OHB SE Aktie: Raketenprogramm am Scheideweg!

Berenberg bekräftigt die Kaufempfehlung für OHB; Satellitenprojekte sind vorangekommen, während der Neunmonatsbericht am 12. November erwartet wird.

Die Kernpunkte:
  • Berenberg bestätigt Kaufurteil und Kursziel
  • EAGLET II umfasst nun 24 Satelliten
  • Rocket Factory Augsburg erhält neuen CEO
  • KKR-Anteil sank auf rund 20 Prozent

Europas Raumfahrtindustrie ringt um ihre Rolle im globalen Wettbewerb, und kaum ein Unternehmen verkörpert diesen Spagat so deutlich wie die Bremer OHB SE. Auf der einen Seite steht der politische und strategische Drang nach technologischer Souveränität im Orbit, auf der anderen Seite die nüchterne Zurückhaltung der Börse.

Während operative Fortschritte im All gemeldet werden, bleibt die Bewertung auf dem Boden bemerkenswert distanziert. Wie viel Geduld verlangt der Aufbruch in den Weltraum den Anlegern tatsächlich ab?

Medienberichten zufolge bekräftigte die Privatbank Berenberg am Freitag ihre Kaufempfehlung für die OHB-Aktie mit der Einstufung „Buy“ und einem Kursziel von 358 Euro. Gemessen am aktuellen Kursniveau von 159,80 Euro signalisiert diese Vorgabe mehr als eine Verdopplung des Börsenwerts.

Die Analysten trauen dem Raumfahrtkonzern offensichtlich eine dynamische Neubewertung zu, gestützt auf gut gefüllte Auftragsbücher und die wachsende Bedeutung institutioneller Raumfahrtprogramme.

Operative Meilensteine im Schatten des Raketenstarts

Der Markt teilt diese Euphorie bisher nur bedingt. Zwar verzeichnet das Papier seit Jahresbeginn ein Plus von 37 Prozent, doch die kurzfristige Zurückhaltung wiegt schwer. Dabei liefert das operative Geschäft durchaus greifbare Vollzugsmeldungen.

So komplettierte OHB Italia vor rund zwei Wochen die EAGLET II-Konstellation für das italienische Erdbeobachtungsprogramm IRIDE. Nach dem erfolgreichen Start der letzten acht Satelliten umfasst die dort entwickelte Konstellation nun planmäßig 24 Satelliten im Orbit.

Parallel dazu treibt der Konzern seine Ambitionen im Trägerraketen-Segment voran. Vor gut einer Woche ernannte der Aufsichtsrat der Tochtergesellschaft Rocket Factory Augsburg Alexander Dahm zum neuen CEO. Er folgte auf Prof. Dr. Indulis Kalnins und soll vor allem den Weg zum anstehenden Erstflug der Trägerrakete RFA ONE ebnen.

Gerade dieser Schritt ist für das Unternehmen von strategischer Tragweite: Ein funktionierender europäischer Microlauncher verspricht den Zugang zu einem Markt, der bisher von internationalen Schwergewichten dominiert wird. Dennoch preist das Parkett die operativen Risiken solcher Entwicklungen weiterhin spürbar ein.

Klare Besitzverhältnisse und der Blick nach vorn

Auch auf der Eigentümerseite ist für klare Fronten gesorgt. Die Mehrheit an der OHB SE verbleibt fest in den Händen der Gründerfamilie Fuchs. Der Finanzinvestor KKR, der seit 2023 über die Orchid Lux HoldCo S.à r.l. als Minderheitsaktionär an Bord ist, nutzte die Kapitalerhöhung im Juni 2026 nicht zum Einstieg, sondern trat als Verkäufer von Bestandsaktien auf.

Laut dem Halbjahresbericht vom 6. August 2026 reduzierte sich der KKR-Anteil damit auf rund 20 Prozent, während der Emissionserlös aus der Platzierung von neuen Investoren stammte.

Mit einer Marktkapitalisierung von 3,29 Milliarden Euro bewegt sich OHB in einer Größenordnung, die solide industrielle Substanz widerspiegelt. Ob sich die optimistische Vision der Analysten durchsetzen kann, wird sich an der weiteren Umsetzung der Kernprogramme entscheiden.

Eine erste wichtige Standortbestimmung steht bereits fest: Für den 12. November 2026 ist die Veröffentlichung des Berichts für die ersten neun Monate 2026 angekündigt. Dann müssen die Zahlen belegen, ob die Umsätze und Margen mit den technologischen Fortschritten im All Schritt halten können.

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