Öl fällt um 5 Prozent, Kupfer steigt um 36 — was die Rally wirklich treibt
DAX schließt bei 24.737 Punkten, während Brent-Öl um 5,5 Prozent nachgibt. Industriemetalle wie Kupfer und Wolfram zeigen langfristige Rallye-Tendenzen.

- DAX legt trotz Ölpreisrutsch zu
- Commerzbank schüttet 2,7 Milliarden aus
- Kupferpreis steigt um 36 Prozent
- Japan-Aktien mit 21 Prozent Plus
Liebe Leserinnen und Leser,
gestern schloss ich mit zwei Datenpunkten, die den Mittwochabend entscheiden würden: Nvidias Quartalszahlen und das Fed-Protokoll. Beide stehen noch aus. Doch die Märkte haben nicht gewartet. Der DAX legte am Mittwoch 1,38 Prozent zu, Brent-Öl brach um mehr als 5 Prozent ein, die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen fiel um 11 Basispunkte auf 3,08 Prozent. Die Erleichterung hat einen Namen: Iran-Gespräche. Und sie hat ein Verfallsdatum.
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Denn wer nur auf den Tagesgewinn schaut, übersieht die strukturelle Verschiebung dahinter. Kupfer hat in zwölf Monaten knapp 36 Prozent zugelegt. Wolfram-Preise haben sich seit Ende 2025 mehr als verdreifacht. Japan investiert eine Billion Yen in Recycling-Lieferketten. Die Erleichterungsrally vom Mittwoch und der langfristige Rohstoffdruck erzählen zwei völlig verschiedene Geschichten — und beide sind relevant.
DAX bei 24.737: Ölpreise liefern den Nachmittagsschub
Der DAX schloss bei 24.737,24 Punkten, nachdem er nahe Vortagesniveau gestartet war. Die Dynamik kam am Nachmittag, als sich abzeichnete, dass die Ölpreise nicht nur nachgaben, sondern regelrecht einbrachen. WTI fiel um 5,26 Prozent auf 98,67 Dollar, Brent um 5,51 Prozent auf 105,15 Dollar. Auslöser waren Signale aus Washington, wonach US-Präsident Trump Fortschritte in den Verhandlungen mit dem Iran sieht.
Am Rentenmarkt spiegelte sich die Entspannung unmittelbar: Der Euro-Bund-Future gewann 0,80 Prozent auf 124,93 Punkte. Damit kam ein Teil des Zinsanstiegs zurück, der die Märkte in den vergangenen Wochen belastet hatte.
An der Wall Street lagen die Indizes zur Mittagszeit ebenfalls klar im Plus. Der Dow stand 1,04 Prozent höher bei 49.879 Punkten, der S&P 500 stieg 0,85 Prozent auf 7.416 Punkte, der Nasdaq gewann 1,19 Prozent auf 26.179 Punkte. Die Rendite zehnjähriger US-Treasuries lag bei 4,579 Prozent — deutlich unter dem Dienstagshoch von 4,663 Prozent.
Nvidia legt nach US-Börsenschluss Zahlen vor. Vorab notierte die Aktie rund 2 Prozent im Plus, AMD gewann 7,6 Prozent, Intel 6 Prozent. Die Halbleiterbranche preist bereits ein, dass die Zahlen liefern werden. Ob sie recht behält, wissen wir morgen früh.
Commerzbank: 2,7 Milliarden Kapitalrückgabe, null Interesse an Unicredit
Die Commerzbank-Hauptversammlung am Mittwoch war so eindeutig wie selten ein Aktionärstreffen. Alle Tagesordnungspunkte wurden angenommen. Die Dividende steigt auf 1,10 Euro je Aktie — nach 0,65 Euro im Vorjahr —, beschlossen mit 99,88 Prozent Mehrheit. Zusammen mit 1,5 Milliarden Euro an Aktienrückkäufen beläuft sich die gesamte Kapitalrückgabe für 2025 auf 2,7 Milliarden Euro, was 100 Prozent des Nettoergebnisses vor Restrukturierung entspricht. Zusätzlich erhielt der Vorstand die Ermächtigung für weitere Rückkäufe von bis zu 10 Prozent des Grundkapitals.
Strategisch war die Botschaft noch klarer als die Abstimmungsergebnisse. Aufsichtsratschef Jens Weidmann und Vorstandschefin Bettina Orlopp rieten den Aktionären ausdrücklich, das Unicredit-Umtauschangebot abzulehnen. Unicredit hält inzwischen fast 30 Prozent der Commerzbank-Aktien, das Umtauschangebot läuft bis zum 16. Juni. Der Bund — weiterhin mit 12 Prozent beteiligt — lehnt die Übernahme ab. Institutionelle Investoren wie Deka und DWS bewerten das Angebot als unattraktiv, weil es keine Prämie enthält. Die Aktionärsschützer von DSW und SdK halten eine Übernahme zwar für wahrscheinlich, fordern aber deutlich bessere Konditionen.
Für Anleger bedeutet das: Die Commerzbank ist gleichzeitig eine der attraktivsten Dividendengeschichten im DAX und ein Übernahmepoker, dessen Ausgang offen bleibt.
