Nvidia vor der nächsten Wachstumsprobe: Wie belastbar ist die 70-Prozent-Prognose?

Nvidia meldet 96,2 Milliarden Dollar Umsatz und stellt 108,0 Milliarden in Aussicht. Hyperscaler-Budgets bleiben entscheidend für weiteres Wachstum.

Die Kernpunkte:
  • Umsatz steigt auf 96,2 Milliarden Dollar
  • 108,0 Milliarden Dollar für Q3 erwartet
  • AWS-Partnerschaft bringt zwei Millionen GPUs
  • China-Umsatz bleibt in Guidance unberücksichtigt

Ausgangslage

Nvidia hat mit den Zahlen zum zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2027 ein enormes Tempo bestätigt. Der Umsatz kletterte auf 96,2 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 18 Prozent zum Vorquartal und 106 Prozent zum Vorjahr. Für das dritte Quartal stellt das Unternehmen 108,0 Milliarden US-Dollar Umsatz in Aussicht, mit einer Schwankungsbreite von 2 Prozent.

Finanzchefin Colette Kress rechnet zudem mit einem Umsatzwachstum von rund 70 Prozent für das gesamte Geschäftsjahr 2028. Diese Aussage ist keine gemeldete Zahl, sondern eine unternehmenseigene Erwartung – und genau darum dreht sich die Frage, vor der Anleger jetzt stehen: Kann Nvidia dieses Tempo tatsächlich durchhalten, oder ist die Guidance zu ambitioniert?

Untermauert wird der Optimismus durch frische Partnerschaften. AWS und Nvidia kündigten kürzlich an, gemeinsam 2 Millionen zusätzliche GPUs in die globale AWS-Infrastruktur zu bringen, inklusive Blackwell Ultra, Rubin und Rubin Ultra, mit Auslieferung in den Jahren 2027 und 2028. Anfang September erweiterte Nvidia zudem die Kooperation mit MediaTek um automobile KI-Plattformen, gestützt durch eine Investition von 3,5 Milliarden US-Dollar in Wandelanleihen des taiwanischen Chipherstellers. Solche Vereinbarungen zeigen: Die Nachfrageseite scheint gesichert, doch die Umsetzung erstreckt sich über Jahre.

Die entscheidende Frage

Der Knackpunkt ist die Kapazität der Cloud-Anbieter, das von Nvidia versprochene Wachstum überhaupt abzunehmen. Das Unternehmen selbst verweist auf einen Auftragsbestand der Cloud-Branche von mehr als 2 Billionen US-Dollar und erwartet, dass die Investitionsausgaben der fünf größten US-Hyperscaler von 800 Milliarden US-Dollar in diesem Jahr auf 1,3 Billionen US-Dollar im kommenden Jahr steigen könnten.

Ob diese Prognose eintrifft, entscheidet, ob Nvidias Wachstumspfad realistisch bleibt oder ob die Lieferketten und Kapitalbudgets der Kunden zum Flaschenhals werden.

Bullisches Szenario

Sollten die Hyperscaler ihre Investitionen tatsächlich in diesem Tempo hochfahren, profitiert Nvidia von einer strukturell wachsenden Nachfrage, die weit über den aktuellen Auftragsbestand hinausreicht.

Die geplante Übernahme von Hugging Face für 12,93 Milliarden US-Dollar, die im ersten Halbjahr des kommenden Jahres abgeschlossen werden soll, könnte die Softwareseite stärken und Kunden enger an Nvidias Ökosystem binden.

Zusätzliche Projekte wie die Ausstattung von SpaceXAI mit Vera-CPUs für agentenbasierte KI-Anwendungen deuten darauf hin, dass Nvidia seine Technologie in immer neue Anwendungsfelder trägt. Bleibt die Nachfrage robust, dürfte die Marge – zuletzt bei 75,0 Prozent auf GAAP- und Non-GAAP-Basis – stabil bleiben und die Wachstumsstory intakt sein.

Bärisches Szenario

Die Kehrseite: Nvidia rechnet in seiner Guidance ausdrücklich mit keinerlei Data-Center-Umsatz aus China. Fällt dieser Markt dauerhaft weg, fehlt ein potenzieller Wachstumstreiber, den das Unternehmen bislang nicht einpreist – ein Risiko, das bei einer Enttäuschung an anderer Stelle schwerer wiegen würde.

Zudem verkauft Board-Mitglied Mark Stevens in erheblichem Umfang Aktien: Allein seit Juni summieren sich seine Verkäufe auf nahezu 1,5 Milliarden US-Dollar, zuletzt kündigte er über ein Form-144-Filing den Verkauf von bis zu 5 Millionen Aktien im Wert von rund 1,09 Milliarden US-Dollar an.

Solche Insider-Verkäufe sind kein Beweis für fehlendes Vertrauen, doch sie fallen in eine Phase, in der die Aktie nahe ihrem 52-Wochen-Hoch von 202,50 Euro notiert – aktuell liegt der Abstand dazu bei nur 1,9 Prozent. Bei einer annualisierten Volatilität von 42 Prozent könnte jede Enttäuschung bei der Kundennachfrage überproportionale Kursreaktionen auslösen.

Ausblick

Solange die Hyperscaler ihre angekündigten Investitionsbudgets tatsächlich abrufen und die Auslieferungen der neuen GPU-Generationen wie geplant anlaufen, bleibt Nvidias Wachstumsversprechen von 70 Prozent für das kommende Geschäftsjahr im Rahmen des Machbaren.

Kippt jedoch die Investitionsbereitschaft der Cloud-Konzerne, etwa weil sich die Nachfrage nach KI-Rechenleistung langsamer entwickelt als erwartet, oder bleibt der chinesische Markt dauerhaft verschlossen, geriete die Guidance unter Druck.

Der nächste konkrete Prüfstein ist die Umsetzung der Quartalsguidance von 108,0 Milliarden US-Dollar für das dritte Geschäftsquartal – die Zahlen dazu werden zeigen, ob das aktuelle Tempo trägt oder ob sich erste Bremsspuren zeigen.

Die für den 1. Oktober angekündigte Quartalsdividende von 0,25 US-Dollar je Aktie ändert an dieser fundamentalen Frage nichts, bleibt aber ein Signal für die operative Stabilität des Konzerns.

Anzeige

Nvidia-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Nvidia-Analyse vom 7. September liefert die Antwort:

Die neusten Nvidia-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Nvidia-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 7. September erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Nvidia: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

Diskussion zu Nvidia