Ocugen: CFO kauft 21.000 Aktien bei 1,23 Dollar

Ocugen meldet Fortschritte bei zwei Phase-3-Programmen, einen Lizenzdeal und 100,4 Millionen US-Dollar Cash bis 2028.

Die Kernpunkte:
  • CFO erwirbt 21.000 Ocugen-Aktien
  • Phase-3-Studie mit 140 Probanden abgeschlossen
  • Lizenzvereinbarung eröffnet Umsatzpotenzial
  • Barmittel reichen laut Unternehmen bis 2028

Ocugen steckt in einer Phase, in der viele Anleger nervös werden: Die Aktie pendelt seit Wochen seitwärts, aktuell bei 1,19 Euro, knapp unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 1,20 Euro. Zum 52-Wochen-Hoch von 2,35 Euro fehlt fast die Hälfte.

Wer nur auf den Chart schaut, sieht eine Aktie ohne klare Richtung. Für mich zählt in diesem Fall aber weniger die Kursbewegung als das, was im operativen Geschäft passiert – und da verdichten sich für Ocugen gerade mehrere Fäden zu einer Geschichte, die ich für unterbewertet halte.

Der CFO kauft, während der Kurs schwächelt

Mitte August hat Finanzchefin Treerita Essali Johnson-Greene 21.000 Aktien zu einem Durchschnittspreis von 1,23 US-Dollar am offenen Markt erworben. Das ist keine riesige Summe, aber ein Signal, das ich nicht unterschätzen würde: Wer die Bücher eines Unternehmens am besten kennt, kauft selten aus Höflichkeit.

Solche Insidertransaktionen sind kein Kaufsignal für sich allein, aber sie passen ins Bild eines Managements, das von der eigenen Pipeline überzeugt ist – gerade in einer Phase, in der die Aktie mit 59 Prozent annualisierter 30-Tage-Volatilität ohnehin nervös gehandelt wird.

Auch institutionelle Anleger positionieren sich. Janus Henderson Group hat eine passive Beteiligung von 3,0 Prozent offengelegt, bestehend aus 10 Millionen Aktien und ebenso vielen Warrants zum Ende des zweiten Quartals. Das ist kein aktivistischer Einstieg, aber es zeigt, dass größere Adressen Ocugen auf dem Radar behalten.

Zwei Pipeline-Projekte, ein Finanzierungspuffer

Die eigentliche Substanz liegt für mich in den klinischen Fortschritten. Für OCU400 gegen Retinitis pigmentosa ist die Randomisierung der Phase-3-Studie liMeliGhT mit 140 Probanden abgeschlossen. Top-Line-Daten werden für das erste Quartal 2027 erwartet, die BLA-Einreichung ist für Ende 2027 angepeilt.

Parallel dazu hat Ocugen für OCU400 einen bindenden Term-Sheet mit Roots Pharmaceutical und Al-Dhow International Holding unterschrieben – eine Exklusivlizenz für die Region Nahost/Nordafrika mit potenziellen Umsatzmeilensteinen von bis zu 255 Millionen US-Dollar. Das ist eine Zahl, die aufhorchen lässt, auch wenn sie an Bedingungen geknüpft und noch nicht verdient ist.

Beim zweiten Programm, OCU410 gegen geografische Atrophie, hat Ocugen das klinische Protokoll der Phase-3-Zulassungsstudie auf ClinicalTrials.gov aktualisiert. Rekrutiert werden rund 237 Probanden, die Sicherheit und Wirksamkeit der Gentherapie AAV-hRORA untersuchen sollen.

Vor rund zwei Wochen hatte die FDA die Studie freigegeben und den RMAT-Status vergeben – seither hat die Aktie um 5,7 Prozent zugelegt, wenn man den Zeitraum bis heute betrachtet. Nun rückt mit September die eigentliche Initiierung der globalen Zulassungsstudie ArMaDa3 näher, was den Kurs zuletzt eher belastet als beflügelt hat.

Wichtig für die Bewertung des Risikos: Ocugen hat zum 30. Juni Barmittel von 100,4 Millionen US-Dollar ausgewiesen, bei einem Nettoverlust von 0,07 US-Dollar pro Aktie und Erlösen von 1,49 Millionen US-Dollar im zweiten Quartal.

Das Unternehmen selbst spricht von einer operativen Reichweite bis 2028. Das nimmt aus meiner Sicht einen Teil des Finanzierungsdrucks aus der Aktie, den viele Biotech-Werte in dieser Entwicklungsphase spüren.

Dass Ocugen für die Sonderaktionärsversammlung am 21. September die Erhöhung der genehmigten Aktienzahl vorschlägt, um künftige Kapitalerhöhungen zu ermöglichen, sehe ich als vorsorgliche Flexibilität – nicht als akuten Bedarf, solange der aktuelle Cash-Bestand trägt.

Mein Fazit

Für mich überwiegen aktuell die fundamentalen Argumente gegenüber der Kursschwäche. Zwei Phase-3-Programme mit konkreten Datenpunkten in 2027, ein Lizenzdeal mit realer Umsatzperspektive, ein Insiderkauf des CFO und ein Finanzierungspuffer bis 2028 – das ist eine Kombination, die in der aktuellen Kursbewegung von minus 4,7 Prozent seit Jahresbeginn nicht abgebildet scheint.

Die Bewertung von automatisierten Ratingdiensten wie jüngst von Weiss Ratings, die Ocugen von „sell (e+)“ auf „sell (d-)“ hochgestuft haben, würde ich dabei nicht überbewerten. Entscheidend bleibt der September mit dem Start von ArMaDa3 – für mich der eigentliche Prüfstein, nicht die Tagesbewegung der Aktie.

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