OHB: Kepler Cheuvreux startet mit Buy-Rating
Kepler Cheuvreux bewertet OHB mit „Buy“ und 260 Euro Kursziel. Europas Raumfahrtpläne treffen jedoch auf eine schwache Börsenreaktion.

- Kepler startet OHB-Bewertung mit „Buy“
- Kursziel liegt bei 260 Euro
- IRIS²-Auftrag bringt knapp eine Milliarde Euro
- Q3-Zahlen folgen am 12. November
OHB wird für Anleger zum Testfall, wie stark europäische Weltraum- und Verteidigungsambitionen einen Kurs stützen können, der zuletzt kräftig gefallen ist. Kepler Cheuvreux nahm die Coverage für die OHB-Aktie am 28. August mit dem Rating „Buy“ und einem Kursziel von 260 Euro auf. Begründung der Analysten: OHB zähle zu den wenigen börsennotierten Zugängen zum Aufbau der europäischen Raumfahrt- und Verteidigungsindustrie.
Diese Einschätzung fällt in eine Phase, in der das operative Geschäft von OHB deutliche Fortschritte zeigt, der Aktienkurs davon aber wenig Notiz nimmt. Der Auftrag über 18 Satellitenplattformen für das EU-Programm IRIS² am vergangenen Dienstag brachte dem Papier binnen weniger Tage nur ein Plus von 1,6 Prozent.
Die SDAX-Aufnahme vor gut drei Wochen ging sogar mit einem Kursrückgang von 28,2 Prozent einher, der PRISMA-Auftrag vor rund einem Monat mit einem Minus von 19,1 Prozent. Positive Nachrichten und Kursreaktion laufen bei OHB derzeit auseinander.
Ein Kursziel, das weit über dem aktuellen Niveau liegt
Das Kursziel von Kepler Cheuvreux liegt deutlich über dem Schlusskurs vom Freitag von 186,00 Euro. Der Titel notiert damit rund 23 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 241,52 Euro – ein Hinweis darauf, wie stark sich der jüngste Ausverkauf in die technischen Indikatoren eingegraben hat.
Für Kepler Cheuvreux ändert das nichts an der strategischen These: OHB profitiere strukturell davon, dass Europa seine Abhängigkeit von außereuropäischen Raumfahrt- und Sicherheitsanbietern reduzieren wolle.
Diese These bekommt durch die IRIS²-Entwicklung zusätzliches Gewicht. Der Auftrag von SES über knapp eine Milliarde Euro gilt als erster Großauftrag in der Umsetzungsphase des europäischen Sicherheits-Satellitenprogramms, die offiziell am 6. August begonnen hatte.
Laut Reuters rechnet OHB-Chef Marco Fuchs mit weiteren Aufträgen aus dem Programm, sobald das europäische Satellitennetz ausgebaut wird. Die ersten Satelliten von IRIS² sollen laut Unternehmensangaben 2029 starten – ein Zeithorizont, der Investoren zwingt, langfristig zu denken statt auf kurzfristige Kursimpulse zu setzen.
Warum der Markt trotzdem skeptisch bleibt
Die Diskrepanz zwischen Auftragslage und Kursentwicklung lässt sich auch mit der vorausgegangenen Kursrally erklären. Auf Sicht von zwölf Monaten steht die OHB-Aktie noch immer mit 174 Prozent im Plus, seit Jahresbeginn mit 59 Prozent.
Nach diesem Anstieg dürfte ein Teil der Anleger Gewinne mitnehmen, selbst wenn operative Nachrichten wie der SES-Auftrag positiv ausfallen. Die Volatilität von 77 Prozent auf 30-Tage-Basis zeigt, wie nervös der Handel mit dem Titel inzwischen verläuft.
Ein nächster wichtiger Termin steht mit den Q3-Zahlen am 12. November fest. Dann dürfte sich zeigen, ob sich der Auftragsschub aus IRIS² und den anderen Weltraumprogrammen bereits in Umsatz und Marge niederschlägt – und ob die von Kepler Cheuvreux formulierte These vom europäischen Rüstungs- und Raumfahrt-Gewinner auch an der Börse wieder Zuspruch findet.
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