OHB SE Aktie: Kapitalerhöhung verwässert Altaktionäre
OHB erhält einen Auftrag von SES, doch Kapitalerhöhung und KKR-Verkauf belasten die Aktie. Der Kurs fiel binnen 30 Tagen um 30 Prozent.

- Kapitalerhöhung verwässert bestehende Beteiligungen
- KKR reduziert seine OHB-Beteiligung
- SES vergibt Auftrag für 18 Satelliten
- Aktie verliert binnen 30 Tagen 30 Prozent
OHB SE steckt in einer schwierigen Phase, obwohl operativ eigentlich alles nach Plan läuft. Der Grund für die anhaltende Kursschwäche liegt nicht im Geschäft, sondern in der Aktionärsstruktur: Der Bremer Raumfahrtkonzern hat im Sommer eine milliardenschwere Kapitalerhöhung durchgezogen, während sich gleichzeitig der Finanzinvestor KKR über sein Vehikel Orchid Lux von großen Teilen seiner Beteiligung getrennt hat. Diese Gemengelage drückt seit Wochen auf den Kurs und wiegt schwerer als gute Nachrichten aus dem operativen Geschäft.
Kapitalerhöhung mit Verwässerungseffekt
Am 22. Juni beschloss der Vorstand mit Zustimmung des Aufsichtsrats eine Bezugsrechtskapitalerhöhung um bis zu 1.702.480 neue Aktien, das entspricht 8,86 Prozent des Grundkapitals. Der Bezugspreis lag bei 300 Euro je Aktie, der maximale Bruttoerlös bei bis zu 510,7 Millionen Euro.
Die Familie Fuchs über ihre Vehikel FFS, VOLPAIA und Martello Value sowie das KKR-nahe Orchid Lux verzichteten auf ihre Bezugsrechte. Als Folge soll der Streubesitz von rund sechs auf bis zu 26 Prozent steigen – eine deutliche Ausweitung, die den Markt seither beschäftigt.
Bereits die Ankündigung am 15. Juni hatte die Aktie mit einem Kursabschlag von rund zehn Prozent belastet. Die erste Tranche mit gut 1,6 Millionen neuen Aktien startete am 26. Juni den Handel, parallel dazu platzierte Orchid Lux einen erheblichen Teil seiner rund 29-prozentigen Beteiligung im Rahmen eines aufgestockten Bookbuildings zum selben Preis von 300 Euro.
Anfang Juli meldete OHB schließlich den Abschluss auch der zweiten Tranche. Der Nettoerlös soll in den Produktionsausbau, strategische Zukäufe, Trägerraketen und weitere Zukunftsprogramme fließen – strategisch sinnvoll, aber eben mit einem spürbaren Verwässerungseffekt für Altaktionäre.
Guter Auftrag, schlechte Kursreaktion
Dass operative Erfolge derzeit kaum durchdringen, zeigte sich am vergangenen Dienstag erneut. OHB erhielt vom europäischen Satellitenbetreiber SES einen Auftrag im Wert von knapp einer Milliarde Euro für Entwicklung und Bau von 18 Satellitenplattformen im Rahmen des europäischen Sicherheitsprogramms IRIS².
SES ist Teil des von der EU-Kommission beauftragten SpaceRISE-Konsortiums, dem auch Eutelsat und Hispasat angehören. Die Plattformen für die mittlere Erdumlaufbahn wiegen je etwa 2,6 Tonnen und bringen rund 15 Kilowatt Leistung, der Start der ersten Satelliten ist für 2029 geplant, die Datenübertragung soll 2030 beginnen.
Trotz dieser Nachricht fiel die Aktie deutlich – der Markt richtete den Blick offenbar weiter auf die Kapitalstruktur statt auf das Auftragsbuch. Am gestrigen Mittwoch schloss das Papier bei 177,60 Euro, ein Minus von 2,9 Prozent gegenüber dem Vortag. Auf Wochensicht steht ein Rückgang von 5,9 Prozent zu Buche, über die vergangenen 30 Tage summiert sich der Verlust auf 30 Prozent.
Ausverkauf setzt sich fort
Der Abwärtstrend zeigte sich auch am Dienstag, als der SDAX zum Handelsende insgesamt nachgab und OHB am Nachmittag besonders stark unter Verkaufsdruck geriet. Die Kombination aus Kapitalabfluss durch die erhöhte Aktienzahl, dem Ausstieg eines großen Ankeraktionärs und dem gleichzeitigen Chartbruch scheint für viele Anleger schwerer zu wiegen als das langfristige Potenzial aus dem Auftragsbestand.
Gemessen am 50-Tage-Durchschnitt von 245,91 Euro notiert die Aktie derzeit rund 28 Prozent darunter – ein Indiz dafür, wie stark sich die Stimmung in den vergangenen Wochen eingetrübt hat.
Für Anleger bleibt die Situation vorerst zweigeteilt: Das operative Geschäft mit dem IRIS²-Auftrag und einem gut gefüllten Orderbuch liefert positive Signale, während die Neuordnung der Aktionärsstruktur kurzfristig für Verkaufsdruck sorgt. Ob sich der erweiterte Streubesitz mittelfristig als Stabilitätsfaktor erweist, wird sich erst zeigen, wenn sich der Handel nach der Übergangsphase beruhigt hat.
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