OHB: Hauptversammlung entscheidet über 1,2 Milliarden

OHB steht vor entscheidender Woche mit Hauptversammlung und geplantem KKR-Ausstieg. Operativ glänzt der Raumfahrtkonzern mit Rekordaufträgen.

Die Kernpunkte:
  • Brisante Hauptversammlung heute
  • KKR plant Ausstieg im großen Stil
  • Rekord-Auftragsbestand von 3,35 Milliarden Euro
  • Aktie trotz Rally deutlich unter Allzeithoch

Starke Auftragsbücher, aber ein strukturelles Problem an der Börse. Beim Bremer Raumfahrtkonzern OHB verdichten sich die Ereignisse zu einer entscheidenden Woche. Heute steht eine brisante Hauptversammlung an. Parallel tickt für eine milliardenschwere Aktienplatzierung die Uhr.

Der Kampf gegen die Volatilität

Der Kern des aktuellen Kursdrucks liegt in der Aktionärsstruktur. Bislang sind lediglich sechs Prozent der Papiere frei handelbar. Das führt bei dünnem Handelsvolumen zu extremen Ausschlägen. Die annualisierte Volatilität liegt bei enormen 142 Prozent. Große Fonds meiden den Wert oft wegen dieser Enge.

Finanzinvestor KKR plant nun den Ausstieg im großen Stil. Bis Ende Juni will die Gesellschaft rund 20 Prozentpunkte am Markt platzieren. Ein erster Anlauf für die Transaktion wurde allerdings verschoben. Sieben Banken bereiten den Deal vor, der den Streubesitz auf gut ein Viertel erhöhen würde. Die Gründerfamilie Fuchs behält indes ihre operative Kontrolle.

Widerstand auf der Hauptversammlung

Währenddessen blicken Aktionäre auf die heutige virtuelle Hauptversammlung. Auf der Agenda steht ein massiver Finanzierungsrahmen. Der Vorstand bittet um die Ermächtigung, bis 2031 Wandel- oder Optionsschuldverschreibungen im Volumen von bis zu 1,2 Milliarden Euro auszugeben.

Dagegen formiert sich organisierter Widerstand. Die Aktionärsschützer der DSW rufen bei mehreren Punkten zur Gegenstimme auf. Sie kritisieren unter anderem fehlende Maximalbeträge bei der Vorstandsvergütung. Die vorgeschlagene Dividende von 0,60 Euro je Aktie dürfte unstrittig passieren.

Operatives Rekordniveau

Operativ liefert das Unternehmen starke Argumente. Der Auftragsbestand erreichte Ende März ein neues Allzeithoch von 3,35 Milliarden Euro. Ein Großteil davon entfällt auf das Segment Space Systems, das von europäischen Raumfahrtprogrammen und steigenden Verteidigungsbudgets profitiert. Bis 2028 peilt das Management einen Umsatz von mehr als zwei Milliarden Euro an.

An der Börse spiegelt sich dieses Wachstum in einer rasanten Rally wider. Seit Januar steht ein Plus von rund 206 Prozent auf dem Kurszettel. Vom Allzeithoch im Mai ist die Aktie beim aktuellen Kurs von 372,50 Euro allerdings wieder fast 46 Prozent entfernt.

Neue Impulse aus dem operativen Geschäft folgen unmittelbar. Ab Mittwoch präsentiert sich OHB auf der ILA Berlin, wo das Unternehmen neue Missionsverträge verkünden will. Am 1. Juli öffnet sich dann das Startfenster für den Jungfernflug der Trägerrakete RFA ONE der Konzerntochter Rocket Factory Augsburg. Ein erfolgreicher Start würde die Abhängigkeit von Fremdraketen im Kleinsatelliten-Geschäft signifikant reduzieren.

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