OHB SE Aktie: RFA One verschiebt Erstflug
OHB meldet technische Probleme bei Raketentochter RFA, während der Satellitenauftrag Iris² das Kerngeschäft stärkt. Die Aktie verliert weiter an Boden.

- RFA One-Erstflug verschiebt sich
- Iris²-Auftrag für MEO-Satelliten
- Kapitalerhöhung bringt 484 Millionen
- Aktie fällt unter 50-Tage-Durchschnitt
Während die OHB SE gerade erst zum EU-Satellitenprojekt Iris² den Zuschlag für 18 MEO-Satelliten feierte, kommt aus der eigenen Raketensparte eine Dämpfung. Die Tochter Rocket Factory Augsburg, an der OHB mit 65,1 Prozent beteiligt ist, meldete eine Verzögerung beim Erstflug ihrer Trägerrakete RFA One. Grund seien technische Probleme bei Drucktests Ende Juli gewesen. Der Jungfernflug soll aber weiterhin im laufenden Jahr stattfinden.
Die Nachricht reiht sich in eine Woche ein, in der die Aktie ohnehin unter Druck steht. Am Donnerstag schloss das Papier bei 231,00 Euro, ein Minus von 3,1 Prozent gegenüber dem Vortag. Damit liegt der Kurs mittlerweile 18 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt – ein Zeichen dafür, dass die Konsolidierung nach der vorangegangenen Rally an Breite gewinnt.
Wer bekommt was bei Iris²
Klarer wurde inzwischen auch, wie sich der milliardenschwere Auftrag für das europäische Satellitennetzwerk Iris² auf die Branche verteilt. Im Vergabeprozess des SpaceRISE-Konsortiums setzte sich das belgische Start-up Aerospacelab beim günstigeren LEO-Segment gegen Airbus durch.
OHB wiederum sicherte sich den Zuschlag für die teureren MEO-Satelliten in mittlerer Erdumlaufbahn, ein Auftragsvolumen von knapp einer Milliarde Euro. Airbus geht dabei nicht leer aus: Der Konzern baut zusätzlich 66 Satelliten für die militärische Kommunikation.
Für OHB bedeutet die Aufteilung, dass das Unternehmen im wichtigsten europäischen Raumfahrtprogramm der kommenden Jahre eine tragende Rolle im höherwertigen Segment übernimmt. Genau darauf hatten Analysten zuletzt verwiesen, wenn sie die langfristige Wachstumsstory des Unternehmens im Zusammenhang mit europäischen Verteidigungs- und Raumfahrtprogrammen begründeten.
Frisches Kapital für Ausbau und Zukäufe
Rückenwind für die Umsetzung solcher Großprojekte hatte sich OHB vor rund zwei Wochen bereits gesichert. Das Unternehmen schloss eine Kapitalerhöhung mit einem Bruttoemissionserlös von 484 Millionen Euro ab. Die Mittel sollen in den Ausbau von Fertigungskapazitäten sowie in mögliche Zukäufe fließen.
Der Streubesitz der Aktie stieg dadurch auf etwa 18 Prozent – ein Faktor, der auch für die Indexaufnahme in den SDAX vor gut einer Woche eine Rolle gespielt haben dürfte, seither hat die Aktie rund 10,8 Prozent verloren.
Die Kombination aus wachsendem Auftragsbestand, frischem Kapital und der Verzögerung bei der Raketentochter zeigt, wie unterschiedlich die Baustellen bei OHB derzeit verlaufen. Auf der einen Seite steht das Kerngeschäft mit Satelliten, das durch Iris² und andere europäische Programme spürbar an Sichtbarkeit gewinnt.
Auf der anderen Seite bleibt die Raketensparte ein Bereich mit technischem Risiko, dessen Zeitplan sich verschiebt, ohne dass das übergeordnete Ziel eines Erstflugs im laufenden Jahr aufgegeben wird.
Für Anleger dürfte entscheidend sein, ob sich die Verzögerung bei RFA auf den Gesamtkonzern auswirkt oder als isoliertes Ereignis in einer ansonsten wachsenden Auftragslandschaft eingeordnet wird. Die für September angekündigte reguläre Indexüberprüfung, bei der eine Aufnahme in den TecDAX in Aussicht gestellt wurde, bleibt dabei ein weiterer Termin, der die Aktie in den kommenden Wochen bewegen könnte.
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