OHB auf Rekordhoch, Kratos baut Hyperschall-Campus — MTU und AeroVironment unter Druck

OHB erreicht neues Allzeithoch dank Rekordaufträgen, während AeroVironment und MTU trotz operativer Fortschritte an der Börse leiden.

Die Kernpunkte:
  • OHB mit Rekordkurs und Auftragsbestand
  • AeroVironment auf 52-Wochen-Tief trotz Pentagon-Deal
  • Red Cat mit Umsatzexplosion und Kapitalerhöhung
  • Kratos baut Hyperschall-Testanlage in Indiana

Ein Bremer Raumfahrtspezialist auf Allzeithoch, ein Pentagon-Vertrag für Hyperschall-Telemetrie und eine umstrittene Kapitalerhöhung über 225 Millionen Dollar: Die Verteidigungs-Aktien liefern diese Woche operativ starke Schlagzeilen. An der Börse kommt davon bei vier von fünf Titeln erstaunlich wenig an.

OHB SE: Allzeithoch dank Rekord-Auftragsbestand

OHB SE hat sich 2026 zum Überflieger des europäischen Verteidigungs- und Raumfahrtsektors entwickelt. Die Aktie markierte diese Woche bei 486,50 Euro ein neues Allzeithoch — getrieben von einer Kombination aus starken Quartalszahlen und einer prall gefüllten Pipeline.

Im ersten Quartal 2026 kletterte die Gesamtleistung um 15 % auf 279,3 Millionen Euro. Der Auftragsbestand erreichte mit 3,35 Milliarden Euro ebenfalls Rekordniveau — ein Plus von 45 % gegenüber dem Vorjahr. Besonders eindrucksvoll: Das bereinigte EBIT sprang um 63 % auf 16,8 Millionen Euro, die Marge verbesserte sich von 4,3 auf 6,0 Prozent.

Zwei Verträge stachen heraus. OHB Sweden sicherte sich den größten Einzelauftrag der Tochtergesellschaft: 248 Millionen Euro für die EPS-Sterna-Mikrosatelliten-Konstellation, die auf dem 2024 gestarteten Arctic-Weather-Satellite-Prototyp basiert. OHB Italia gewann einen ESA-Vertrag über 81 Millionen Euro für die Ramses-Mission.

Der Nettogewinn je Aktie verfünffachte sich nahezu — von 0,20 Euro im Vorjahr auf 0,52 Euro. KKR hält über die Orchid Lux Holding 28,6 % der Anteile, der Streubesitz liegt bei lediglich 5,7 %. Am 18. Mai steht ein Capital Markets Update an, die Hauptversammlung folgt am 8. Juni.

Kein Wunder, dass der Kurs in zwölf Monaten um rund 480 % zugelegt hat. Die Bewertung dürfte allerdings bei manchem Anleger für Stirnrunzeln sorgen — auf diesen Niveaus ist viel Optimismus eingepreist.

AeroVironment: PANTHER-Vertrag trifft auf hartnäckige Kursschwäche

AeroVironment liefert operativ. Die Aktie tut es nicht. Diese Woche sicherte sich das Unternehmen einen 43-Millionen-Dollar-Vertrag zur Installation von Phased-Array-Empfängern auf den SkyRange-Plattformen des Pentagon. Konkret geht es um die proprietäre PANTHER-Technologie — ein volldigitales Antennensystem, das Telemetriedaten von Hyperschall-Flugkörpern jenseits Mach 5 erfassen, überwachen und analysieren kann.

Die Empfänger werden auf umgerüsteten RQ-4 Global Hawks installiert, die im Rahmen eines Northrop-Grumman-Programms als „Range Hawks“ für komplexe Hyperschall-Tests dienen. Parallel investiert AeroVironment in die Ausbildung künftiger Spezialisten — gemeinsam mit dem Bismarck State College in North Dakota entstehen Kurse für PANTHER-Betrieb und -Wartung.

Der Kurs spiegelt diese Fortschritte nicht wider. Mit 135,15 Euro notiert die Aktie heute auf einem neuen 52-Wochen-Tief. Seit Jahresbeginn haben die Papiere rund 38 % verloren und liegen fast 42 % unter dem 200-Tage-Durchschnitt. Die Analysten-Community sieht das deutlich anders: Der Konsens lautet „Moderate Buy“ mit einem durchschnittlichen Kursziel von etwa 319 Dollar — das würde eine Verdopplung vom aktuellen Niveau bedeuten.

Red Cat: 849 % Umsatzwachstum, 225 Millionen Dollar Verwässerung

Red Cat ist der volatilste Wert in dieser Runde. Ein explosives Umsatzwachstum von 849 % im ersten Quartal 2026 — begleitet von einer massiven Kapitalerhöhung, die den Kurs innerhalb weniger Wochen um rund 30 % einbrechen ließ.

Das Unternehmen platzierte knapp 24 Millionen neue Aktien zu je 9,40 Dollar. Brutto flossen rund 225 Millionen Dollar in die Kasse. Als Verwendungszweck nannte Red Cat allgemeine Unternehmenszwecke, Übernahmen, Forschung und Entwicklung sowie Betriebskapital. Es ist bereits die zweite große Kapitalmaßnahme nach einem 150-Millionen-Dollar-Offering im September 2025 — ein Muster, das Investoren aufmerksam registrieren.

