OHB: Kurs halbiert sich trotz Rekordaufträgen
OHB steigert im ersten Halbjahr 2026 Leistung und EBITDA, doch die Aktie verliert deutlich. Kapitalerhöhung und Indexaufstieg prägen das Bild.

- Aktie binnen 30 Tagen 27 Prozent schwächer
- Kapitalerhöhung verändert OHB-Eigentümerstruktur
- Halbjahresleistung und EBITDA deutlich gestiegen
- SDAX-Aufnahme trotz anhaltendem Kursdruck
OHB steckt in einem auffälligen Widerspruch: Operativ und strukturell hat sich das Unternehmen so stark aufgestellt wie selten zuvor, an der Börse gibt der Kurs seit Wochen nach. Die Aktie schloss am Freitag bei 186,00 Euro, ein Rückgang von 27% binnen 30 Tagen. Der Auftrag über knapp eine Milliarde Euro für Satellitenplattformen von vergangenem Dienstag hat den Titel seither nur um 1,6% bewegt.
Kapitalerhöhung verändert die Eigentümerstruktur
Anfang August hat OHB eine Kapitalerhöhung über 484 Millionen Euro abgeschlossen, um Expansionsinitiativen zu finanzieren. Dafür gab das Unternehmen 1.613.023 neue Aktien aus. Die Eigentümerstruktur hat sich dadurch spürbar verändert: Die Familie Fuchs hält weiterhin die Mehrheit mit 60,3%, der Finanzinvestor KKR ist über seine Beteiligungsgesellschaft Orchid Lux HoldCo mit 19,7% eingestiegen, ebenso viel entfällt auf den Streubesitz.
Die frische Kapitalausstattung fällt in eine Phase, in der OHB operativ deutlich zulegt. Im ersten Halbjahr 2026 stieg die Gesamtleistung auf 628 Millionen Euro, ein Plus von 11% gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Das bereinigte EBITDA kletterte um 31% auf 60 Millionen Euro, die entsprechende Marge verbesserte sich von 8,2% auf 9,6%.
Für das Gesamtjahr bestätigte OHB seine Guidance: Die Gesamtleistung soll rund 1,4 Milliarden Euro erreichen, die bereinigte EBITDA-Marge zwischen 10,5 und 11% liegen.
Rekord-Auftragsbestand und Indexaufstieg
Der Auftragsbestand des Raumfahrtkonzerns liegt auf einem Rekordhoch, dazu kommt eine Projektpipeline von rund 20 Milliarden Euro an potenziellen neuen Aufträgen. Diese Substanz spiegelt sich inzwischen auch im Aktienstatus wider: Zum 13. August wurde OHB außerplanmäßig in den SDAX aufgenommen und ersetzte dort Klöckner & Co. Eine Aufnahme in den TecDAX wird nach der nächsten regulären Indexüberprüfung im September erwartet.
Ergänzt wird das Bild durch strategische Einzelmaßnahmen: OHB übernahm die restlichen 30% an der MT Aerospace AG und ist damit alleiniger Anteilseigner der Tochtergesellschaft.
Die italienische Tochter OHB Italia sicherte sich zudem Ende Juli von der Raumfahrtagentur ASI einen Auftrag für die Erdbeobachtungsmission PRISMA Second Generation, deren Start bis Ende 2031 geplant ist. Seit Bekanntwerden dieses Auftrags vor rund einem Monat hat die Aktie allerdings 19,1% verloren.
Kurs bleibt unter Druck trotz operativer Stärke
Der Kursverlauf zeigt, wie stark die Erwartungen im Frühjahr vorausgeeilt waren: Das 52-Wochen-Hoch von 688,00 Euro datiert vom 21. Mai, seither hat sich der Kurs mehr als halbiert.
Aktuell notiert die Aktie 23% unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 241,52 Euro und auch deutlich unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 258,79 Euro. Der RSI von 35,2 deutet auf eine überverkaufte Situation hin, ohne dass bislang eine Trendwende erkennbar wäre.
Für Anleger bleibt damit eine Kluft zwischen fundamentaler Entwicklung und Kursverlauf bestehen: Umsatzwachstum, Margenausweitung, Rekordauftragsbestand und Indexaufstieg sprechen für sich, doch der Markt preist derzeit eher die hohe Volatilität und die Verwässerung durch die Kapitalerhöhung ein.
Nennenswerte Insider-Käufe oder -Verkäufe waren im dritten Quartal 2026 nicht zu verzeichnen, was auf keine akute Vertrauenskrise innerhalb des Managements hindeutet.
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