OHB: 20 Prozent unter Kapitalerhöhungs-Kurs

OHB-Papier steigt um 3,19 Prozent, bleibt aber unter dem Emissionspreis von 300 Euro. Der Quartalsbericht am 6. August wird richtungsweisend.

Die Kernpunkte:
  • Kursplus von 3,19 Prozent
  • Kapitalerhöhung zu 300 Euro
  • Rekordauftragsbestand von 3,35 Mrd. Euro
  • Quartalszahlen am 6. August

Die OHB-Aktie versucht heute den Befreiungsschlag. Mit einem Plus von 3,19 Prozent klettert das Papier auf 242,50 Euro. Für mich ist dieser Kurssprung aber nur die halbe Geschichte – der Blick auf den Preis zeigt eine Diskrepanz, die Anleger nicht ignorieren sollten.

Der Preis, den Profis zahlten

Vor wenigen Wochen holte sich OHB frisches Kapital am Markt. Institutionelle Investoren zeichneten die neuen Aktien zu einem Festpreis von 300 Euro. Heute, keine zwei Monate später, notiert das Papier fast 20 Prozent darunter.

Das ist die eigentliche Nachricht. Profi-Investoren waren bereit, deutlich mehr zu zahlen, als der breite Markt aktuell aufruft. Für mich spricht das entweder für eine massive Verunsicherung – oder für eine Kaufgelegenheit, die der Markt gerade übersieht.

Ein Teil der Erklärung liegt im gestiegenen Streubesitz. KKR ist teilweise ausgestiegen und hat den Free Float von rund 6 auf etwa 26 Prozent erhöht. Mehr frei handelbare Aktien bedeuten kurzfristig mehr Angebot – und Angebot drückt bekanntlich den Preis, bis der Markt es verdaut hat.

Starkes Geschäft, schwaches Sentiment

Operativ steht OHB so gut da wie selten zuvor. Der Auftragsbestand erreichte im Frühjahr ein Rekordniveau von 3,35 Milliarden Euro. Das europäische Satellitenprojekt IRIS² sichert dem Bremer Konzern eine Schlüsselrolle in einem der wichtigsten Raumfahrtprogramme des Kontinents.

Auf der anderen Seite steht ein Rückschlag im „New Space“-Segment. Die Beteiligung Rocket Factory Augsburg musste den Erstflug ihrer „RFA One“-Rakete verschieben. Am 28. Juli traten technische Probleme während der Tests auf, der ursprünglich für den 10. August geplante Start ist gestrichen.

Das nimmt der Aktie kurzfristig Fantasie. Mein Eindruck: Das operative Fundament bleibt intakt, aber die Story braucht neue Beweise.

Die Marke, auf die es ankommt

Charttechnisch steht OHB an einer entscheidenden Stelle. Der Kurs notiert nur 1,16 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 245,33 Euro – ein Bereich, den ich als kritische Zone einstufe. Fällt die Aktie hier weiter zurück, drohen weitere Verkäufer. Gelingt der Sprung darüber, könnte das technisch orientierte Anleger anlocken.

Der RSI von 39,2 zeigt: Die Aktie ist nicht mehr überhitzt, aber auch noch nicht im überverkauften Bereich, der eine automatische Erholung nahelegen würde. Die Volatilität von 73,60 Prozent mahnt zusätzlich zur Vorsicht – große Kursausschläge sind bei diesem Papier derzeit die Regel, nicht die Ausnahme.

Innerhalb von 30 Tagen hat die Aktie bereits 16,52 Prozent verloren. Diese Korrektur ist für mich noch nicht ausgestanden, solange die 200-Tage-Linie nicht nachhaltig zurückerobert ist.

Der 6. August wird zum Test

Am Donnerstag veröffentlicht OHB den nächsten Quartalsbericht. Für mich ist das der entscheidende Termin: Der Vorstand muss zeigen, dass die operative Stärke – Rekordauftragsbestand, IRIS²-Mandat – die Verwässerung aus der Kapitalerhöhung mehr als ausgleicht.

Gelingt das, sehe ich gute Chancen, dass institutionelle Anleger zurückkehren, die zuletzt verkauft haben. Bleiben die Zahlen hinter den Erwartungen zurück, dürfte die Aktie unter den 200-Tage-Durchschnitt zurückfallen – und die Korrektur der letzten Wochen fortsetzen.

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