Nvidias Mega-Prognose beflügelt Chip-Sektor, Marvell bleibt außen vor
Nvidias Umsatzperspektive beflügelt AMD, TSMC und SK Hynix, während Marvell trotz höherer Ziele wegen des Google-Timings verliert.

- Nvidia erwartet 70 Prozent Umsatzwachstum
- SK Hynix plant HBM4E-Fertigung ab 2029
- AMD steigert Quartalsumsatz auf 11,5 Milliarden Dollar
- Marvell verliert trotz angehobener Prognose
Eine einzige Umsatzprognose reichte diese Woche aus, um den gesamten Halbleiter-Sektor durcheinanderzuwirbeln. Nvidia stellte eine derart aggressive Wachstumszahl in Aussicht, dass AMD, TSMC und SK Hynix im Sog mitzogen. Nur Marvell Technology geriet trotz solider eigener Zahlen unter die Räder – ein Beweis dafür, wie nervös Investoren mittlerweile auf das Timing von KI-Deals reagieren.
Nvidia: Eine Prognose, die alle Modelle sprengt
Nvidia hat mit seiner Prognose fürs kommende Geschäftsjahr die Erwartungen komplett über den Haufen geworfen. Der Chip-Konzern rechnet mit einem Umsatzwachstum von 70 Prozent – deutlich mehr als die von Analysten veranschlagten rund 44 Prozent.
Das entspricht einem Jahresumsatz von rund 690 bis 700 Milliarden Dollar, deutlich über den zuvor kalkulierten 570 Milliarden Dollar. CEO Jensen Huang machte unmissverständlich klar, dass die tatsächliche Nachfrage die Prognose sogar übersteigt – limitierender Faktor sei allein das verfügbare Angebot.
Im abgelaufenen Quartal, das Ende Juli 2026 endete, setzte Nvidia 96,2 Milliarden Dollar um, gut doppelt so viel wie im Vorjahr. Der Nettogewinn kletterte auf 59,7 Milliarden Dollar.
Die Bruttomarge, zuletzt bei 75 Prozent, dürfte wegen steigender Speicherpreise zeitweise auf rund 71 Prozent fallen, bevor sie sich im kommenden Geschäftsjahr wieder erholt. Genau dieser Punkt zeigt: Der Speicherengpass, den SK Hynix beschreibt, trifft mittlerweile auch die Marge des größten Chip-Konzerns der Welt.
Die Aktie schloss am Freitag bei 187,78 Euro, ein Tagesminus von 4,1 Prozent im Sog der schwächelnden Speicherchip-Werte. Auf Monatssicht steht dennoch ein Plus von 13 Prozent zu Buche.
Mehrere Banken zogen nach den Zahlen nach: UBS setzte das Kursziel auf 300 Dollar herauf, Citi auf 315 Dollar. Der durchschnittliche Analystenausblick sieht weiteres Aufwärtspotenzial von rund 49 Prozent.
SK Hynix: Die Knappheit soll bis 2030 anhalten
SK Hynix sieht die Ursache des Booms nicht so schnell versiegen. Der Speicherchip-Hersteller plant, ab 2029 in seinem Werk in Indiana die nächste HBM4E-Generation in Serie zu fertigen. CEO Kwak Noh-Jung geht davon aus, dass die aktuelle Angebotsknappheit bis mindestens 2030 anhält.
Das Indiana-Projekt hat ein Volumen von über 4 Milliarden Dollar und soll die Fertigung näher an Großkunden wie Nvidia, Microsoft und Google heranbringen. Im heimischen Markt beschloss der Vorstand zudem Investitionen von umgerechnet rund 38,3 Milliarden Dollar bis 2031, ein Großteil davon fließt in den Ausbau der Fertigungskapazitäten in Südkorea.
