OHB: 812-Prozent-Rallye bremst bei 584 Euro

Bei OHB prallen zwei Signale aufeinander. Die Aktie gibt nach, obwohl der Bremer Raumfahrtkonzern operativ weiter Rückenwind meldet. Nach der extremen Rallye reichen offenbar schon normale Gewinnmitnahmen für Druck auf den Kurs.
Der Xetra-Schlusskurs lag bei 584,00 Euro. Das entspricht einem Minus von 2,18 Prozent gegenüber dem Vortag. Für viele Marktteilnehmer zählt weniger die einzelne Nachricht als das Tempo des vorherigen Anstiegs.
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Gewinnmitnahmen nach Extrem-Lauf
Seit Jahresbeginn hat die OHB-Aktie mehr als 430 Prozent zugelegt. Auf Jahressicht liegt das Plus sogar bei mehr als 812 Prozent. Solche Bewegungen machen den Titel anfällig, sobald kurzfristige Käufer Gewinne sichern.
Der Rücksetzer wirkt deshalb eher wie eine technische Pause als wie ein Bruch der operativen Story. Die Bewertung hat sich stark verändert. Mit rund 11,096 Milliarden Euro Börsenwert spielt OHB inzwischen in einer neuen Größenordnung.
ESA-Auftrag und Verteidigungsprojekt stützen die Story
Operativ hat OHB zuletzt nachgelegt. Am 21. Mai meldete der Konzern, dass OHB Czechspace die Leitung der ESA-Mission „SOVA-S“ übernimmt. Die Mission gehört zum Scout-Programm für Erdbeobachtung.
Wenige Tage davor stärkte OHB das militärische Geschäft. Am 19. Mai gründete der Konzern mit Helsing das Joint Venture „KIRK“. Das Ziel ist ein weltraumgestütztes System für taktische Aufklärung und Zielerfassung.
Damit schiebt OHB zwei Themen an, die am Markt derzeit stark zählen. Europa will unabhängiger bei Satelliten werden. Verteidigung und Weltraum rücken näher zusammen.
Auftragsbestand bleibt der Anker
Die Quartalszahlen liefern die Basis für diese Einschätzung. Zum 31. März meldete OHB einen Auftragsbestand von über 3,35 Milliarden Euro.
Auch der laufende Betrieb wächst. Der Umsatz stieg im ersten Quartal um 15 Prozent auf 279,3 Millionen Euro.
Das Ergebnis zog noch stärker an. Der Nettogewinn erreichte 9,89 Millionen Euro nach 3,74 Millionen Euro im Vorjahr. Das gibt dem Unternehmen Spielraum, während die Projektvolumina wachsen.
Für Auslastung sorgen unter anderem die EPS-Sterna-Mikrosatellitenkonstellation und die Mission „Ramses“. Der Auftrag für EPS-Sterna hat ein Volumen von 248 Millionen Euro. Solche Projekte verbessern die Planbarkeit, ersetzen aber keine saubere Finanzierung.
Hauptversammlung rückt näher
Am 8. Juni steht die ordentliche Hauptversammlung an. Vorstand und Aufsichtsrat schlagen eine Dividende von 0,60 Euro je Aktie vor. Das entspricht dem Niveau des Vorjahres.
Wichtiger als die Dividende könnten die neuen Kapitalrahmen werden. Die Aktionäre stimmen über mehr finanziellen Spielraum für die gewachsenen Projekte ab. Nach der starken Rallye dürfte genau dieser Punkt zeigen, wie OHB weiteres Wachstum finanzieren will.
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