OHB: Steuerprivileg bei 0,60-Euro-Dividende gestrichen

OHB streicht den Steuervorteil für Aktionäre. Trotz Rekordaufträgen und operativem Wachstum sinkt die Dividendenrendite auf ein Minimum.

Die Kernpunkte:
  • Steuerprivileg für Aktionäre endet
  • Dividendenrendite fällt unter 0,2 Prozent
  • Auftragsbestand erreicht Rekordhoch
  • Operatives Ergebnis verdoppelt sich

Starke Kursgewinne, aber ein Dämpfer für Einkommensinvestoren – bei OHB klaffen operative Euphorie und Ausschüttungsqualität derzeit auseinander. Der Bremer Raumfahrtkonzern streicht Aktionären einen liebgewonnenen Steuervorteil. Wenn sich die Anteilseigner in wenigen Wochen zur Hauptversammlung treffen, steht eine fundamentale Änderung der Dividendenpolitik auf der Agenda.

Ende der steuerfreien Ausschüttung

Auf dem virtuellen Treffen am 8. Juni 2026 schlägt das Management eine Dividende von 0,60 Euro je Aktie vor. Bislang kassierten viele Privatanleger diesen Betrag brutto wie netto. Die vergangenen Zahlungen flossen vollständig aus dem steuerlichen Einlagekonto. Dadurch entfiel für inländische Aktionäre die Abgeltungsteuer beim Zufluss.

Dieses vorteilhafte Verfahren endet nun. Dem aktuellen Einzelabschluss der OHB SE zufolge fand im abgelaufenen Geschäftsjahr keine entsprechende Entnahme aus der Kapitalrücklage statt. Die für Mitte Juni terminierte Auszahlung wird somit als reguläre, steuerpflichtige Standarddividende abgewickelt.

Rendite schrumpft, Großaktionäre dominieren

Finanziell fällt der Wegfall des Steuerprivilegs kaum ins Gewicht. Durch die rasante Kursrallye der vergangenen zwölf Monate vom Tief bei knapp 63 Euro hat sich die Dividendenrendite ohnehin marginalisiert. Sie pendelt auf dem aktuellen Kursniveau lediglich zwischen 0,10 und 0,15 Prozent.

Ohnehin richtet sich der Blick des Marktes kaum auf die Ausschüttung. Der Streubesitz der Aktie ist minimal. Die Gründerfamilie Fuchs kontrolliert die absolute Mehrheit der Stimmrechte. Der US-Finanzinvestor KKR hält als strategischer Partner fast ein Drittel der Anteile.

Volle Auftragsbücher

Operativ liefert der Weltraum-Spezialist derweil starke Argumente für die hohe Bewertung. Zum Jahresauftakt kletterte die Gesamtleistung um 15 Prozent auf gut 279 Millionen Euro. Das operative Ergebnis verdoppelte sich auf 15,2 Millionen Euro.

Das Management profitiert massiv von den steigenden europäischen Budgets für Verteidigung und Raumfahrt. Diese Entwicklung spiegelt sich direkt in den Büchern wider und sorgt für hohe Planungssicherheit.

Der Auftragsbestand erreichte im Frühjahr einen Rekordwert von 3,35 Milliarden Euro. Das Kernsegment „Space Systems“ bildet dabei das fundamentale Rückgrat. Auf dieser Basis peilt der Vorstand für 2028 eine Gesamtleistung von zwei Milliarden Euro an.

Der Fokus der anstehenden Hauptversammlung am 8. Juni verlagert sich damit deutlich. Das Management wird Investoren detailliert darlegen müssen, wie das starke organische Wachstum und die Abarbeitung der Rekordaufträge in den kommenden Quartalen finanziert werden.

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