OHB sammelt 789 Millionen ein, Renk sichert US-Großauftrag — DroneShield im Abwärtssog

OHB sammelt 789 Mio. Euro ein, Renk erhält US-Auftrag über 691 Mio. Dollar. DroneShield kämpft mit Kursverlusten.

Die Kernpunkte:
  • OHB platziert Aktien für 789 Millionen Euro
  • Renk sichert sich 691-Millionen-Dollar-Vertrag
  • DroneShield leidet unter Verwässerung und Ermittlungen
  • Leonardo profitiert von GCAP-Programm

Kapital, Kontrakte, Kursturbulenzen: Während OHB SE mit einem Re-IPO den größten Börsengang der europäischen Raumfahrtbranche in diesem Jahr stemmt und Renk einen 691-Millionen-Dollar-Vertrag der US-Armee einstreicht, kämpft DroneShield mit Verwässerung und einer Regulierungsuntersuchung. Leonardo positioniert sich als Brückenbauer im GCAP-Kampfjetprogramm, und Military Metals treibt Europas strategisch wichtigstes Antimon-Vorkommen voran. Fünf Verteidigungswerte — fünf grundverschiedene Dynamiken.

OHB SE: Re-IPO mit Preisschock

OHB SE lieferte diese Woche das kapitalmarktseitig lauteste Signal. Der Bremer Satellitenhersteller und sein Großaktionär KKR läuteten am Freitag die Glocke an der Frankfurter Börse — nach einer Aktienplatzierung im Volumen von 789 Millionen Euro. Die Transaktion soll den Streubesitz von rund 5,7 % auf bis zu 19,2 % katapultieren.

Der Abgabedruck am ersten Handelstag war allerdings beachtlich. Der Angebotspreis von 300 Euro je Aktie lag bereits 26 % unter dem Vortagesschlusskurs von 405,50 Euro. Im Freitagshandel fiel der Kurs dann zeitweise bis auf 296 Euro. Der Schlusskurs landete bei 276 Euro — ein Tagesverlust von knapp 13 %.

Die Struktur der Platzierung erklärt den Abgabedruck: OHB selbst gibt bis zu 1,7 Millionen neue Aktien aus und nimmt damit bis zu 510 Millionen Euro ein. KKR verkauft über seine Beteiligungsgesellschaft Orchid Lux HoldCo zusätzlich bis zu 1,23 Millionen bestehende Aktien und dürfte damit mehr erlösen, als der Fonds 2023 für die gesamte Beteiligung gezahlt hat. KKRs Anteil sinkt von 28,6 % auf rund 20 %.

CEO Marco Fuchs betonte, das frische Kapital solle die Industrialisierung beschleunigen, Investitionen in Trägersysteme ermöglichen und Spielraum für Übernahmen schaffen. Die Ausgangslage stützt diesen Ehrgeiz: Der Auftragsbestand erreichte zuletzt 3,3 Milliarden Euro, ein Zuwachs von 45 % im Jahresvergleich. Die Profitmarge kletterte seit dem KKR-Einstieg von 4 % auf 6 %. Trotz des starken YTD-Plus von über 127 % notiert die Aktie nun fast 60 % unter ihrem 52-Wochen-Hoch. Der durchschnittliche Analystenkursziel liegt bei 320 Euro.

Renk: 691-Millionen-Dollar-Vertrag stützt den Auftragsbestand

Während OHB mit der Preisfindung rang, erhielt Renk Nachrichten, die direkt auf die Auftragsbuchstärke einzahlen. Die US-Tochter RENK America hat am 26. Juni einen neuen Fünfjahresvertrag über bis zu 691 Millionen Dollar erhalten. Die Armee bestellt HMPT-800-Getriebe für mittlere Kettenfahrzeuge — es ist bereits der vierte Folgevertrag in einer langjährigen Partnerschaft. Mehr als 4.500 Getriebe hat RENK America seit Beginn des Programms ausgeliefert.

Bradley und AMPV bilden das Rückgrat der gepanzerten US-Verbände bis weit ins nächste Jahrzehnt. Jedes dieser Fahrzeuge benötigt das Getriebe, das Renk in Michigan fertigt. Die Abhängigkeit der US-Armee von diesem Zulieferer ist schwer zu ersetzen — ein Burggraben, den kein Quartalsgewinn so klar illustriert wie ein erneuter Serienvertrag.

