OHB nach SDAX-Aufnahme: Kann der Auftragseingang die Bewertung rechtfertigen?

OHB kehrt in den SDAX zurück und strebt in den TecDAX. Analysten sehen Potenzial, doch der Aktienkurs bleibt unter seinem Rekordhoch.

Die Kernpunkte:
  • OHB wieder im SDAX gelistet
  • Möglicher TecDAX-Aufstieg im September
  • Halbjahreszahlen zeigen deutliches Wachstum
  • Auftragseingang entscheidend für Jahresziele

Ausgangslage: Index-Aufstieg trifft auf Bewährungsprobe

Seit Donnerstag ist OHB SE offiziell zurück im SDAX. STOXX hatte die außerplanmäßige Aufnahme am 10. August beschlossen, seit heute ersetzt der Bremer Raumfahrt- und Rüstungskonzern den bisherigen Indexteilnehmer Klöckner & Co.

Eine reguläre Überprüfung im September könnte zudem den Sprung in den TecDAX bringen. Für Anleger ist der Zeitpunkt heikel: Die Aktie hat sich binnen zwölf Monaten mehr als verdreifacht, notiert aber inzwischen deutlich unter ihrem Rekordhoch vom Mai.

Der Kurs schloss am Freitag bei 257,00 Euro, ein Minus von 1,0 Prozent zum Vortag. Die Indexaufnahme ist kein Selbstzweck – sie erhöht die Sichtbarkeit bei institutionellen Investoren, verändert aber nichts an der operativen Substanz, die OHB nun liefern muss.

Genau diese Substanz stand erst Anfang August im Fokus, als OHB seine Halbjahreszahlen vorlegte. Die Gesamtleistung stieg auf 627,9 Millionen Euro nach 563,5 Millionen im Vorjahreszeitraum, das bereinigte EBITDA kletterte auf 60,4 Millionen Euro von zuvor 46,1 Millionen.

Die Marge lag bei 9,6 Prozent. Für das Gesamtjahr bestätigte das Unternehmen sein Ziel von rund 1,4 Milliarden Euro Gesamtleistung bei einer bereinigten EBITDA-Marge zwischen 10,5 und 11,0 Prozent – eine spürbare Beschleunigung gegenüber dem ersten Halbjahr wird damit implizit unterstellt.

Die entscheidende Frage: Kommt der Auftragsschub im zweiten Halbjahr?

Damit rückt ein einzelner Faktor in den Mittelpunkt: der Auftragseingang. OHB selbst verwies darauf, dass der Höhepunkt der Neuaufträge erst in der zweiten Jahreshälfte 2026 erwartet wird.

Ob dieser Schub tatsächlich eintritt, entscheidet darüber, ob die für das Gesamtjahr in Aussicht gestellte Margenausweitung erreichbar ist – und ob die aktuelle Marktkapitalisierung von 5,27 Milliarden Euro operativ unterlegt bleibt.

Neue Partnerschaften im Umfeld deutscher Verteidigungsinitiativen, die OHB im Zuge der Halbjahreszahlen meldete, sollen die Ausgangsposition für entsprechende Ausschreibungen stärken. Bestätigte Aufträge daraus liegen jedoch noch nicht vor.

Bullisches Szenario

Sollte der erwartete Auftragsschub im zweiten Halbjahr tatsächlich eintreten, würde dies die Jahresprognose untermauern und die Marktkapitalisierung stärker auf wiederkehrende Erlösströme stützen. Die SDAX-Aufnahme dürfte in diesem Fall zusätzliche Nachfrage von indexnahen Fonds auslösen, die eine mögliche TecDAX-Aufnahme im September vorwegnehmen.

Jefferies bestätigte am 11. August seine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 280 Euro – ein Signal, dass zumindest ein Analystenhaus die operative Entwicklung trotz der bereits eingepreisten Kursgewinne für tragfähig hält. Läuft die Verteidigungsnachfrage in Deutschland weiter an, könnte OHB von seiner gestärkten Position bei einschlägigen Ausschreibungen profitieren.

Bärisches Risiko

Der Bewertungsspielraum ist jedoch begrenzt. Die Aktie hat sich seit Jahresbeginn verdoppelt und mehr, notiert aber rund 63 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 688,00 Euro – ein Hinweis darauf, dass der Markt bereits einmal deutlich optimistischer war und diese Erwartungen wieder zurückgenommen hat.

Bleibt der erhoffte Auftragsschub aus oder verschiebt er sich in spätere Perioden, würde die für 2026 in Aussicht gestellte Margenausweitung von 9,6 auf bis zu 11,0 Prozent kaum erreichbar. Die annualisierte Volatilität von 52 Prozent zeigt zudem, wie nervös der Markt auf neue Nachrichten reagieren dürfte.

Bei mehreren Analysten, die im Zuge der Coverage-Aufnahme Anfang August Kursziele zwischen 250 und 360 Euro nannten, bleibt eine erhebliche Bandbreite an Einschätzungen bestehen – ein Zeichen für Unsicherheit über die richtige Bewertung.

Ausblick

Solange OHB an seiner Jahresprognose festhält und der Auftragseingang in der zweiten Jahreshälfte tatsächlich anzieht, bleibt das Aufwärtsszenario intakt, zumal die mögliche TecDAX-Aufnahme im September als zusätzlicher Kurstreiber wirken könnte.

Kippt diese Erwartung – etwa weil Ausschreibungen sich verzögern oder Aufträge an Wettbewerber gehen – dürfte die Aktie den Abstand zu ihrem Hoch eher ausbauen als schließen.

Der nächste konkrete Termin, an dem sich diese Frage konkretisieren könnte, ist die Small Satellite Conference in Utah, die OHB vom 23. bis 26. August besuchen will. Bis zur regulären Indexüberprüfung im September dürfte der Auftragseingang das zentrale Beobachtungsfeld für Anleger bleiben.

Anzeige

OHB SE-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue OHB SE-Analyse vom 15. August liefert die Antwort:

Die neusten OHB SE-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für OHB SE-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 15. August erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

OHB SE: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

Diskussion zu OHB SE