OHB: 10 Milliarden Euro SATCOMBw4 ab 2027

Analysten stufen OHB nach jüngster Korrektur als Kauf ein. Kursziel liegt fast 46 Prozent über dem aktuellen Niveau, gestützt auf Großaufträge ab 2027.

Die Kernpunkte:
  • Kursziel 340 Euro nach Kursrutsch
  • Netto-Cash-Position als starkes Fundament
  • Milliardenschwere Raumfahrtaufträge ab 2027 erwartet
  • Halbjahreszahlen bestätigen Prognose

Die Aktie von OHB hat sich binnen eines Monats um mehr als 16 Prozent verbilligt. Die Analysten von NuWays sehen darin keine Warnung, sondern eine Kaufgelegenheit. Ihr Kursziel: 340 Euro, fast 46 Prozent über dem aktuellen Niveau.

Der Grund für den Optimismus liegt nicht in den aktuellen Zahlen. Er liegt in dem, was noch kommt.

Die Bilanz macht den Unterschied

OHB hat seine Bilanz saniert. Der Bremer Raumfahrt- und Technologiekonzern steht jetzt in einer Netto-Cash-Position. Das bedeutet: Mehr Kasse als Schulden.

Für NuWays ist das der entscheidende Punkt. Das Unternehmen geht gut aufgestellt in eine Phase, in der große Aufträge anstehen. Im zweiten Quartal weitete OHB zudem seine Margen aus, wenn auch bei langsamerem Wachstum.

Das Wachstumstempo hat sich tatsächlich abgeschwächt. Im zweiten Quartal legte der Umsatz nur noch um 9 Prozent zu, nach 15 Prozent im ersten Quartal. Die Jahresprognose setzt nun eine Wiederbeschleunigung auf 13 Prozent im zweiten Halbjahr voraus.

Diese Rechnung ist ambitioniert, aber nicht unrealistisch. Das zweite Halbjahr müsste dann 55 Prozent des Gesamtjahresumsatzes liefern. Genau dieses Muster zeigte sich schon 2025.

Was die Kursfantasie treibt

Die eigentliche Story bei OHB liegt nicht im laufenden Geschäft. Sie liegt in den europäischen Weltraum- und Verteidigungsbudgets, die ab 2027 breiter fließen sollen.

Drei Zahlen zeigen das Ausmaß: Die ESA hat ein Budget von 22 Milliarden Euro für ihr MC25-Programm. Deutschland will bis 2030 rund 35 Milliarden Euro in die Militärraumfahrt investieren. Die EU plant für 2028 bis 2034 einen Rahmen von 131 Milliarden Euro für Weltraum und Verteidigung.

Konkret wird es laut NuWays schon 2027. Dann sollen deutsche Verteidigungsaufträge starten, angeführt vom Programm SATCOMBw4. Das Volumen: etwa 10 Milliarden Euro, wovon OHB nach Einschätzung der Analysten 30 bis 50 Prozent für sich sichern könnte. SBMD und SPOCK 2 gelten als weitere tragende Programme dieses Zyklus.

Die Zahlen aus dem Halbjahresbericht

Am 6. August veröffentlichte OHB seine Halbjahreszahlen. Das operative Gesamtleistungsvolumen lag bei 627,9 Millionen Euro, das bereinigte EBITDA bei 60,4 Millionen Euro.

Der Auftragsbestand nach sechs Monaten summierte sich auf 3,30 Milliarden Euro. Für das Gesamtjahr hält OHB an seiner Prognose fest: rund 1,4 Milliarden Euro Gesamtvolumen bei einer bereinigten EBITDA-Marge von 10,5 bis 11 Prozent.

Die Prognose blieb also unverändert. Das ist bei einem Unternehmen, das mitten in einer Wachstumsphase steckt, keine Selbstverständlichkeit.

Am Kursverlauf lässt sich die Unsicherheit trotzdem ablesen. Der RSI liegt bei 38,4 und deutet auf eine gewisse technische Erschöpfung nach der jüngsten Korrektur hin. Die annualisierte Volatilität von knapp 58 Prozent zeigt: Ruhe sieht anders aus.

Die Bewertungslücke zum NuWays-Kursziel bleibt groß. Ob sich diese Lücke schließt, hängt an einem einzigen Faktor: der tatsächlichen Vergabe der Großaufträge, vor allem SATCOMBw4 ab 2027. Bis dahin dürfte die Aktie zwischen langfristiger Wachstumsstory und kurzfristigen Kursschwankungen hin- und herpendeln.

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