Die Kursentwicklung spiegelt diese operative Stärke aktuell nicht wider. Am Freitag schloss die Aktie bei 42,72 Euro, mehr als 50 % unter dem 52-Wochen-Hoch. Belastend wirkte zuletzt der KNDS-Blockverkauf: Der Panzerverbund platzierte Mitte Mai 5,8 Millionen Renk-Aktien zu 45,10 Euro und reduzierte seine Beteiligung auf rund 10 %. Der Schritt dient der Vorbereitung auf KNDS‘ eigene geplante Doppelnotierung in Frankfurt und Paris.

Die fundamentale Basis bleibt stark:

  • Rekord-Auftragseingang im Q1 2026: 582 Millionen Euro
  • Auftragsbestand auf neuem Höchststand: 6,9 Milliarden Euro
  • Jahresumsatzziel 2026: über 1,5 Milliarden Euro
  • Gewinn 2025: 100 Millionen Euro, ein Plus von 88 %

Das Konsens-Kursziel der Analysten liegt bei 68,14 Euro — also gut 60 % über dem aktuellen Kurs. Allerdings hat Citigroup die Aktie auf „Sell“ herabgestuft und prognostiziert, dass der US-Umsatz bis 2030 rund 20 % unter dem Konsens liegen könnte.

DroneShield: Verwässerung, ASIC-Ermittlung und ein gespaltener Analystenkonsens

DroneShield liefert derzeit eine der komplexesten Storys im Verteidigungssektor. Einerseits wuchs der Umsatz im Geschäftsjahr 2025 um 276 % auf 216,5 Millionen Australische Dollar. Für 2026 stehen bereits 155 Millionen AUD an fest gebuchtem Umsatz in den Büchern. Ein 24,9-Millionen-Dollar-Vertrag mit einer US-Behörde für mobile und stationäre Drohnenabwehrsysteme kam Anfang Juni hinzu.

Die Gegenseite der Bilanz wiegt schwer. Die Zahl der ausstehenden Aktien stieg im vergangenen Jahr um 43 %. Mitte Juni quotierte DroneShield weitere 823.111 neue Aktien an der ASX — ein Signal, das Bestandsaktionäre nervös macht. Hinzu kommt eine laufende Untersuchung der australischen Finanzaufsicht ASIC, die seit Mai 2026 Unternehmensankündigungen und Handelsaktivitäten vom November 2025 prüft.

Der Kurs hat auf diese Gemengelage heftig reagiert. Bei 1,28 Euro am Freitag liegt die Aktie gut 35 % unter ihrem Jahresanfangswert. Binnen 30 Tagen ging ein Drittel des Börsenwerts verloren. Der RSI von knapp 20 signalisiert eine technisch stark überverkaufte Lage.

Personell setzt das Unternehmen auf Kontinuität: Angus Bean, langjähriger CTO, übernahm den CEO-Posten. Die Analysteneinschätzungen gehen weit auseinander. Ord Minnett startete die Coverage mit einem „Lighten“-Rating und einem Kursziel von 2,28 AUD. Am anderen Ende der Skala stehen Ziele von bis zu 5 AUD. Die Konsensspanne von 2,30 bis 3,72 AUD zeigt, wie uneins der Markt über die Bewertung dieses schnell wachsenden, aber strukturell risikobehafteten Unternehmens ist.

Leonardo: GCAP-Erweiterung als strategischer Hebel

Leonardo bewegt sich an der Schnittstelle von Industriepolitik und Rüstungsdiplomatie. Das Global Combat Air Programme — getragen von Großbritannien, Japan und Italien — gewinnt an Anziehungskraft. Kanadas Verteidigungsminister David McGuinty bezeichnete GCAP nach Gesprächen mit seinem japanischen Amtskollegen als „vielversprechende Initiative“. In Rom und bei Leonardo selbst werden Kanada, Saudi-Arabien und Deutschland als künftige Partner oder Beobachter gehandelt.

