OHB Aktie: Hauptversammlung am 8. Juni
Trotz Rekordauftragsbestand und Umsatzplus belasten Verwässerungsrisiko und KKR-Anteilsverkauf den OHB-Kurs.

- Aktie verliert fast 15 Prozent in einer Woche
- Hauptversammlung entscheidet über Kapitalerhöhung
- KKR plant milliardenschweren Anteilsverkauf
- Operatives Geschäft zeigt starke Zahlen
Nach einer Kursrallye von über 375 Prozent in zwölf Monaten ist OHB SE auf dem Boden der Tatsachen angekommen. Am Freitag brach die Aktie um 9,15 Prozent ein — über die vergangene Woche summiert sich das Minus auf fast 15 Prozent. Mit 372,50 Euro liegt der Kurs fast 46 Prozent unter dem Allzeithoch vom Mai. Das ist kein normaler Rücksetzer.
Was diese Woche passiert, dürfte die Richtung für Monate vorgeben.
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Solide Zahlen, aber der Markt schaut woanders hin
Das operative Geschäft liefert eigentlich gute Argumente. Im ersten Quartal 2026 wuchs der Umsatz um 15 Prozent, die Gesamtleistung erreichte 279,3 Millionen Euro. Das bereinigte EBITDA legte um 37 Prozent auf 27,3 Millionen Euro zu. Der Auftragsbestand kletterte auf ein Rekordniveau von 3,35 Milliarden Euro — gestützt durch Verträge in der Satelliten- und Planetenverteidigung.
Hinzu kommen strategische Initiativen: die Gründung der European Moonport Company und eine Kooperation mit Helsing für taktische Aufklärungssysteme aus dem Weltraum. Das Fundament ist solide. Das Problem liegt woanders.
Verwässerung und KKR — zwei Risiken auf einmal
Am 8. Juni findet die virtuelle Hauptversammlung statt. Auf der Tagesordnung steht eine Ermächtigung, die es dem Vorstand erlaubt, Wandel- und Optionsschuldverschreibungen im Volumen von bis zu 1,2 Milliarden Euro bis Juni 2031 auszugeben. Das bedingte Kapital könnte bis zu 20 Prozent des aktuellen Grundkapitals umfassen — mit der Möglichkeit, Altaktionäre vom Bezugsrecht auszuschließen.
Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz sieht das kritisch und empfiehlt, gegen mehrere Tagesordnungspunkte zu stimmen. Das Verwässerungsrisiko von bis zu 20 Prozent ist real. Für eine Aktie, die ohnehin gerade unter Druck steht, ist das kein angenehmes Signal.
Parallel plant KKR einen Großteil seiner Anteile zu verkaufen. Der Finanzinvestor hält rund 29 Prozent und will etwa 20 Prozentpunkte davon platzieren — ein Volumen von über einer Milliarde Euro. Der Abschluss soll vor dem 30. Juni erfolgen.
Das hat eine positive Seite: Der Streubesitz würde von derzeit rund 6 Prozent auf etwa 26 Prozent steigen. Für die Handelbarkeit der Aktie wäre das ein echter Fortschritt. Geringe Liquidität ist einer der Hauptgründe für die extreme Volatilität — annualisiert liegt sie aktuell bei 142 Prozent. Kein Wunder, dass jede größere Order den Kurs bewegt.
Die Frage ist, zu welchem Preis KKR platziert. Liegt der Abgabepreis deutlich unter dem aktuellen Kurs, dürfte das weiteren Druck erzeugen.
Charttechnik gibt keine klare Richtung
Charttechnisch ist die Lage zweideutig. Mit 372,50 Euro notiert OHB noch 5 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt — das spricht für eine gewisse Stabilität. Der RSI bei 45 signalisiert weder überkauft noch überverkauft. Langfristig ist der Trend intakt: Der 200-Tage-Durchschnitt liegt bei 203 Euro, also weit darunter.
Was fehlt, ist ein kurzfristiger Stabilisierungsanker. Solange Hauptversammlung und KKR-Platzierung offene Variablen bleiben, dürfte die Aktie nervös bleiben.
Mein Fazit: Operative Stärke trifft kapitalseitige Unsicherheit
Für mich ist OHB ein klarer Fall von zwei getrennten Bewertungsebenen. Das operative Geschäft überzeugt — Rekordauftragsbestand, starkes EBITDA-Wachstum, strategisch relevante Partnerschaften. Das ist eine echte Substanz.
Die Kapitalmarktseite ist dagegen belastet. Verwässerungspotenzial von 20 Prozent, ein Großaktionär, der massiv abbaut, und eine Aktie mit extremer Volatilität — das ist kein Umfeld für schwache Nerven. Wer OHB hält, sollte die Hauptversammlung am 8. Juni und die Bedingungen der KKR-Platzierung genau verfolgen. Danach, zur ILA Berlin vom 10. bis 14. Juni und mit dem geplanten Start der RFA ONE am 1. Juli, könnte die operative Story wieder stärker in den Vordergrund rücken — sofern die Kapitalmaßnahmen keine bösen Überraschungen liefern.
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