OHB: RFA ONE-Start am 1. Juli

Raumfahrtkonzern OHB steht vor entscheidenden Terminen. Hauptversammlung, ILA und RFA-ONE-Start prägen die Aktie, die zuletzt stark nachgab.

Die Kernpunkte:
  • Drei wichtige Termine im Juni
  • RFA ONE Testflug beantragt
  • KKR plant milliardenschwere Platzierung
  • Operatives Geschäft mit solidem Wachstum

OHB geht in Wochen, die den Raumfahrtkonzern aus Bremen stärker prägen dürften als ein normales Quartal. Hauptversammlung, ILA Berlin und der beantragte Erstflug der RFA ONE liegen eng beieinander. Der Markt reagiert nervös, weil operative Fortschritte und Kapitalmarktrisiken gerade aufeinandertreffen.

Die Aktie notiert am Donnerstag bei 348,50 Euro und verliert 6,57 Prozent; auf Wochensicht summiert sich das Minus auf 27,40 Prozent.

Drei Termine, ein enger Zeitplan

Den Auftakt macht die virtuelle Hauptversammlung am 8. Juni 2026. Direkt danach folgt die ILA Berlin vom 10. bis 14. Juni, auf der OHB neben Airbus, ArianeGroup und DLR vertreten ist.

Für den Konzern ist die Messe mehr als eine Bühne. OHB will neue Missionsverträge präsentieren. Gerade im Raumfahrtsektor zählen solche Auftritte, weil politische Budgets, ESA-Programme und Industriepartner eng miteinander verzahnt sind.

Der technisch wichtigste Termin liegt aber außerhalb des Messekalenders. Die Tochter Rocket Factory Augsburg hat für den 1. Juli ein Startfenster für den ersten Testflug der RFA ONE beantragt. Die Rakete soll sieben Satelliten ins All bringen und ist für Nutzlasten bis 1.300 Kilogramm ausgelegt.

RFA ONE wird zum Realitätstest

Der Erstflug ist für OHB strategisch heikel. Ein erfolgreicher Start würde den Konzern im Bereich „Access to Space“ sichtbarer machen und die Abhängigkeit von externen Raketen im Kleinsatellitengeschäft reduzieren.

Die Vorgeschichte mahnt allerdings zur Vorsicht. Nach einem Vorfall beim Heißbrandtest arbeitete RFA rund 18 Monate an technischen Anpassungen. Betroffen waren unter anderem das Helix-Triebwerk, Tankdrucksysteme und Abläufe am Boden.

OHB selbst dämpft überzogene Erwartungen: Erste Flüge neuer Startsysteme sind historisch in weniger als 30 Prozent der Fälle erfolgreich. Hinzu kommt, dass RFA at equity konsolidiert wird. Raketenstarts schlagen daher nicht direkt in der Konzern-Guidance durch.

Die Ambition bleibt hoch. Ab 2028 soll die Serienproduktion anlaufen, mittelfristig peilt RFA bis zu 25 Starts pro Jahr an. Gelingt der Einstieg, würde OHB in einem Markt mit deutlich höherer strategischer Sichtbarkeit mitspielen.

KKR-Platzierung hängt am Timing

Parallel läuft im Hintergrund die verschobene Großplatzierung. Der Finanzinvestor KKR hält rund 29 Prozent an OHB und will etwa 20 Prozentpunkte davon verkaufen, während die Gründerfamilie Fuchs mit 65 Prozent der Stimmrechte dominant bliebe.

Gelingt die Transaktion bis zum 30. Juni, würde der Streubesitz von 6 auf rund 26 Prozent steigen. Das wäre für die Handelbarkeit der Aktie ein spürbarer Schritt.

Das geplante Volumen liegt bei über einer Milliarde Euro. Erschwert wird der Zeitplan durch den erwarteten SpaceX-Börsengang in den USA, der Mitte Juni Aufmerksamkeit, Kapital und Bankenkapazitäten binden könnte.

Kerngeschäft liefert Rückenwind

Operativ steht OHB nicht auf wackligen Beinen. Im ersten Quartal 2026 stieg die Gesamtleistung um 15,2 Prozent auf 279,3 Millionen Euro.

Das unbereinigte EBITDA legte um 48 Prozent auf 25,7 Millionen Euro zu. Bereinigt waren es 27,3 Millionen Euro.

Auch unter dem Strich zog das Geschäft an. Der Nettogewinn verdreifachte sich auf 9,9 Millionen Euro nach 3,7 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.

Zum 31. März 2026 lag der Auftragsbestand bei 3,354 Milliarden Euro, nach 2,314 Milliarden Euro ein Jahr zuvor. Der größte Beitrag kommt aus Space Systems, gespeist durch ESA-Programme und steigende Verteidigungsbudgets.

Die Mittelfristziele bleiben klar:

  • 2026: Gesamtleistung von 1,4 Milliarden Euro
  • 2027: Gesamtleistung von 1,7 Milliarden Euro
  • 2028: Gesamtleistung von mehr als 2,0 Milliarden Euro

Die angestrebte EBITDA-Marge liegt bei 11 Prozent. Damit liefert das Kerngeschäft eine solide Basis, auch wenn die Kapitalmarktstory aktuell stärker von Terminen und Liquidität geprägt wird.

Enger Handel verstärkt Ausschläge

Ein struktureller Schwachpunkt bleibt die geringe Handelbarkeit. Nur 5,68 Prozent der 19,15 Millionen Aktien liegen im Streubesitz; der jüngste Sell-off wurde laut Angaben von lediglich 800 Aktien ausgelöst.

Die annualisierte Volatilität über 30 Tage liegt bei 137,96 Prozent. Das erklärt, warum einzelne Orders bei OHB größere Spuren hinterlassen können als bei breiter gehandelten Titeln.

Seit Jahresbeginn steht trotz des Rückschlags noch ein Plus von 186,83 Prozent. Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch beträgt inzwischen 49,35 Prozent, was die Fallhöhe nach der starken Rally sichtbar macht.

Der nächste feste Marker ist die Hauptversammlung am 8. Juni. Danach folgen die ILA und der beantragte RFA-ONE-Start am 1. Juli; in diesem engen Fenster entscheidet sich, ob die starke operative Basis von einer glaubwürdigen Raumfahrt-Story am Kapitalmarkt getragen wird.

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