Diese Dynamik erhält zusätzliches Gewicht durch den Kollaps des konkurrierenden europäischen Kampfjetprogramms FCAS, an dem Frankreich, Deutschland und Spanien beteiligt waren. Ein Streit zwischen Airbus und Dassault Aviation ließ das Vorhaben scheitern. Für GCAP und seine industriellen Träger — allen voran Leonardo — steigt damit die strategische Bedeutung.

Operativ liefert der italienische Konzern solide Zahlen. Im ersten Quartal 2026 stiegen die Auftragseingänge um 31 %, der Umsatz legte knapp 7 % zu. Der Jahresausblick bleibt unverändert. Die Aufträge sollen 2026 auf rund 25 Milliarden Euro steigen, mittelfristig peilt das Management 32 Milliarden Euro bis Ende des Jahrzehnts an. Parallel investiert Leonardo über den neuen „Transition Plan 2026″ rund 1,2 Milliarden Euro in Klimaresilienz und nachhaltige Technologien.

Am Freitag schloss die Aktie bei 46,19 Euro — rund 30 % unter dem 52-Wochen-Hoch, aber nur 6 % über dem Jahrestief. Analysten sehen deutlich mehr Potenzial: Der Konsens von 18 Analysten liegt bei 68,67 Euro, was einem Aufschlag von über 30 % entspricht. Die Bewertung bleibt damit hinter dem typischen europäischen Rüstungsprämienniveau zurück.

Military Metals: Antimon aus der Slowakei für den NATO-Bedarf

Military Metals ist die kleinste Position in diesem Feld — und zugleich die thematisch fokussierteste. Das kanadische Explorationsunternehmen konzentriert sich auf Antimon, ein Metall, das in Munition, Flammschutzmitteln und Halbleitertechnologie zum Einsatz kommt. Westliche Regierungen suchen aktiv nach heimischen Bezugsquellen, um die Abhängigkeit von China und Russland zu reduzieren.

Im April 2026 meldete Military Metals eine erste geschlussfolgerte Mineralressource am Trojárová-Projekt in der Slowakei: 6,5 Millionen Tonnen mit 1,02 % Antimon und 1,06 g/t Gold, umgerechnet 67.000 Tonnen Antimon und 222.000 Unzen Gold. Die Lage innerhalb der EU verschafft dem Projekt einen regulatorischen Standortvorteil.

Mit Thomas Hüser — einem erfahrenen europäischen Metallhändler mit Stationen bei Glencore Nordenham und Recylex — übernahm im März ein neuer Chairman die Führung. Die Marktkapitalisierung liegt bei rund 32 Millionen Kanadischen Dollar. Umsätze erwirtschaftet das Unternehmen noch nicht.

Die Aktie notiert bei 0,10 Euro und hat innerhalb von 30 Tagen mehr als die Hälfte ihres Werts verloren. Der RSI von knapp 26 deutet auf eine technisch überverkaufte Lage hin. Das durchschnittliche Analystenkursziel liegt bei 0,42 CAD — also deutlich über dem aktuellen Niveau.

Verteidigungssektor zwischen Strukturnachfrage und Bewertungsrealismus

Die zweite Jahreshälfte 2026 beginnt mit einer klaren Bruchlinie im Verteidigungssektor. Auf der einen Seite stehen Unternehmen mit fest verankerten Plattformpositionen und jahrzehntelangen Beschaffungsbeziehungen — Renks vierter Serienvertrag ist das Paradebeispiel. Auf der anderen Seite müssen schnell wachsende Unternehmen wie DroneShield beweisen, dass ihr Umsatzwachstum nicht durch Verwässerung und Governance-Risiken aufgefressen wird.

OHBs Re-IPO setzt einen neuen Bewertungsmaßstab für europäische Raumfahrt- und Verteidigungsaktien. Institutionelle Investoren haben mit der Preisgestaltung signalisiert, dass sie bereit sind zu investieren — aber nicht mehr zu jedem Preis. Leonardo wird mit den Zahlen für das zweite Quartal im Juli zeigen müssen, ob das GCAP-Narrativ und die Auftragsdynamik den Kursrückgang auffangen können. Für Military Metals bleibt das makrostrategische Umfeld günstig: Der NATO-Bedarf an heimischem Antimon wächst, die Bewertung eines Unternehmens in diesem frühen Stadium spiegelt diesen Rückenwind bislang kaum wider.

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