OHB: KKR-Platzierung auf 30. Juni verschoben
KKR verschiebt geplanten Verkauf von OHB-Anteilen wegen SpaceX-Börsengang. Die Frist für die Milliarden-Transaktion läuft bis Ende Juni.

- KKR-Platzierung über eine Milliarde Euro gestoppt
- SpaceX-IPO bindet Banken und Kapital
- OHB-Aktie mit extrem niedrigem Streubesitz
- Rekordauftragsbestand von 3,35 Milliarden Euro
Ein SpaceX-Börsengang bringt KKRs Pläne durcheinander. Der Finanzinvestor wollte am 12. Juni ein milliardenschweres OHB-Aktienpaket am Markt platzieren — und musste die Transaktion kurzfristig absagen. Die Frist läuft trotzdem weiter.
SpaceX blockiert den Zeitplan
KKR hält rund 29 Prozent an OHB. Davon will der Investor etwa 20 Prozent verkaufen — ein Volumen von mehr als einer Milliarde Euro. Der Starttermin am 12. Juni war gesetzt. Dann kündigte SpaceX seinen Börsengang an.
Ein IPO dieser Größenordnung bindet Bankenkapazitäten und Anlegerkapital. KKR legte die Platzierung daraufhin auf Eis. Die Frist bis zum 30. Juni 2026 bleibt allerdings bestehen.
Das Bankenkonsortium hat KKR nach dem Rückschlag sogar ausgebaut. Berenberg und die Commerzbank stoßen neu hinzu. Damit sitzen nun sieben Institute im Boot — neben den Neuzugängen auch Jefferies, UniCredit, Deutsche Bank, Goldman Sachs und JPMorgan.
Strukturelles Liquiditätsproblem verschärft die Lage
Die Platzierung trifft eine Aktie mit extremer Kursanfälligkeit. Von 19,2 Millionen Aktien liegen nur rund 1,09 Millionen frei im Markt — ein Streubesitz von etwa 5,7 Prozent. Schon kleine Orders reichen aus, um den Kurs stark zu bewegen. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei rund 147 Prozent. Kein Wunder, dass ein Minus von 9 Prozent an einem Freitag und ein Plus von 8 Prozent am darauffolgenden Montag möglich sind.
Gelingt die KKR-Platzierung, steigt der Free Float auf rund 26 Prozent. Kurzfristig ändert das am Verkaufsdruck nichts.
Hinzu kommen Gerüchte über eine mögliche Kapitalerhöhung. Die „Börsen-Zeitung“ berichtete, OHB stehe kurz vor einer milliardenschweren Maßnahme. Der Markt reagierte prompt: Die Aktie fiel auf 387 Euro — ein Rücksetzer von 7,4 Prozent. Die Hauptversammlung hat am 8. Juni 2026 bereits eine Ermächtigung beschlossen: OHB darf bis 2031 Wandel- und Optionsschuldverschreibungen sowie Genussrechte im Gesamtvolumen von bis zu 1,2 Milliarden Euro begeben.
Der Kurs notiert aktuell bei 368 Euro — rund 47 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 688 Euro. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von gut 200 Prozent.
Operative Stärke trifft schwierige Kapitalmarktstimmung
Auf der ILA Berlin, die noch bis zum 14. Juni läuft, will OHB neue Missionsverträge präsentieren. Das Unternehmen gehört neben Airbus, ArianeGroup und DLR zu den Hauptakteuren auf der ILA STAGE Space.
Die operativen Zahlen rechtfertigen die Bühne. Der Auftragsbestand kletterte zum 31. März 2026 auf ein Rekordhoch von 3,35 Milliarden Euro — ein Plus von 45 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im ersten Quartal wuchs die Gesamtleistung um 15 Prozent auf 279,3 Millionen Euro. Das bereinigte EBIT legte um 63 Prozent auf 16,8 Millionen Euro zu.
Für 2027 plant OHB eine Gesamtleistung von 1,7 Milliarden Euro, für 2028 mehr als 2,0 Milliarden Euro — bei einer angestrebten EBITDA-Marge von 11 Prozent.
RFA ONE und der nächste Termin
Ab dem 1. Juli plant die Tochterfirma Rocket Factory Augsburg den Jungfernflug der RFA ONE. Die Rakete soll sieben Satelliten transportieren. OHB dämpft die Erwartungen: Historisch gelingen erste Flüge neuer Startsysteme in weniger als 30 Prozent der Fälle. RFA wird nur at equity konsolidiert — Raketenstarts fließen also nicht direkt in die Konzernzahlen ein.
Kurz davor, am 29. Juni, schüttet OHB eine Dividende von 0,60 Euro je Aktie aus. Der Ex-Tag fällt auf den 25. Juni. Ob die KKR-Platzierung bis dahin gelingt und zu welchem Preis, entscheidet maßgeblich darüber, wie sich der Kurs in den verbleibenden drei Wochen entwickelt.
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