OHB: RFA ONE verschiebt Jungfernflug erneut
OHB steigert Halbjahreszahlen und bestätigt die Jahresziele, während Kapitalverwässerung, KKR-Verkäufe und RFA-Verzögerungen die Aktie belasten.

- Auftragsbestand erreicht 3.304 Millionen Euro
- Bereinigtes EBIT steigt um 46 Prozent
- RFA ONE startet erneut verspätet
- KKR platziert großen Beteiligungsanteil
Der Auftragsbestand von OHB erreicht mit 3.304 Millionen Euro nach dem ersten Halbjahr 2026 einen neuen Höchstwert, das bereinigte EBIT legte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 46 Prozent zu. Trotzdem kommt die Aktie nicht zur Ruhe. Der Kurs verlor in den vergangenen 30 Tagen 21 Prozent, während operativ eigentlich alles nach Wachstumsstory aussieht.
Der Widerspruch zwischen Zahlenwerk und Kursverlauf lässt sich mit einem Blick auf die jüngere Unternehmensgeschichte erklären. Erst Mitte Juni hatte OHB eine Kapitalerhöhung über bis zu 1.702.480 neue Aktien zu je 300 Euro durchgeführt, mit einem Bruttoerlös von bis zu 510,7 Millionen Euro.
Parallel dazu veräußerte der Finanzinvestor KKR über seine Beteiligungsgesellschaft Orchid Lux einen erheblichen Teil seiner rund 29-prozentigen Beteiligung im Volumen von etwa 900 Millionen Euro. Der Streubesitz sollte dadurch von historisch rund 6 Prozent auf bis zu 26 Prozent steigen. Die Familie Fuchs als Hauptaktionär verzichtete dabei auf die Ausübung ihrer Bezugsrechte.
Operatives Geschäft übertrifft Erwartungen
OHB bestätigte Anfang August die Guidance für das laufende Geschäftsjahr: Rund 1,4 Milliarden Euro Gesamtleistung bei einer Marge zwischen 10,5 und 11 Prozent stehen weiterhin im Raum.
Die Gesamtleistung im ersten Halbjahr lag bei 627,9 Millionen Euro nach 563,5 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum, ein Plus von 11 Prozent. Das bereinigte EBITDA kletterte um 31 Prozent auf 60,4 Millionen Euro. Ergänzend sicherte sich die Tochtergesellschaft OHB Italia Ende Juli einen Auftrag für die zweite Generation der PRISMA-Mission, die bis Ende 2031 gestartet werden soll.
Rocket Factory Augsburg bremst die Stimmung
Weniger erfreulich verlief es zuletzt bei der OHB-Tochter Rocket Factory Augsburg, an der der Konzern zu 65 Prozent beteiligt ist. Der Jungfernflug der Rakete RFA ONE verzögert sich erneut, dieses Mal wegen Tank-Problemen.
Die Rakete musste zur Inspektion vom Startplatz entfernt werden, ein fünfwöchiges Startfenster im August und September wurde storniert. Für Anleger, die auf den symbolträchtigen ersten Start als Kurstreiber gesetzt hatten, ist das ein Rückschlag – auch wenn das Raumfahrtgeschäft im Kerngeschäft von OHB nur einen Teilbereich darstellt.
Verwässerungsangst trifft auf Bewertungsdebatte
Medienberichten zufolge herrscht unter Anlegern seit Anfang September anhaltender Verkaufsdruck, nachdem der Hype um die Kapitalerhöhung und die anschließende Platzierung durch den Finanzinvestor verflogen ist.
Die Diskussion dreht sich um die Frage, ob der hohe Auftragsbestand und erwartete Gewinnsprünge ab 2027 die aktuelle Bewertung rechtfertigen, oder ob die Verwässerung durch die Kapitalerhöhung und ein als zu hoch empfundenes Kurs-Gewinn-Verhältnis für eine deutliche Korrektur sprechen. Die Spanne der Erwartungen reicht dabei von Kurszielen um 270 bis 300 Euro bis zu Warnungen vor einem Rückgang auf 70 Euro.
Der Schlusskurs vom Freitag lag bei 186,00 Euro, ein moderates Plus von 0,3 Prozent zum Vortag. Gemessen am Jahresbeginn steht die Aktie dennoch mit 59 Prozent im Plus – ein Hinweis darauf, dass der jüngste Rückgang vor allem eine Korrektur nach einer sehr steilen Vorjahresrally darstellt, weniger ein grundsätzlicher Vertrauensverlust in das operative Geschäft.
Für Anleger bleibt die Gemengelage komplex: Ein wachsender Auftragsbestand und bestätigte Jahresziele stehen einer frischen Aktienverwässerung, einem großen Verkaufsüberhang aus der KKR-Transaktion und Rückschlägen im Raketengeschäft gegenüber. Wie sich diese gegensätzlichen Kräfte in den kommenden Wochen austarieren, dürfte maßgeblich davon abhängen, ob sich der Auftragsbestand tatsächlich in die für 2027 erwarteten Gewinnsprünge übersetzt.
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