OHB: 16-Prozent-Einbruch – Rekordzahlen vor der HV

OHB meldet starke Quartalszahlen. Spekulationen über eine Kapitalmaßnahme drücken den Kurs; ein KKR-Verkauf ist nicht bestätigt. Die Hauptversammlung im Juni wird richtungsweisend.

Die Kernpunkte:
  • Auftragsbestand steigt auf 3,35 Milliarden Euro
  • Nettogewinn verdreifacht sich im ersten Quartal
  • Ein KKR-Verkauf ist nicht bestätigt
  • Hauptversammlung am 8. Juni entscheidend

Starke Zahlen, eine offene Finanzierungsfrage und eine wegweisende Hauptversammlung — OHB SE steht in dieser Woche vor einem entscheidenden Moment. Der Bremer Raumfahrtkonzern liefert operativ, während Spekulationen über eine Kapitalmaßnahme den Kurs zuletzt durchgeschüttelt haben.

Quartalszahlen mit klarer Botschaft

Das erste Quartal 2026 liest sich beeindruckend. Der Auftragsbestand kletterte auf 3,35 Milliarden Euro — ein Plus von 45 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Gesamtleistung stieg um 15 Prozent auf 279,3 Millionen Euro, das bereinigte EBITDA legte um 37 Prozent auf 27,3 Millionen Euro zu.

Besonders auffällig: Der Nettogewinn verdreifachte sich auf 9,9 Millionen Euro, nach 3,7 Millionen Euro im Vorjahr.

Was bestätigt ist – und was nicht

Am 27. Mai brach die Aktie intraday um fast 16 Prozent ein. Auslöser waren Marktspekulationen über eine mögliche Großplatzierung. Bestätigt ist eine solche Transaktion nicht: OHB hat öffentlich mitgeteilt, Finanzierungsoptionen zu prüfen, dabei nicht unter Zeitdruck zu stehen und noch keine Entscheidung getroffen zu haben. KKR hat sich zu einem etwaigen Verkauf von Anteilen nicht geäußert. Angaben zu einem konkreten Volumen, zu beteiligten Banken oder zu einer Frist sind nicht belegt.

Der Hintergrund der heftigen Kursausschläge ist strukturell: Aktuell sind nur 5,68 Prozent der 19,15 Millionen Aktien frei handelbar. Bei so geringem Streubesitz können schon kleinere Orders den Kurs massiv bewegen — in beide Richtungen.

Hauptversammlung als erster Prüfstein

Am 8. Juni 2026 tritt die Hauptversammlung zusammen — ohne physische Präsenz der Aktionäre. Auf der Tagesordnung stehen mehrere kapitalmarktrelevante Punkte: eine vorgeschlagene Dividende von 0,60 Euro je Aktie sowie ein Aktienoptionsprogramm mit bis zu 576.447 Bezugsrechten für Vorstände, Führungskräfte und Mitarbeiter, gedeckelt auf 3,0 Prozent des Grundkapitals und gültig bis Juni 2031.

Ramses-Mission und RFA ONE als operative Anker

OHB Italia unterzeichnete auf der SmallSat Conference in Amsterdam einen Vertrag mit der Münchner HPS GmbH über die Kommunikationsantenne der Ramses-Sonde. Ramses ist eine gemeinsame ESA- und JAXA-Mission, die den Asteroiden Apophis kurz vor seinem Erdvorbeiflug begleiten soll. Die ESA vergab den Bauauftrag im Februar 2026 an OHB Italia — mit einem Volumen von 81,2 Millionen Euro, inklusive vorbereitender Arbeiten rund 150 Millionen Euro insgesamt.

Parallel dazu steht der erste orbitale Testflug des Mikrolaunchers RFA ONE für Sommer 2026 an. Die ersten Stufen wurden bereits zum SaxaVord Spaceport in Schottland geliefert. OHB weist selbst darauf hin, dass erste Flüge neuer Trägersysteme historisch in weniger als 30 Prozent der Fälle erfolgreich sind. Ein Rückzug von der Börse steht nach eigenen Angaben nicht zur Debatte.

Nach der Hauptversammlung am 8. Juni folgt mit dem beantragten Startfenster für RFA ONE am 1. Juli der nächste operative Test. Die Quartalszahlen für Q2 präsentiert OHB am 6. August.

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