Mit einem Marktanteil von 58 Prozent im HBM-Segment führt SK Hynix das Feld klar vor Samsung und Micron, die jeweils rund 21 Prozent halten. Diese Dominanz erklärt, warum das Management trotz des allgemeinen Nervositäts-Schubs im Sektor so gelassen bleibt.
Am Freitag gab die Aktie um 4,5 Prozent auf 1.653.000 Won nach. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von 154 Prozent zu Buche – Ausdruck davon, wie stark der KI-Speicherboom die Bewertung bereits getrieben hat.
AMD: Starke Zahlen im Schatten des großen Rivalen
AMD stand in dieser Woche im Schatten von Nvidias Rekordprognose, dabei können sich die eigenen Zahlen durchaus sehen lassen. Der Rivale meldete für das zweite Quartal einen Gewinn je Aktie von 1,66 Dollar, mehr als die von Analysten erwarteten 1,61 Dollar.
Der Umsatz kletterte um 50 Prozent auf ein Rekordniveau von 11,5 Milliarden Dollar, angetrieben vom Server- und KI-Geschäft. Allein die Data-Center-Sparte mit EPYC-Prozessoren und Instinct-Beschleunigern verdoppelte sich nahezu auf 6,7 Milliarden Dollar.
Auf der Partnerseite baut AMD sein Ökosystem weiter aus: Microsoft will ab der zweiten Jahreshälfte 2026 die Helios-Plattform in Azure einsetzen, zudem wurde eine breite Kooperation mit Anthropic besiegelt.
Raymond James stufte die Aktie von Outperform auf Strong Buy hoch und erhöhte das Kursziel auf 641 Dollar – ein Aufwärtspotenzial von rund 40 Prozent. Rund 72 Prozent der Wall-Street-Analysten empfehlen die Aktie zum Kauf.
Zum Wochenschluss notierte der Titel bei 402,00 Euro, ein Tagesminus von 1,7 Prozent. Auf Jahressicht bleibt dennoch ein Plus von 118 Prozent – AMD hat sich seit dem Tief im vergangenen September mehr als verdreifacht.
Marvell Technology: Bestraft trotz angehobener Prognose
Marvell lieferte eines der widersprüchlichsten Ergebnisse der Berichtssaison: Trotz eines Umsatzsprungs sackte die Aktie deutlich ab. Der Chip-Entwickler hob seine Umsatzprognose fürs Geschäftsjahr 2028 auf rund 18 Milliarden Dollar an, von zuvor 16,5 Milliarden Dollar.
Im zweiten Quartal wuchs der Umsatz um 37 Prozent auf 2,7 Milliarden Dollar. Der Haken liegt im Timing des milliardenschweren Custom-Chip-Deals mit Google: CEO Matt Murphy stellte klar, dass sich der finanzielle Beitrag erst ab dem Geschäftsjahr 2029 spürbar niederschlagen soll.
Die Google-Vereinbarung kann bis zum Geschäftsjahr 2033 ein Volumen von bis zu 120 Milliarden Dollar erreichen – Analysten von Morgan Stanley merkten jedoch an, dass ein Großteil davon bereits in der bisherigen Prognose eingepreist war.
Der Lichtblick bleibt das Data-Center-Geschäft: Es wuchs um 46 Prozent auf einen Rekordwert von 2,17 Milliarden Dollar und macht mittlerweile 79 Prozent des Konzernumsatzes aus.
Rosenblatt und Needham bestätigten trotz des Kursrutsches ihre Kaufempfehlungen mit Kurszielen von jeweils 300 Dollar. Der Markt straft damit offenbar weniger die operative Entwicklung ab als vielmehr die hohen Erwartungen an das Timing der Google-Kooperation.
Am Freitag brach die Marvell-Aktie um 9,5 Prozent auf 187,50 Euro ein, der stärkste Tagesverlust unter den fünf Chip-Werten. Seit Jahresbeginn bleibt dennoch ein Plus von 157 Prozent.
