Ohne Schwefel kein Kupfer — wie Hormus die Lieferketten sprengt

Die Schließung der Hormusstraße und chinesische Exportbeschränkungen treiben den Kupferpreis auf Rekordniveau. Auch die US-Inflation steigt weiter.

Die Kernpunkte:
  • Kupfer nahe Allzeithoch bei 6,51 Dollar
  • Schwefelsäure-Mangel durch Hormus-Krise
  • US-Inflation steigt auf 3,8 Prozent
  • Globale Rohstoffketten unter Druck

Liebe Leserinnen und Leser,

gestern kündigte ich die US-Inflationszahlen als ersten der drei richtungsweisenden Datenpunkte dieser Woche an. Die Antwort kam am Dienstag — und sie fiel unangenehm aus: 3,8 Prozent Jahresinflation, der höchste Wert seit Mai 2023. Doch die eigentliche Geschichte dieses Tages steht nicht im CPI-Bericht. Sie steht in einer Zahl, die kaum ein Privatanleger auf dem Schirm hat: 6,51 US-Dollar je Pfund Kupfer an der COMEX, nahe dem Allzeithoch. Der Grund dafür führt über einen Umweg, der zeigt, wie fragil globale Rohstoffketten geworden sind.

Schwefelsäure — der unsichtbare Engpass

Kupfer ist das Metall der Energiewende, der Elektrifizierung, der Rechenzentren. Doch rund ein Fünftel der weltweiten Kupferproduktion hängt von säurebasierten Laugungsprozessen ab, die mehr als eine Tonne Schwefelsäure pro Tonne Kupfer benötigen. Schwefelsäure wiederum ist ein Nebenprodukt der Ölraffination — und genau hier setzt die Hormus-Krise an. Die Schließung der Meerenge stört nicht nur Öltransporte, sondern auch die Schwefellieferungen, auf die Kupferminen in Südamerika und anderswo angewiesen sind. Seit dem 1. Mai verschärfen chinesische Exportbeschränkungen für Schwefel die Lage zusätzlich. Am 11. Mai kletterten die COMEX-Kupferfutures auf 6,51 US-Dollar je Pfund — nur zehn Cent unter dem Rekord von 6,61 US-Dollar. Wer bisher glaubte, die Hormus-Krise betreffe nur den Ölpreis, unterschätzt die Kettenreaktion in Metall- und Düngemittelmärkten.

3,8 Prozent Inflation — und 40 Prozent davon sind Energie

Der US-Inflationsbericht vom Dienstag bestätigt, was die Rohstoffmärkte seit Wochen signalisieren. Die Verbraucherpreise stiegen im April um 0,6 Prozent zum Vormonat. Auf Jahressicht erreichte die Inflation 3,8 Prozent. Energiepreise legten um 3,8 Prozent zu und machten rund 40 Prozent des gesamten CPI-Anstiegs aus. Benzin verteuerte sich im Monatsvergleich um 5,4 Prozent, Heizöl um 5,8 Prozent. Selbst Rindfleisch zog um 2,7 Prozent an. Die Kerninflation ohne Nahrung und Energie lag bei plus 0,4 Prozent monatlich und plus 2,8 Prozent jährlich — weit genug über dem Fed-Ziel, um Zinssenkungen vorerst auszuschließen. Die Fed hält den Leitzins bei 3,50 bis 3,75 Prozent und signalisiert Vorsicht. Brent notierte am Dienstag bei 108,31 US-Dollar je Barrel, WTI über 101 US-Dollar.

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Europas Börsen unter Druck, London hält sich

Europas Aktienmärkte gingen am Dienstag breit schwächer aus dem Handel. Der DAX verlor 1,5 Prozent, der STOXX 50 gab 0,85 Prozent auf 5.031,84 Punkte ab, der italienische MIB fiel 1,4 Prozent auf 48.990,98 Punkte, der CAC 40 büßte 1,0 Prozent ein. Nur der FTSE 100 hielt sich mit minus 0,2 Prozent vergleichsweise stabil — eine Folge der stärkeren Gewichtung von Rohstoff- und Tabakwerten. BAT gewann 5,82 Prozent, London Stock Exchange 3,64 Prozent, GSK 2,55 Prozent. Auf der Verliererseite stach Münchener Rück mit minus 6,09 Prozent heraus, gefolgt von Siemens Energy mit minus 5,05 Prozent und Rolls-Royce mit minus 2,98 Prozent.

Der ZEW-Indikator für die Eurozone verbesserte sich im Mai auf minus 9,1 Punkte nach minus 20,4 im April — besser als erwartet, aber nicht stark genug, um die geopolitische Risikoprämie zu kompensieren. Am Anleihemarkt stiegen die Renditen weiter: 30-jährige britische Gilts erreichten mit 5,794 Prozent den höchsten Stand seit 1998. Zehnjährige US-Treasuries notierten bei 4,40 bis 4,43 Prozent. Gold stand bei 4.652,45 US-Dollar je Unze, der Euro bei 1,1745 US-Dollar.

