OHB SE Aktie: 18-Prozent-Verlust in sieben Tagen

OHB qualifiziert Trainingsanzug für ISS-Experimente gegen Muskelschwund. Trotz solider Halbjahreszahlen fällt der Aktienkurs weiter.

Die Kernpunkte:
  • Trainingsanzug für ISS qualifiziert
  • Umsatzplus von elf Prozent
  • Aktie verliert trotzdem deutlich
  • Kapitalstruktur im Fokus

Während der Kurs der OHB SE weiter unter Druck steht, arbeitet das Unternehmen an einem Projekt, das wenig mit Bezugsrechten oder Gewinnmitnahmen zu tun hat, aber viel über die eigentliche Substanz des Konzerns verrät: einem Trainingsanzug für die Internationale Raumstation.

Gestern gab OHB bekannt, dass der Anzug „EasyMotion-2″ für ISS-Experimente qualifiziert wurde. Er soll erforschen, wie sich Muskelschwund in der Schwerelosigkeit verhindern lässt – eine der zentralen Hürden für lange Weltraummissionen.

Es ist ein kleines Detail im großen Bild eines Unternehmens, das gerade zwischen zwei Erzählungen zerrissen wird. Auf der einen Seite steht das operative Geschäft, das nach den Halbjahreszahlen vom 6. August solide aussieht: 627,9 Millionen Euro Umsatz im ersten Halbjahr, ein Plus von 11 Prozent gegenüber dem Vorjahr, ein Auftragsbestand von gut 3,3 Milliarden Euro.

Das Management bestätigte damals auch die Jahresguidance – 1,4 Milliarden Euro Gesamtleistung, eine bereinigte EBITDA-Marge zwischen 10,5 und 11,0 Prozent. Auf der anderen Seite steht ein Aktienkurs, der binnen sieben Tagen 18 Prozent verloren hat und mittlerweile 72 Prozent unter seinem Mai-Hoch von 688 Euro notiert.

Wenn die Fundamentaldaten dem Kurs hinterherlaufen

Diese Diskrepanz ist der eigentliche Stoff, aus dem sich derzeit jede Betrachtung der OHB-Aktie speisen muss. Der aktuelle Kurs von 194,60 Euro liegt 27 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt und 24 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt – ein Bild, das eher an eine Aktie in der Ausverkaufsphase erinnert als an ein Unternehmen mit wachsendem Auftragsbestand und bestätigter Guidance.

Der RSI von 29,8 signalisiert eine überverkaufte Situation, und die annualisierte Volatilität von 61 Prozent zeigt, wie nervös der Markt das Papier derzeit handelt.

Man kann das als reine Sektorbewegung abtun, ausgelöst durch den Kulminationspunkt der Weltraum-Euphorie im Mai, als SpaceX an die Börse ging und seither eine breite Korrektur bei Raumfahrtwerten in Gang setzte. Man kann aber auch fragen, ob der Markt gerade übersieht, dass OHB an Themen arbeitet, die weit über den nächsten Quartalsbericht hinausreichen.

Der EasyMotion-2-Anzug ist genau so ein Thema. Langzeitaufenthalte im All – ob auf der ISS, künftigen Raumstationen oder bei Missionen zum Mond – scheitern nicht an der Raketentechnik allein, sondern an der menschlichen Physiologie.

Muskelabbau in der Schwerelosigkeit ist eines der größten medizinischen Probleme der bemannten Raumfahrt. Dass OHB hier ein qualifiziertes Trainingsgerät liefert, positioniert das Unternehmen in einem Nischenfeld, das mit jeder neuen Langzeitmission an Bedeutung gewinnt.

Ein Konzern zwischen zwei Geschwindigkeiten

Diese Art von Auftrag passt zu einem Unternehmen, das sich zunehmend als Systemanbieter für die gesamte Bandbreite der Raumfahrt versteht – von Satellitenbau bis zu Lebenserhaltungssystemen. Genau diese Breite dürfte einer der Gründe sein, warum institutionelle Investoren trotz der Kurskorrektur am Unternehmen festhalten.

Die Familie Fuchs und der Finanzinvestor KKR hatten im Juni bei der Kapitalerhöhung mit einem Bruttovolumen von rund 480 Millionen Euro bewusst auf ihre Bezugsrechte verzichtet – ein Signal, das man in die eine oder andere Richtung deuten kann, das aber zeigt, wie sehr die Kapitalstruktur des Unternehmens gerade im Fokus steht.

Der geringe Streubesitz, kombiniert mit Spekulationen über weitere Kapitalmaßnahmen, dürfte einer der Treiber des aktuellen Abwärtstrends sein – nicht die Nachrichtenlage aus dem operativen Geschäft. Das ist die eigentliche Ironie dieser Wochen: Während OHB technologisch an Projekten für die nächste Generation der Raumfahrt arbeitet, entscheidet der Markt kurzfristig eher über Finanzierungsfragen als über Zukunftstechnologie.

Ob sich diese beiden Geschwindigkeiten – die des Kurses und die der operativen Entwicklung – wieder angleichen, hängt weniger von einem einzelnen Trainingsanzug ab als von der Frage, wie der Markt die Kapitalstruktur und den künftigen Finanzierungsbedarf des Konzerns einschätzt. Der Anzug für die ISS bleibt dabei ein kleines, aber bezeichnendes Puzzleteil: Es zeigt, woran OHB arbeitet, während der Kurs von ganz anderen Fragen getrieben wird.

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