OHB: Auftragsbestand auf Rekordniveau von 20 Milliarden
Oddo BHF bewertet OHB erstmals mit Outperform. Analysten verweisen auf hohe Aufträge, während die Aktie im Monatsvergleich 17 Prozent verliert.

- Oddo BHF setzt 290 Euro Kursziel
- Bereinigtes EBITDA steigt um 30 Prozent
- Projektpipeline erreicht rund 20 Milliarden Euro
- Aktie verliert monatlich 17 Prozent
Oddo BHF hat am Dienstag vergangener Woche die Coverage von OHB SE aufgenommen – mit dem Rating „Outperform“ und einem Kursziel von 290 Euro. Die Analysten bezeichnen den Bremer Raumfahrt- und Technologiekonzern als „beste europäische Option im Rennen ins Weltall“. Damit reiht sich das Haus in eine Serie von Erstbewertungen ein, die den Titel zuletzt begleitet haben.
Der Optimismus der Analysten speist sich aus einer soliden operativen Basis. OHB hatte Anfang August seine Zahlen für das erste Halbjahr 2026 vorgelegt: Die Gesamtleistung erreichte 628 Millionen Euro, das bereinigte EBITDA kletterte um 30 Prozent auf 60 Millionen Euro.
Das Unternehmen bestätigte zugleich seine Jahresprognose von rund 1,4 Milliarden Euro Gesamtleistung bei einer bereinigten EBITDA-Marge zwischen 10,5 und 11 Prozent.
Auftragsbestand auf Rekordniveau
Besonders bemerkenswert ist die Projektpipeline, die OHB nach eigenen Angaben mittlerweile auf rund 20 Milliarden Euro beziffert – ein Rekordwert für das Unternehmen.
Gestützt wird diese Entwicklung durch konkrete Aufträge: Ende Juli erhielt die italienische Tochter OHB Italia von der Raumfahrtagentur ASI den Zuschlag für die zweite Generation des Erdbeobachtungssatelliten PRISMA, ausgelegt für eine Mission bis Ende 2031. Bereits zuvor hatte OHB den Zuschlag für den Bau von 18 mittelgroßen Satelliten für das europäische Sicherheitsnetzwerk Iris² erhalten, ein Auftrag im Volumen von knapp einer Milliarde Euro, über den zuletzt auch das Handelsblatt berichtete.
Die fundamentale Nachrichtenlage steht damit in einem gewissen Kontrast zur Kursentwicklung. Seit der Aufnahme in den SDAX vor gut drei Wochen hat die Aktie deutlich an Wert verloren; auf Monatssicht steht ein Rückgang von 17 Prozent zu Buche. Der Relative-Stärke-Index von 29,9 signalisiert eine überverkaufte Situation, was die Diskrepanz zwischen operativem Fortschritt und Kursreaktion zusätzlich unterstreicht.
Weitere Häuser mit hohen Kurszielen
Auch andere Analysehäuser hatten sich Anfang August, im Zuge der Halbjahreszahlen, mit teils deutlich höheren Kurszielen positioniert. Jefferies nannte 280 Euro, Berenberg sogar 358 Euro – beide Einschätzungen datieren auf den 5. August und markieren den Startpunkt der jeweiligen Coverage.
Die Bandbreite der genannten Kursziele liegt damit spürbar über dem aktuellen Kursniveau der Aktie, die zuletzt bei 191,40 Euro schloss und am Freitag um 1,4 Prozent zulegte.
Für die weitere Einschätzung des Titels dürfte der nächste Quartalsbericht entscheidend werden. OHB veröffentlicht die Zahlen zum dritten Quartal 2026 am 12. November. Bis dahin bleibt die Frage im Raum, ob sich die von mehreren Analysehäusern unterstellte Bewertungslücke schließt – oder ob der Markt die volatile Kursentwicklung der vergangenen Wochen als eigenständiges Signal wertet, unabhängig von der operativen Auftragslage des Unternehmens.
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