OHB: Milliarden-Auftrag für 18 IRIS²-Satelliten

OHB baut 18 MEO-Satelliten für rund eine Milliarde Euro. Halbjahreszahlen zeigen Wachstum, doch der Raumfahrtsektor bleibt unter Druck.

Die Kernpunkte:
  • 18 Satelliten für europäisches IRIS²-Netzwerk
  • Auftrag im Milliarden-Euro-Bereich erhalten
  • Halbjahres-EBITDA um 31 Prozent gestiegen
  • Raumfahrtsektor belastet OHB-Aktie

OHB hat vom europäischen Satellitennetzwerk IRIS² einen Großauftrag erhalten: Der Bremer Raumfahrtkonzern soll 18 Satelliten für die mittlere Erdumlaufbahn (MEO) bauen. Das Auftragsvolumen liegt bei rund einer Milliarde Euro, wie Handelsblatt berichtete. Der Auftrag markiert den bislang größten Einzelposten aus dem europäischen Vorzeigeprojekt für OHB und gab der zuletzt schwachen Aktie spürbaren Auftrieb.

Der Kurs war zuvor unter Druck geraten: Auf Wochensicht steht ein Minus von 14 Prozent zu Buche, auf Monatssicht sogar von 17 Prozent. Am Freitag legte das Papier um 1,4 Prozent auf 191,40 Euro zu – ein erster Hinweis darauf, dass die Nachricht zum IRIS²-Zuschlag im Kurs allmählich verarbeitet wird. Medienberichten zufolge hatte die Aktie zeitweise sogar deutlich stärker reagiert, bevor der Gesamtmarkt für Raumfahrtwerte wieder abkühlte.

Sektorschwäche überlagerte gute Nachrichten

Dass der IRIS²-Zuschlag den Kurs nicht dauerhaft nach oben trug, hat mit dem Marktumfeld zu tun. Laut dpa-AFX bleibt die OHB-Aktie gemeinsam mit SpaceX in einem Abwärtstrend gefangen, der den gesamten Raumfahrtsektor erfasst hat.

Anleger nahmen nach der starken Kursentwicklung der vergangenen Monate offenbar Gewinne mit, während sich die Euphorie um Raumfahrtwerte insgesamt abkühlte. Der IRIS²-Auftrag wirkte in diesem Umfeld eher stabilisierend als treibend.

Neben dem Satellitenauftrag lieferte OHB in den vergangenen Tagen weitere operative Fortschritte. Die Tochter Rocket Factory Augsburg, an der OHB mit 65,1 Prozent beteiligt ist, unterzeichnete einen Vertrag mit der europäischen Weltraumorganisation ESA im Rahmen der European Launcher Challenge.

Bis Mitte 2029 soll die Trägerrakete RFA ONE Block 2 weiterentwickelt, die Bodeninfrastruktur ausgebaut und die Serienfertigung vorbereitet werden. Zudem qualifizierte OHB einen EMS-Trainingsanzug namens „EasyMotion-2″ für eine sechswöchige Studie auf der Internationalen Raumstation, die Muskelschwund in der Schwerelosigkeit entgegenwirken soll.

Solide Zahlen als fundamentales Fundament

Untermauert wird die operative Dynamik durch die Halbjahreszahlen, die OHB Anfang August vorlegte. Die Gesamtleistung stieg im ersten Halbjahr 2026 um 11 Prozent auf 627,9 Millionen Euro. Das bereinigte EBITDA kletterte um 31 Prozent auf 60,4 Millionen Euro, das bereinigte EBIT sogar um 46 Prozent auf 38,9 Millionen Euro.

Der Auftragsbestand erreichte 3.304 Millionen Euro, die Eigenkapitalquote verbesserte sich deutlich von 27,5 Prozent zum Jahresende 2025 auf 43,3 Prozent zur Jahresmitte.

Für das Gesamtjahr 2026 bestätigte das Unternehmen seine Guidance: Rund 1.400 Millionen Euro Gesamtleistung sollen bei einer bereinigten EBITDA-Marge zwischen 10,5 und 11,0 Prozent erreicht werden. Die neu gewonnenen Aufträge – IRIS², der ESA-Vertrag für Rocket Factory Augsburg – passen zu diesem Wachstumspfad und liefern zusätzliche Sichtbarkeit für die kommenden Jahre.

Anfang August hatten mehrere Analysehäuser die Coverage für OHB aufgenommen, darunter Jefferies, Goldman Sachs, Oddo BHF, Berenberg und NuWays, mit Kurszielen zwischen 250 und 360 Euro. Diese Einschätzungen datieren allerdings bereits vier Wochen zurück und spiegeln nicht zwangsläufig die aktuelle Marktlage wider.

Für Anleger bleibt die Kombination aus operativer Substanz und volatilem Sektorumfeld die zentrale Herausforderung: Die fundamentalen Daten zeigen Wachstum, während der Kurs kurzfristig stark von der Stimmung rund um Raumfahrtwerte insgesamt getrieben wird.

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