OHB: SpaceX-IPO stoppt Aktienplatzierung
OHB verschiebt milliardenschwere Aktienplatzierung aufgrund des SpaceX-Börsengangs. Operativ starke Quartalszahlen und RFA-Start rücken in den Fokus.

- Aktienverkauf vorerst gestoppt
- SpaceX-IPO blockiert Kapitalmarkt
- Auftragsbestand wächst um 45 Prozent
- RFA ONE Testflug im Juli geplant
OHB steht vor einer heiklen Woche. Die geplante milliardenschwere Aktienplatzierung pausiert, weil der erwartete SpaceX-Börsengang das Emissionsfenster überlagert. Parallel rückt mit dem ersten RFA-ONE-Startversuch ein operativer Meilenstein näher. Kapitalmarkt und Raumfahrtprojekt laufen damit auf einen engen Terminkalender zu.
SpaceX drückt auf das Timing
OHB wollte den Aktienverkauf ursprünglich am 12. Juni starten. Genau in diesem Zeitfenster peilt SpaceX seinen Börsengang mit einer angestrebten Bewertung von 1,75 Billionen US-Dollar an. Für kleinere Emissionen ist das ein Problem: Ein solcher IPO bindet Aufmerksamkeit, Kapital und Bankenkapazitäten.
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Auch der deutsch-französische Panzerbauer KNDS plante laut informierten Kreisen ein Angebot zum selben Termin. OHB hat seine Vorbereitungen daher vorerst gestoppt. Der Bremer Konzern will offenbar vermeiden, in einem überfüllten Markt mit Bewertungsabschlägen platzieren zu müssen.
Die Vorarbeit war bereits weit fortgeschritten. Am 18. Mai hatte OHB zusätzliche Banken mandatiert, um den Aktienverkauf vorzubereiten. Berenberg und Commerzbank stießen zu Jefferies, UniCredit, Deutsche Bank, Goldman Sachs und JPMorgan.
Im Zentrum steht der Finanzinvestor KKR. Er hält rund 29 Prozent an OHB und will etwa 20 Prozentpunkte davon platzieren. Damit würde seine Beteiligung auf eine einstellige Position sinken.
Die Gründerfamilie Fuchs behält 65 Prozent der Stimmrechte. Gelingt die Transaktion bis zum 30. Juni 2026, würde der Streubesitz von derzeit sechs Prozent auf rund 26 Prozent steigen. Das wäre für die Aktie wichtig, denn die geringe Handelbarkeit verstärkt bislang die Kursschwankungen.
Operativ liefert OHB starke Daten
Die verschobene Platzierung trifft nicht auf ein schwaches Kerngeschäft. Ende des ersten Quartals lag der Auftragsbestand bei 3,354 Milliarden Euro, ein Plus von 45 Prozent zum Vorjahr. Das Segment Space Systems steuerte allein 2,683 Milliarden Euro bei.
Auch die laufende Geschäftsentwicklung zeigt Tempo. Die Gesamtleistung stieg um 15 Prozent auf 279,3 Millionen Euro. Das bereinigte EBITDA legte um 37 Prozent auf 27,3 Millionen Euro zu.
Beim operativen Ergebnis fiel der Anstieg noch kräftiger aus. Das bereinigte EBIT erhöhte sich um 63 Prozent auf 16,8 Millionen Euro. Unter dem Strich verdiente OHB 9,9 Millionen Euro, nach 3,7 Millionen Euro im Vorjahr.
Der mittelfristige Plan bleibt ambitioniert. OHB stellt für 2026 eine Gesamtleistung von 1,4 Milliarden Euro in Aussicht, für 2027 sollen es 1,7 Milliarden Euro werden. Für 2028 peilt der Konzern mehr als 2,0 Milliarden Euro an.
Auch bei den Margen soll es nach oben gehen. Die EBITDA-Marge soll von elf Prozent im laufenden Jahr auf mehr als zwölf Prozent am Ende des Planungszeitraums steigen. Die EBIT-Marge wird dann mit mehr als neun Prozent avisiert.
RFA ONE wird zum Praxistest
Während die Finanzierung neu sortiert wird, nähert sich Rocket Factory Augsburg dem ersten großen Test. Die OHB-Tochter hat für den 1. Juli ein Startfenster für den ersten Testflug der Trägerrakete RFA ONE beantragt. Damit rückt der Einstieg in den kommerziellen Raketenstart-Markt konkreter näher.
Die erste und zweite Stufe der RFA ONE wurden bereits an den SaxaVord Spaceport in Schottland geliefert. Der orbitale Testflug ist für den Sommer 2026 geplant. Nach einem Vorfall beim Heißbrandtest arbeitete das Unternehmen 18 Monate an technischen Überarbeitungen.
Verbessert wurden unter anderem das Helix-Triebwerk, die Tankdrucksysteme und Abläufe am Boden. OHB dämpft allerdings zu hohe Erwartungen: Erste Flüge neuer Trägersysteme sind historisch in weniger als 30 Prozent der Fälle erfolgreich. Das macht den Test wichtig, aber auch riskant.
In der Konzernplanung spielt RFA kurzfristig keine direkte Umsatzrolle. OHB skizziert einen ersten Startversuch im Jahr 2026, eine Serienproduktion ab 2028 und mittelfristig bis zu 25 Starts pro Jahr. Gelingt der technische Nachweis, könnte daraus später ein eigener Wachstumspfad werden.
Hauptversammlung wird zum Fixpunkt
Der nächste Termin ist die virtuelle Hauptversammlung am 8. Juni 2026. Dort dürfte der Vorstand erklären, wie OHB den Kapitalbedarf nach der verschobenen Platzierung decken will. Auf der Tagesordnung steht auch eine Dividende von 0,60 Euro je Aktie.
Ein weiterer zentraler Punkt ist das geplante Aktienoptionsprogramm. Maximal 576.447 Bezugsrechte auf ebenso viele Aktien sollen an Vorstände, Führungskräfte und Mitarbeiter ausgegeben werden können. Die Ermächtigung soll bis Juni 2031 laufen.
Dazu soll ein bedingtes Kapital in gleicher Höhe geschaffen werden. Die Obergrenze liegt bei 3,0 Prozent des Grundkapitals. Für bestehende Aktionäre ist das relevant, weil es die künftige Verwässerung klar begrenzt, aber nicht ausschließt.
Die nächsten Marken sind eng getaktet: Am 8. Juni folgt die Hauptversammlung, ab dem 1. Juli das beantragte RFA-ONE-Startfenster und am 6. August die Zahlen zum zweiten Quartal. Bis dahin hängt die Aktie an zwei Faktoren: dem SpaceX-Zeitplan und dem ersten echten Raketen-Test von RFA.
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