TSMC: Der stille Gewinner im Hintergrund
TSMC profitiert leise von seiner Position als unverzichtbarer Fertiger hinter praktisch jeder KI-Chip-Story in diesem Artikel. Die Aktie legte 2026 bislang rund 35 Prozent zu, blieb damit aber hinter dem Philadelphia-Halbleiterindex zurück, der im gleichen Zeitraum 61 Prozent gewann.
Operativ läuft es glänzend: Der Juli-Umsatz stieg um 45 Prozent gegenüber dem Vorjahr, womit der Auftragsfertiger auf Kurs liegt, seine eigene Jahresprognose von rund 40 Prozent Wachstum zu übertreffen.
Im zweiten Quartal erzielte TSMC einen Umsatz von 40,2 Milliarden Dollar, die Bruttomarge lag bei 67,7 Prozent – beides über den Erwartungen. Für laufende Investitionen kalkuliert der Konzern nun mit 18,75 bis 20 Milliarden Dollar.
Die Marktposition bleibt uneinholbar: Samsung als zweitgrößter Auftragsfertiger kommt gerade einmal auf einen Marktanteil von 7 Prozent. Diese Dominanz erlaubt TSMC, die Preise weiter anzuziehen – für zusätzliche KI-Chip-Kapazitäten sind Aufschläge von bis zu 25 Prozent im kommenden Jahr im Gespräch.
Am Freitag schloss die Aktie bei 361,00 Euro, ein Minus von 1,6 Prozent. Analysten sehen im Schnitt weiteres Kurspotenzial von rund 30 Prozent.
Sektordynamik: Fünf Positionen im selben Superzyklus
Die fünf Unternehmen besetzen unterschiedliche Rollen im selben KI-Superzyklus:
- Nvidia dominiert die Nachfrageseite – seine Prognose allein reichte, um AMD, TSMC und Speicherwerte mitzuziehen.
- SK Hynix und TSMC bilden die physische Infrastruktur-Ebene: Speicher und Fertigung profitieren von Kapazitätsengpässen, die eher Preismacht als Wettbewerbsdruck bedeuten.
- AMD und Marvell kämpfen darum, Nvidia und Broadcom Marktanteile am KI-Compute-Geschäft abzujagen – AMD über GPUs und Server-CPUs bei Hyperscalern, Marvell über Custom-Silicon-Partnerschaften.
- Die harte Marktreaktion auf Marvells Zahlen im Kontrast zur anhaltenden Euphorie um AMD zeigt: Investoren bewerten inzwischen genauer, wann sich KI-Wetten auszahlen – nicht nur, ob.
- Der von SK Hynix skizzierte Speicherengpass bis 2030 wirkt bereits auf die Kostenstruktur der GPU-Hersteller zurück, sichtbar an Nvidias eigener Margenprognose.
Chip-Sektor: Kapazität wird zum entscheidenden Engpass
Die kurzfristige Richtung des Sektors hängt weniger von der Nachfrage ab als davon, wie schnell Kapazitäten aufgebaut werden können. Nvidias angebotslimitierte 70-Prozent-Prognose, SK Hynix‘ mehrjährige Knappheitswarnung und TSMCs aggressiver Kapazitätsausbau deuten allesamt in dieselbe Richtung: Engpässe sind die entscheidende Variable, nicht die Kundennachfrage.
Für AMD wird sich in den kommenden Quartalen zeigen, ob Helios- und MI450-Rollouts die Bewertungslücke zu Nvidia tatsächlich schließen können. Für Marvell dürfte der Investorentag im Oktober zum nächsten Prüfstein werden, der Klarheit über Ausmaß und Timing des Google-Deals bringen könnte. Wer den Sektor beobachtet, sollte vor allem drei Größen im Blick behalten: die Entwicklung der Speicherpreise, die Investitionskommentare der Hyperscaler – und TSMCs Fortschritt beim 2-Nanometer-Ausbau.
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