An der Wall Street verlor der S&P 500 zwischen 0,6 und 0,88 Prozent, der Nasdaq Composite zwischen 0,9 und 1,52 Prozent, der Dow Jones rund 276 bis 288 Punkte. Besonders hart traf es Halbleiterwerte: Qualcomm fiel um 10 Prozent, CoreWeave um 8 Prozent, Micron um 4 bis 5 Prozent, Intel um 4,7 Prozent, AMD um 3 Prozent. Nvidia hatte zuvor ein Allzeithoch markiert, gab dann aber mit dem Gesamtmarkt nach.

Der Wettlauf um kritische Minerale beschleunigt sich

Während die Hormus-Krise die bestehenden Lieferketten belastet, arbeiten Regierungen weltweit daran, neue Quellen zu erschließen. In Brasilien genehmigte das Plenum der Abgeordnetenkammer PL 2780/24 zur Nationalen Politik für kritische Minerale — ein Gesetz, das staatliche Anreize und vorrangige Lizenzierung vorsieht. Das Land verfügt über die zweitgrößten Reserven weltweit; der Text geht nun an den Senat.

In Afrika nimmt das Kangankunde-Seltene-Erden-Projekt in Malawi Gestalt an: Lindian Resources plant den Produktionsstart im vierten Quartal 2026, zunächst mit 10.000 Tonnen Konzentrat pro Jahr, später 20.000 Tonnen. Benchmark Mineral Intelligence erwartet, dass Afrika bis 2029 fast 9 Prozent der weltweiten Seltene-Erden-Lieferungen stellen könnte. Fitch Solutions sieht bis 2034 einen Anteil von 7 Prozent an der globalen Produktion und 16 Prozent an der nicht-chinesischen Versorgung. UN-Generalsekretär António Guterres formulierte am Dienstag klar: Afrikas Ressourcen seien zu lange extrahiert worden, während die Wertschöpfung anderswo anfiel.

Auf Grönland startet Critical Metals Corp im Mai die erste Seltene-Erden-Pilotanlage für das Tanbreez-Projekt mit 45 Millionen Tonnen Ressourcen; der erste Konzentrat-Export ist für 2029 geplant. In Alaska lieferte Nova Minerals am 11. Mai über 1,5 Millionen Pfund Ausrüstung nach Estelle, unterstützt durch 43,4 Millionen US-Dollar aus dem Defense Production Act Title III für Antimonabbau. Auch in Südaustralien bestätigte Cobra Resources einen Kupfer- und Goldfund bei Blue Rose und treibt Seltene-Erden-Bohrungen beim Boland-Projekt voran, das Dysprosium und Terbium enthält.

Krypto — kein Hafen, aber ein Geschäftsmodell

Bitcoin notierte am Dienstag bei 80.670,67 US-Dollar, ein Minus von 0,44 Prozent. Die gesamte Krypto-Marktkapitalisierung fiel um 0,64 Prozent auf 2,7 Billionen US-Dollar, das Handelsvolumen sank um 16 Prozent auf 66 Milliarden US-Dollar. Vom Allzeithoch bei 126.198,07 US-Dollar vom 7. Oktober 2025 trennen Bitcoin 36 Prozent; seit Jahresbeginn steht ein Minus von 7,8 Prozent.

Aufschlussreich sind die Quartalszahlen von MARA Holdings: Das Unternehmen verkaufte im ersten Quartal 20.880 Bitcoin für 1,5 Milliarden US-Dollar, reduzierte damit Schulden um 1 Milliarde US-Dollar und hielt per 31. März noch 35.303 Bitcoin im Wert von 2,9 Milliarden US-Dollar. Der Umsatz lag bei rund 175 Millionen US-Dollar — unter dem FactSet-Konsens von 181,9 Millionen US-Dollar. Der Nettoverlust betrug 1,26 bis 1,3 Milliarden US-Dollar. Gleichzeitig plant MARA die Übernahme von Long Ridge Energy & Power für 1,5 Milliarden US-Dollar — ein 505-MW-Gaskraftwerk in Ohio, das den Einstieg in KI-Rechenzentren ermöglichen soll. Ein Bitcoin-Miner, der zum Energieversorger für Künstliche Intelligenz wird: Das sagt mehr über die Branche als jeder Kurschart.

Was jetzt zählt

Drei Fragen bestimmen die kommenden Tage. Erstens: Wie lange drückt die Hormus-Krise auf Öl, Schwefel und damit auf Kupfer? Die Lieferketten-Effekte sind komplex und werden vom Markt erst langsam eingepreist. Zweitens: Verstärken die US-Erzeugerpreise am Mittwoch den Inflationsdruck — und damit die Erwartung, dass die Fed länger stillhält? Drittens: Beginnen Anleger, Rohstoffketten-Risiken bei Schwefel, Seltenen Erden und Antimon systematisch in ihre Portfolios einzubeziehen?

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Gestern stellte ich die Frage, wie lange Staaten gleichzeitig Billionen ausgeben und von ihren Notenbanken stabile Preise erwarten können. Der Dienstag hat eine Teilantwort geliefert: Wenn geopolitische Konflikte die physische Wirtschaft treffen — Meerengen, Raffinerien, Minenchemie —, dann reicht keine Fiskalpolitik der Welt, um den Preisdruck zu kompensieren. Die Inflation kommt diesmal nicht aus der Nachfrage. Sie kommt aus der Geografie.

Herzlichst, Ihr

Felix Baarz

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