OHB SE Aktie: Project Bromo setzt Fuchs unter Druck

OHB Italia baut neuen Erdbeobachtungssatelliten für ASI, während der Konzernchef das geplante Joint Venture von Airbus, Leonardo und Thales als Wettbewerbsrisiko kritisiert.

Die Kernpunkte:
  • Satellitenauftrag für OHB Italia
  • Kritik an Branchenallianz
  • Aktie trotz Auftrag unter Druck
  • Starkes Jahresplus von 100 Prozent

Für OHB SE prallen an diesem Freitag zwei gegensätzliche Nachrichten aufeinander: Auf der einen Seite sichert sich die italienische Tochtergesellschaft einen neuen Satellitenauftrag der italienischen Raumfahrtbehörde. Auf der anderen Seite sorgt sich Konzernchef Marco Fuchs offen über ein Bündnis der europäischen Branchenriesen, das dem Bremer Unternehmen künftig Marktanteile streitig machen könnte.

Auftrag für PRISMA-Nachfolgesatellit

Die italienische Raumfahrtagentur ASI hat OHB Italia, eine Tochtergesellschaft der OHB SE, mit dem Bau des Erdbeobachtungssatelliten PRISMA Second Generation beauftragt. OHB Italia tritt dabei als Hauptauftragnehmerin für die Entwicklung des Satellitensystems auf. Der Start der Mission ist bis Ende 2031 geplant. Thales Alenia Space steuert die hyperspektrale Bildgebungstechnologie bei, die künftig Umwelt- und Agrarüberwachung sowie Mineralexploration in Italien unterstützen soll. Der Auftrag reiht sich in eine Serie von Erdbeobachtungsprojekten ein, die OHB in den vergangenen Wochen für sich verbuchen konnte, und unterstreicht die enge Verzahnung des Konzerns mit der italienischen Raumfahrtindustrie.

Sorge vor neuem Branchenriesen

Parallel zur guten Auftragslage meldete sich CEO Marco Fuchs mit ungewöhnlich deutlicher Kritik zu Wort. Er äußerte Bedenken gegen das geplante Joint Venture „Project Bromo“, in dem Airbus, Leonardo und Thales ihre Raumfahrtaktivitäten bündeln wollen. Fuchs befürchtet Wettbewerbsnachteile für sein Unternehmen, sollte sich ein derart großer Zusammenschluss der etablierten europäischen Platzhirsche formieren.

Der Zeitpunkt der Kritik ist kein Zufall: Der europäische Raumfahrt- und Verteidigungsmarkt wächst gerade kräftig. Deutschland plant, binnen fünf Jahren 35 Milliarden Euro in militärische Raumfahrtsysteme zu investieren. Die EU-Kommission wiederum hat ein Verteidigungs-, Raumfahrt- und Sicherheitspaket im Volumen von 131 Milliarden Euro angekündigt. In diesem Umfeld will offenbar auch OHB selbst nicht nur zusehen: Der Konzern hat die European Spaceport Company gegründet, um im wachsenden europäischen Startmarkt eigene Kapazitäten aufzubauen.

Aktie unter Druck trotz voller Auftragsbücher

An der Börse spiegelt sich diese Gemengelage in einem volatilen Kursbild. Am Donnerstag schloss die OHB-Aktie bei 235,00 Euro und legte damit um 1,51 Prozent zu – ein kleiner Erholungsversuch nach einer schwierigen Phase. Über die vergangenen 30 Tage steht dennoch ein Minus von 15,47 Prozent zu Buche, was zeigt, wie stark sich das Papier zuletzt von seinem Rekordhoch entfernt hat. Der Relative-Stärke-Index von 33,5 signalisiert eine überverkaufte Situation, während der Kurs mit einem Abstand von nur 3,46 Prozent bereits wieder nahe an seinen 200-Tage-Durchschnitt herangerückt ist.

Auf Sicht von zwölf Monaten bleibt die Kursentwicklung dennoch außergewöhnlich: Seit Jahresbeginn steht ein Plus von mehr als 100 Prozent zu Buche. Die jüngste Korrektur relativiert diesen Erfolg zwar spürbar, ändert aber nichts an der grundsätzlichen Neubewertung, die OHB im laufenden Jahr am Kapitalmarkt erfahren hat. Für Anleger bleibt damit die Frage entscheidend, ob operative Erfolge wie der neue ASI-Auftrag ausreichen, um das Vertrauen nach der jüngsten Kursschwäche zurückzugewinnen – zumal die angekündigte Konkurrenzallianz der Branchengrößen die Wettbewerbslandschaft für OHB mittelfristig verändern dürfte.

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