OHB Aktie: 64,75 Prozent unter Mai-Hoch

OHB-Aktie fällt nach Kapitalerhöhung und KKR-Verkauf um 65 Prozent. Die 200-Tage-Linie wird zur entscheidenden Unterstützung.

Die Kernpunkte:
  • Kursverlust von 65 Prozent seit Mai
  • 200-Tage-Linie als letzte Unterstützung
  • Kapitalerhöhung und KKR belasten
  • Operativ stark, charttechnisch schwach

Die Party ist vorbei. Nach der Kursrallye bis auf ein Hoch von 688,00 Euro im Mai ist bei OHB Ernüchterung eingekehrt. Aktuell notiert die Aktie bei 242,50 Euro – ein Minus von 64,75 Prozent gegenüber dem Frühjahrshoch. Die künstliche Stützung durch die jüngste Kapitalerhöhung ist ausgelaufen. Jetzt zeigt sich, was der Markt der deutschen Raumfahrt-Hoffnung ohne Netz wirklich zutraut.

Die 200-Tage-Linie als letzte Bastion

Die technische Lage ist prekär. Der Kurs von 242,50 Euro liegt nur 0,16 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt bei 242,11 Euro. Trader nennen diese Marke die „Heilige Linie“ für den langfristigen Trend.

Rutscht die Aktie darunter, droht eine neue Verkaufswelle. Das Vertrauen der Anleger hat durch den Absturz der vergangenen Wochen bereits gelitten.

Allein in den vergangenen 30 Tagen verlor das Papier 16,58 Prozent. Ein Hoffnungsschimmer bleibt: Der RSI steht bei 34,4 und signalisiert eine überverkaufte Aktie. Historisch folgt auf solche Werte oft eine technische Gegenbewegung.

Kapitalerhöhung und KKR-Platzierung belasten

Der Grund für den Fall liegt in der jüngsten Kapitalmaßnahme. OHB sammelte frisches Geld für seine Expansion im Verteidigungsbereich ein. Zeitgleich platzierte der Finanzinvestor KKR eigene Anteile – und sorgte damit für massiven Verkaufsdruck.

Der Kurs notiert mittlerweile deutlich unter dem Ausgabepreis der neuen Aktien. Das zeigt: Der Markt hat das zusätzliche Angebot noch nicht verdaut. Am vergangenen Freitag lief zudem die offizielle Stabilisierungsphase der begleitenden Banken aus. Der Kurspuffer, der bisher vor tieferen Abstürzen schützte, ist damit weggefallen.

Ob die Seitwärtsbewegung der letzten Tage schon die Bodenbildung ist oder nur die Ruhe vor dem nächsten Sturm, lässt sich noch nicht sagen.

Fundamentale Stärke gegen charttechnische Schwäche

Trotz des roten Charts bleibt die operative Geschichte intakt. Verteidigungsminister Boris Pistorius betonte bei seinem Bremen-Besuch die strategische Bedeutung der Raumfahrt für die nationale Sicherheit. Das Joint Venture mit Rheinmetall für Militärsatelliten und die geplanten Startkapazitäten in der Nordsee stützen die langfristige Story.

Mit Rekordauftragsbestand und einer Marktkapitalisierung von 4,64 Milliarden Euro ist OHB längst kein spekulatives Start-up mehr, sondern ein etablierter Systemanbieter in einem wachsenden Markt. Die Diskrepanz zwischen operativer Dynamik und dem Kurssturz seit Mai lässt sich kaum noch rational erklären. Sie spiegelt eher die typische Übertreibung nach einer Hype-Phase wider.

Zwischen Chance und Risiko

Für schwache Nerven ist diese Aktie nichts. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei 70,06 Prozent. Wer seit einem Jahr investiert ist, sitzt trotz des Einbruchs noch immer auf einem Plus von 238,69 Prozent.

Für Neueinsteiger ist die Lage diffizil. Der niedrige RSI spricht für eine baldige Stabilisierung an der 200-Tage-Linie. Gelingt der Boden, kann die Aktie ihre fundamentale Stärke wieder ausspielen.

Bricht die Marke von 242,11 Euro dagegen nachhaltig, rückt der 100-Tage-Durchschnitt bei 325,24 Euro in weite Ferne. Dann wird das 52-Wochen-Tief bei 64,00 Euro wieder zum realistischen Szenario. Die 200-Tage-Linie bleibt damit in den kommenden Handelstagen die entscheidende Marke für Käufer und Verkäufer.

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