OHB: Auftragsbestand auf 3,3 Milliarden Euro
OHB steigert Halbjahresleistung und EBITDA, erreicht 3,3 Milliarden Euro Auftragsbestand und bleibt trotz SDAX-Aufnahme unter Kursdruck.

- SDAX-Aufnahme seit dem 13. August
- Auftragsbestand erreicht 3,3 Milliarden Euro
- Bereinigtes EBITDA steigt um 31 Prozent
- Aktie notiert 21 Prozent unter Durchschnitt
OHB SE gehört seit Mitte August offiziell zum SDAX. Die außerplanmäßige Indexaufnahme, wirksam ab dem 13. August, ersetzte Klöckner & Co und markierte für den Bremer Raumfahrtkonzern einen weiteren Schritt in die Kapitalmarkt-Sichtbarkeit. Eine reguläre Überprüfung im September könnte OHB zusätzlich in den TecDAX führen.
Der Kurs hat sich seit der Indexaufnahme allerdings kräftig zurückgebildet, aktuell notiert die Aktie bei 187,20 Euro und damit rund 21 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 237,51 Euro. Die Diskrepanz zwischen Indexerfolg und Kursverlauf zeigt: Anleger bewerten die vorangegangene Rally offenbar neu, während das operative Geschäft parallel weiterläuft.
Rekordauftragsbestand trotz Kursdruck
Die fundamentale Basis für die Indexaufnahme lieferten die Halbjahreszahlen, die OHB Anfang August vorlegte. Die Gesamtleistung stieg im ersten Halbjahr um 11 Prozent auf 628 Millionen Euro, das bereinigte EBITDA legte um 31 Prozent auf 60 Millionen Euro zu.
Die bereinigte EBITDA-Marge kletterte von 8,2 auf 9,6 Prozent. Besonders bemerkenswert: Der Auftragsbestand erreichte mit 3,3 Milliarden Euro einen neuen Höchststand. OHB bestätigte zugleich die Jahresprognose für 2026 mit einer Gesamtleistung von 1,4 Milliarden Euro und einer Marge zwischen 10,5 und 11,0 Prozent.
Flankiert wurde diese Entwicklung durch eine milliardenschwere Kapitalmaßnahme im Sommer – eine Kapitalerhöhung kombiniert mit einer aufgestockten Privatplatzierung, die dem Unternehmen zusammen rund 484 Millionen Euro frisches Eigenkapital einbrachte.
Die Fuchs-Familie blieb dabei mit über 60 Prozent Mehrheitsaktionär, der Streubesitz wuchs auf rund 18 Prozent. Diese Stärkung der Kapitaldecke erklärt einen Teil der institutionellen Aufmerksamkeit, die letztlich auch zur SDAX-Aufnahme führte – Indexanbieter honorieren neben der operativen Größe auch Handelsliquidität und Streubesitzquote.
Politische und industrielle Partnerschaften untermauern Wachstumskurs
Der SDAX-Einzug fällt in eine Phase intensiver strategischer Vernetzung. Am 14. Juli 2026 besuchte Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius den Bremer Standort, kurz darauf besiegelte OHB mit Rheinmetall eine Kooperation für ein deutsches Raumfahrt-Ökosystem im Bereich Satellitenkommunikation für die Bundeswehr.
Eine weitere Partnerschaft mit Schwarz Digits zielt auf den Einsatz künstlicher Intelligenz in der Satellitenfertigung. Solche Allianzen unterstreichen, dass OHB sich zunehmend als sicherheitspolitisch relevanter Akteur positioniert – ein Faktor, der für die Indexaufnahme mindestens ebenso wichtig war wie die reinen Kennzahlen.
Für Anleger bleibt die Gemengelage widersprüchlich: Operativ liefert OHB Rekordzahlen und gewinnt an struktureller Bedeutung, was sich in der SDAX-Mitgliedschaft spiegelt. Der Kursverlauf der vergangenen Wochen zeigt jedoch, dass ein Teil der zuvor eingepreisten Fantasie wieder zurückgenommen wird.
Die Indexaufnahme selbst dürfte daran wenig ändern – sie bestätigt die fundamentale Substanz, liefert aber keinen unmittelbaren Kurstreiber mehr, da der Effekt bereits mehrere Wochen zurückliegt.
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