Die Wachstumszahlen sind beeindruckend, die Verluste ebenso:

  • Umsatzwachstum Q1 2026: +849 % gegenüber Vorjahr
  • Bruttomarge: um 64,8 Prozentpunkte verbessert
  • EBIT-Marge: rund –138 %
  • Gewinnmarge: circa –157 %

Mit gut 120 Millionen Dollar Cash per Ende März und niedrigen Schulden von etwa 12,3 Millionen Dollar verfügt Red Cat über ein solides Polster. Bei einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von knapp 23 ist die Bewertung allerdings ambitioniert — der historische Median liegt bei rund 13. Bei 8,04 Euro handelt die Aktie heute knapp 46 % unter ihrem 52-Wochen-Hoch, die Volatilität erreicht annualisiert über 115 %. Die Hauptversammlung am 18. Juni wird zeigen, wie das Management die frischen Mittel einzusetzen gedenkt.

MTU Aero Engines: KI-Investment bei sinkenden Margen

MTU Aero Engines verfolgt eine digitale Agenda — mitten in einer Phase, in der die Profitabilität unter Druck gerät. Am 13. Mai gab die Leasingsparte MTU Maintenance Lease Services eine strategische Minderheitsbeteiligung am KI-Startup TRecs bekannt.

TRecs digitalisiert das Management offener Posten über den gesamten Triebwerks-Lebenszyklus. Die Plattform ersetzt fragmentierte Kommunikationswege durch strukturierte, prüfbare Workflows — von der technischen Erstbewertung bis zur Werkstattüberholung. Kürzere Durchlaufzeiten, weniger Streitfälle, bessere Dokumentation: Das sind die Versprechen. Finanzielle Details blieben unter Verschluss.

Im ersten Quartal stieg der Umsatz auf 2,23 Milliarden Euro, nach 2,11 Milliarden im Vorjahr. Der Nettogewinn ging allerdings von 224 auf 200 Millionen Euro zurück. Das Ergebnis je Aktie sank von 4,03 auf 3,59 Euro. Mehr Umsatz, weniger Gewinn — klassischer Margendruck.

Die Aktie steht bei 273,10 Euro und damit auf einem neuen 52-Wochen-Tief, rund 32 % unter dem Februar-Hoch. Berenberg stufte MTU am 11. Mai von „Buy“ auf „Hold“ herab und senkte das Kursziel von 420 auf 350 Euro. Der Analystenkonsens aus neun Häusern lautet ebenfalls „Hold“. Pikant: Die auf 3,60 Euro je Aktie angehobene Jahresdividende steht in einem gewissen Spannungsverhältnis zum rückläufigen Gewinntrend. Am 30. Juli liefert der nächste Quartalsbericht neue Anhaltspunkte.

Kratos Defense: Hyperschall-Campus wächst, Kurs schmilzt

Kratos verdoppelt seine Wette auf Hyperschall-Infrastruktur. Das Unternehmen wählte Odon, Indiana, als Standort für eine neue Testanlage — getauft auf den Namen „Project Helios“. Die Einrichtung soll Arc-Jet- und Lasertests für Hyperschall-Materialien ermöglichen, ein Engpass in der amerikanischen Rüstungsentwicklung.

Die operative Dynamik stimmt. Im ersten Quartal 2026 kletterte der Umsatz um 22,6 % auf 371 Millionen Dollar. Das bereinigte Ergebnis je Aktie von 0,16 Dollar übertraf die Erwartungen. Der Auftragsbestand erreichte mit zwei Milliarden Dollar einen Rekordwert, das Book-to-Bill-Verhältnis lag bei 1,6:1. Besonders stark: Die Satelliten- und Raumfahrtsparte erzielte ein Book-to-Bill von 3:1.

Das Management hob die Jahresprognose an:

  • Umsatz 2026: 1,70 bis 1,76 Milliarden Dollar
  • Bereinigtes EBITDA: 170 bis 176 Millionen Dollar
  • Investitionen: 155 bis 165 Millionen Dollar geplant

An der Börse verpufft die Dynamik. Bei 44,78 Euro notiert Kratos rund 60 % unter dem 52-Wochen-Hoch. Jefferies senkte das Kursziel auf 80 Dollar, Citizens auf 105 Dollar — beide behalten ihre Kaufempfehlung. Der Konsens aus 19 Analysten bleibt klar positiv: 42 % empfehlen „Strong Buy“, 37 % „Buy“.

Operativer Fortschritt gegen Börsenskepsis

Die Diskrepanz zwischen operativer Stärke und Kursentwicklung zieht sich wie ein roter Faden durch diese fünf Titel. OHB steht allein auf der Gewinnerseite — Rekordaufträge, Rekordkurs, Rekordmarge. Die vier übrigen liefern handfeste Nachrichten: Pentagon-Verträge, dreistelliges Umsatzwachstum, angehobene Prognosen, KI-Investitionen. Belohnt wird davon an der Börse nichts.

Bei Red Cat und Kratos fällt der Kontrast besonders scharf aus. Kratos produziert organisches Wachstum im zweistelligen Bereich und baut physische Infrastruktur auf, die über Jahre genutzt werden soll. Red Cat wiederum verbrennt Cash in einem Tempo, das regelmäßige Kapitalerhöhungen erzwingt — trotz explosiver Umsatzzuwächse.

Die kommenden Wochen bringen eine dichte Folge von Katalysatoren. OHBs Capital Markets Update am 18. Mai könnte die Umsatztrajektorie für 2026 konkretisieren. Kratos‘ Payload Integration Facility in Crane, Indiana, soll bis Jahresende voll einsatzfähig sein. Für AeroVironment wird entscheidend, ob der dreijährige PANTHER-Vertrag Folgeaufträge generiert. Und MTU muss am 30. Juli zeigen, dass der Margentrend nicht weiter nach unten zeigt. Die operative Substanz ist bei allen fünf Unternehmen vorhanden. Ob die Börse das am Ende honoriert, hängt davon ab, wie schnell sich Auftragsbestände in Cashflows verwandeln.

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