durch zirkuläre Finanzierung und Kartellverfahren. Die Chip-Nachfrage bleibt hoch.

Die Kernpunkte:
  • Kursanstieg von 10,57 Prozent
  • Hohe Nachfrage nach KI-Chips
  • Sorge um zirkuläre Finanzierung
  • Kartellverfahren und Insiderverkäufe

Nvidia hat diese Woche eine bemerkenswerte Rally hingelegt: Der Kurs kletterte binnen sieben Tagen um 10,57 Prozent. Für mich ist das aber nicht die eigentliche Geschichte. Die eigentliche Geschichte ist, wie fragil das Fundament dieser Rally sein könnte.

Die Nachfrage bricht alle Dämme

Der Treiber hinter der Erholung ist simpel: Die Nachfrage nach Nvidia-Chips übersteigt das Angebot massiv. Analyst Dan Ives hat genau das kürzlich betont. Dieses Ungleichgewicht wirkt wie ein Puffer. Selbst wenn mehrere Großkunden ihre Order zurückfahren würden, bliebe das Auftragsbuch auf absehbare Zeit prall gefüllt.

Auch aus der Praxis kam zuletzt Rückenwind für diese These. Beim Earnings-Call von SpaceX lobte Elon Musk die neue Vera-Rubin-Plattform als „beste Architektur“, die er kenne. SpaceX wolle sich bis Jahresende massive Rechenkapazität sichern. Wenn selbst ein Unternehmen wie SpaceX um Kapazitäten kämpft, zeigt das: Nvidias Hardware ist längst keine austauschbare Ware mehr. Sie ist ein Flaschenhals der gesamten KI-Infrastruktur.

Der Schatten der Zirkelfinanzierung

Hier wird es für mich unbequem. Skeptiker wie Michael Burry weisen seit Monaten auf ein wachsendes Geflecht aus „zirkulärer Finanzierung“ hin. Solche Muster gingen früheren Marktkorrekturen oft voraus.

Konkret: Nvidia soll in Gesprächen stehen, um Finanzierungen für OpenAI abzusichern, damit der ChatGPT-Entwickler Rechenkapazität leasen kann. Mehrere große KI-Deals stehen deshalb unter genauem Beobachtung wegen genau dieser Zirkelfinanzierungs-Sorge. Die Befürchtung: Nvidia finanziert sein eigenes Umsatzwachstum indirekt selbst mit.

Der freie Cashflow des Unternehmens bleibt zwar außergewöhnlich stark. Allerdings hängen viele Kunden an hochgehebelten Finanzierungsvehikeln und außerbilanziellen Verpflichtungen. Genau dieses Risiko hat der Markt meiner Einschätzung nach noch nicht eingepreist.

Regulatorik zieht die Schlinge enger

Zur Finanzierungsfrage kommt ein zweites Problem: Kartellbehörden. DOJ und FTC ermitteln derzeit gegen Nvidia. Parallel bremsen Exportbeschränkungen das China-Geschäft — Berichten zufolge erhält dort nur eine Minderheit der Anträge für H200-Chip-Lieferungen eine Genehmigung.

Hinzu kommt ein Warnsignal aus der Chefetage selbst: Insider haben in den vergangenen Monaten in beträchtlichem Umfang Aktien verkauft. Ein Muster, das bei Privatanlegern erfahrungsgemäß Vorsicht auslöst.

Technisch zeigt sich die Aktie derweil stabil. Mit einem RSI von 55,9 liegt sie in neutralem Terrain — weder überkauft noch überverkauft. Zum Rekordhoch von 202,50 Euro fehlen aber noch gut 9 Prozent.

Mein Fazit: Die Wette geht knapp an die Bullen

Unterm Strich überwiegen für mich derzeit die Argumente der Optimisten — aber der Pfad wird schmaler. Der Umfang des Vera-Rubin-Umstiegs und die schier unstillbare Nachfrage von Hyperscalern wie Oracle und Meta, die zunehmend selbst ins Compute-Leasing-Geschäft einsteigen, sprechen für anhaltende Dominanz.

Die Zirkelfinanzierungs-Deals und die Kartellverfahren sind echte Tail-Risiken. Trotzdem: Die akute Chip-Knappheit ist für den Markt gerade die drängendere Realität. Solange Nvidia als einziger Anbieter der „besten Architektur“ für die KI-Ära gilt, wiegt das schwerer als das Rauschen um komplexe Finanzierungskonstrukte.

Der eigentliche Test kommt mit dem Quartalsbericht Ende August. Erst dann zeigt sich, ob die Rally der vergangenen Woche mehr war als ein kurzes Aufflackern — oder ob die Zirkelfinanzierungs-Sorgen dann doch die Oberhand gewinnen.

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