OHB: 1,2 Milliarden Euro Wandelanleihen-Ermächtigung
OHB plant milliardenschweren Finanzrahmen für Auftragsboom. Aktionäre fürchten Verwässerung um bis zu 20 Prozent.

- Ermächtigung über 1,2 Milliarden Euro geplant
- Bis zu 20 Prozent neue Aktien möglich
- Rekord-Auftragsbestand von 3,35 Milliarden Euro
- SpaceX-Börsengang setzt neue Maßstäbe
Bei OHB geht es vor der Hauptversammlung nicht um Routine. Der Bremer Raumfahrtkonzern will sich einen deutlich größeren Finanzierungsspielraum sichern – und nimmt dafür ein spürbares Verwässerungspotenzial in Kauf. Am Mittwoch endet bis Mitternacht die Frist für elektronische Stellungnahmen der Aktionäre zu den Tagesordnungspunkten.
Kapitalrahmen für volle Auftragsbücher
Im Zentrum steht eine Ermächtigung für Wandel- oder Optionsschuldverschreibungen sowie Genussrechte. Der mögliche Gesamtnennbetrag liegt bei bis zu 1,2 Milliarden Euro. Damit will der Vorstand zusätzlichen Spielraum schaffen, um den Rekord-Auftragsbestand von mehr als 3,35 Milliarden Euro abzuarbeiten.
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Die Kehrseite ist klar. Zur Absicherung soll ein neues Bedingtes Kapital 2026/I geschaffen werden, das bis zu 3,84 Millionen neue Aktien umfasst. Rechnerisch entspräche das einer potenziellen Ausweitung des Grundkapitals um rund 20 Prozent.
Das ist noch keine konkrete Kapitalmaßnahme. Es wäre aber eine weitreichende Ermächtigung. Genau deshalb dürfte die Abstimmung auf der virtuellen Hauptversammlung mehr Aufmerksamkeit bekommen als eine normale Formalie.
Wachstum braucht Finanzierung
Operativ liefert OHB Argumente für den größeren Finanzrahmen. Im ersten Quartal 2026 stieg die Gesamtleistung um rund 15 Prozent auf 279,3 Millionen Euro. Das zeigt: Die Nachfrage ist da, die Auftragsbücher sind voll, die Projekte müssen finanziert und abgearbeitet werden.
Auch beim Ergebnis ging es voran. Das EBITDA kletterte auf 25,7 Millionen Euro, nach 17,3 Millionen Euro im Vorjahr. Der Auftragsbestand erreichte Ende März einen neuen Höchstwert.
Am Markt kommt ein zweiter Faktor hinzu: die geringe Handelbarkeit der Aktie. Nach den Beteiligungsveränderungen der vergangenen Jahre gilt der Streubesitz als eng. Schon kleinere Orders können deshalb stärkere Kursbewegungen auslösen. Kein Wunder, dass Anleger auf mögliche Verwässerung sensibel reagieren.
SpaceX setzt den Bewertungsmaßstab
Der Branchenton wird zusätzlich von den USA geprägt. Die Ankündigung eines für Mitte Juni 2026 geplanten Börsengangs von SpaceX sorgt bei Raumfahrtwerten für neue Vergleichsmaßstäbe. Marktbeobachter sprechen von einem Benchmark-Effekt, der auch europäische Anbieter in den Blick rückt.
OHB steht dabei für eine andere Story. Statt reiner Wachstumsfantasie verweist das Unternehmen auf langfristige institutionelle Aufträge von ESA und Europäischer Union. Projekte wie Galileo und die Wettersatelliten-Generation EPS-Sterna sichern die Grundlast weit über die nächsten Jahre hinaus.
Der nächste konkrete Termin ist die virtuelle Hauptversammlung am 8. Juni. Dort entscheidet sich, ob OHB den geplanten Kapitalrahmen erhält. Ein Ja würde den finanziellen Spielraum deutlich erhöhen, zugleich aber die Verwässerungsdebatte in der Aktie wachhalten.
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