Kupfer, Wolfram, Gallium — die stille Hausse der Industriemetalle
Während die Tagesschlagzeilen vom Ölpreisrückgang handeln, vollzieht sich bei den Industriemetallen eine Bewegung, die langfristig schwerer wiegt. Der Kupfer-Future für Juli 2026 schloss am Mittwoch bei 6,3228 Dollar je Pfund — ein Anstieg von 35,88 Prozent binnen eines Jahres. LME-Dreimonats-Futures bewegen sich im Bereich von 12.000 bis 13.000 Dollar je Tonne, Nomura Securities erwartet für 2026 eine Spanne von 12.000 bis 14.000 Dollar.
Die Gründe sind nicht konjunkturell, sondern strukturell: Kupfererz wird knapper, die IEA erwartet ab 2030 einen Rückgang der Minenproduktion. Gleichzeitig steigt die Nachfrage durch Elektromobilität, erneuerbare Energien und den Bau von KI-Rechenzentren. Japan reagiert bereits. Mitsubishi Materials stoppt die Kupferkonzentrat-Produktion in Onahama bis März 2027 und plant bis 2035 eine Reduktion um 30 bis 40 Prozent. JX Metals will den Recyclinganteil bis 2040 auf 50 Prozent erhöhen. Die japanische Regierung investiert bis 2030 eine Billion Yen in Recycling-Lieferketten — Ziel: 30 Prozent des Kupferbedarfs aus Sekundärrohstoffen.
Bei den Seltenen Metallen verschärft sich die Lage weiter. Chinas Exportkontrollen auf Gallium, Germanium, Wolfram, Molybdän und Antimon treiben die internationalen Preise nach oben, während die chinesischen Inlandspreise wegen Überangebot fallen. Besonders drastisch: Wolfram-APT-Preise stiegen von 900 Dollar Ende 2025 auf 3.000 Dollar im März 2026. Eine Verdreifachung in drei Monaten — und kaum jemand redet darüber.
Hormus bleibt das Risiko, das der Markt gerade ausblendet
Die Ölpreise fielen am Mittwoch, weil Diplomatie Hoffnung macht. Doch die Szenarien, die Wood Mackenzie am selben Tag veröffentlichte, lesen sich weniger beruhigend. Falls die Straße von Hormus geschlossen bleibt, wären mehr als 11 Millionen Barrel Rohöl und Kondensat pro Tag betroffen, dazu 80 Millionen Tonnen LNG jährlich — rund 20 Prozent des globalen LNG-Angebots.
Wood Mackenzie rechnet in drei Szenarien. Im günstigsten Fall — Straße bis Juni offen — läge Brent Ende 2026 bei 80 Dollar, das globale BIP-Wachstum bei 2,3 Prozent. Im mittleren Szenario — Sperrung bis September — droht eine flache Rezession im zweiten Halbjahr, BIP-Wachstum unter 2 Prozent. Im Extremfall — Sperrung bis Jahresende — könnte Brent auf 200 Dollar steigen, die globale Ölnachfrage um 6 Millionen Barrel pro Tag einbrechen und das Welt-BIP 2026 um 0,4 Prozent schrumpfen.
Die UNCTAD fügt eine Handelskomponente hinzu: Das globale Warenhandelswachstum könnte sich 2026 auf 1,5 bis 2,5 Prozent verlangsamen, nach 4,7 Prozent im Vorjahr. Das globale BIP-Wachstum soll von 2,9 auf 2,6 Prozent sinken. Die Tagesrally preist das günstigste Szenario ein. Die Risikoprämie für die anderen beiden ist noch nicht verschwunden.
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Japan: 21 Prozent Plus seit Jahresbeginn, aber der Yen bleibt fragil
Abseits der europäischen und amerikanischen Schlagzeilen bleibt Japan einer der stärksten Aktienmärkte des Jahres. Der Nikkei 225 liegt seit Jahresbeginn rund 21 Prozent im Plus. Der MSCI Japan Index wird mit einem KGV von knapp 20 bewertet — günstiger als der S&P 500. Société Générale sieht steigende Gewinnerwartungen, besonders in der Industrie, getrieben durch Automatisierung und Japans wachsende Rolle in den Lieferketten für kritische Rohstoffe.
Für ETF-Anleger ist der Zugang unkompliziert: Der Xtrackers Nikkei 225 UCITS ETF 1C bildet 225 japanische Blue Chips ab, kostet 0,09 Prozent TER bei einem Fondsvolumen von 2,36 Milliarden Euro. Die Performance von April 2025 bis April 2026 betrug 66,88 Prozent — allerdings in Yen. Und genau hier liegt das Risiko für Euro-Anleger: Ein schwächerer Yen frisst Rendite. Wer Japan kauft, kauft immer auch eine Währungswette.
Was bleibt
Die Märkte hatten am Mittwoch einen guten Tag. Der Ölpreis fiel, die Renditen gaben nach, Aktien stiegen. Doch die drei Datenpunkte, die diese Woche wirklich entscheiden, liegen noch vor uns: Nvidias Zahlen kommen in wenigen Stunden, das Fed-Protokoll folgt, und ob die Iran-Gespräche mehr als Signale liefern, wird sich erst in den nächsten Tagen zeigen.
Strategisch verschiebt sich der Blick. Nicht weg von Tech — aber hin zu einer Welt, in der Kupfer, Wolfram und Gallium genauso über Portfoliorenditen entscheiden wie Halbleiter und Software. Wer beides im Blick behält, ist besser aufgestellt als jemand, der nur die Tagesrally feiert.
Herzlichst, Ihr
Felix Baarz
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