OHB Aktie: 300-Euro-Ausgabepreis verfehlt

Der Raumfahrtkonzern OHB kämpft mit den Folgen der Kapitalerhöhung. Der Aktienkurs liegt unter dem Platzierungspreis, während der Auftragsbestand auf Rekordniveau bleibt.

Die Kernpunkte:
  • Aktie notiert unter Ausgabepreis
  • Rekordauftragsbestand von 3,35 Milliarden Euro
  • 200-Tage-Linie als entscheidende Marke
  • Wachsender Wettbewerb durch Isar Aerospace

OHB SE steckt in einer schmerzhaften Neuorientierung. Operativ zeigt der Raumfahrtkonzern Stärke: Der Auftragsbestand liegt bei einem Rekord von rund 3,35 Milliarden Euro. Der Aktienkurs erzählt eine andere Geschichte – und die Frage lautet, ob die aktuelle Bodenbildung eine Einstiegschance ist oder eine Falle.

Die Kapitalerhöhung wirkt wie ein Kater nach der Party

OHB sammelte rund 484 Millionen Euro brutto ein, um Produktionsanlagen, Zukäufe und das Raketengeschäft zu finanzieren. Die neuen Aktien gingen zu 300 Euro an den Markt. Aktuell notiert das Papier bei 245,00 Euro – deutlich unter diesem Ausgabepreis.

Rund 94 Prozent der neuen Aktien landeten über eine Privatplatzierung bei internationalen Investoren. Die Hauptaktionäre verzichteten auf ihre Bezugsrechte. Das erhöht den Streubesitz, aber es erhöht auch den Verkaufsdruck.

Meine Lesart: Der Markt streicht gerade die alte Knappheits-Prämie der Aktie. Wo vorher wenige Aktien auf viel Nachfrage trafen, gibt es jetzt mehr Papier und eine nüchterne Neubewertung der Fundamentaldaten. Für Anleger ist das ein zweischneidiges Schwert. Einerseits hat OHB frisches Kapital für die Expansion im hart umkämpften Raumfahrtsektor. Andererseits wiegt der Vertrauensverlust schwer, wenn die Aktie unter ihren eigenen Platzierungspreis fällt.

Der 200-Tage-Durchschnitt entscheidet über die nächste Richtung

Charttechnisch steht OHB an einem Scheideweg. Der aktuelle Kurs von 245,00 Euro liegt nur noch 1,75 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt bei 240,78 Euro. Genau hier fällt die Entscheidung über den nächsten Trend.

Der RSI von 35,4 signalisiert eine beginnende Überverkaufung. Das könnte für eine technische Gegenbewegung sprechen – vorausgesetzt, die Marke hält. Bricht der Kurs jedoch unter den 200-Tage-Durchschnitt, dürfte sich der Abwärtstrend beschleunigen. Innerhalb von 30 Tagen hat die Aktie bereits 33,24 Prozent verloren.

Diese Zahl zeigt das Ausmaß der Korrektur. Innerhalb weniger Wochen ist aus einem Höhenflug eine schmerzhafte Talfahrt geworden.

Schwieriges Umfeld, wachsende Konkurrenz

Das Marktumfeld für Technologie- und Wachstumswerte bleibt rau. Globale Unsicherheiten und ein schwaches Konsumklima in Deutschland drücken auf die Stimmung, die sich laut Marktindikatoren aktuell in einer Angst-Zone befindet. In diesem Klima hinterfragen Investoren ambitionierte Raumfahrtprojekte kritischer als noch vor Monaten.

Die Konkurrenz schläft derweil nicht. Isar Aerospace und die Rocket Factory Augsburg drängen verstärkt in den Fokus des Verteidigungsministeriums, das eigene Startkapazitäten für Satellitenprojekte wie Spock 1/2 aufbauen will. OHB muss seine Marktposition gegen wachsenden nationalen Wettbewerb verteidigen.

Mein Fazit: Die Bewertung kommt auf dem Boden an

OHB hat innerhalb weniger Monate eine radikale Neubewertung durchlaufen. Trotz einer beeindruckenden Performance von 109,40 Prozent seit Jahresanfang ist die Frühjahrs-Euphorie verflogen. Für mich zeigt sich hier ein zweigeteiltes Bild: Die fundamentale Basis mit Rekordauftragsbestand und frischer Liquidität ist solide. Die Marktdynamik bleibt trotzdem angeschlagen.

Die Chancen für eine Erholung stehen aus meiner Sicht gut – vorausgesetzt, die Marke von 240,78 Euro hält und die Anleger haben die Verwässerung durch die Kapitalerhöhung erst einmal verdaut. Die Volatilität dürfte dabei hoch bleiben, zuletzt lag sie annualisiert bei 80,93 Prozent. Ob OHB die operative Stärke nutzen kann, um den Kurs zurück über den Platzierungspreis von 300 Euro zu bringen, entscheidet sich in den kommenden Wochen an genau dieser 200-Tage-Linie.

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