OMV Aktie: Goldman bremst
Goldman Sachs stuft OMV auf Sell herab und erwartet deutliche Gewinnrevisionen. Gleichzeitig investiert der Konzern in Chemie, Recycling und grünen Wasserstoff.

- Downgrade von Neutral auf Sell durch Goldman Sachs
- Neues Kursziel von 44 Euro impliziert Abwärtspotenzial
- Investitionen in Chemiesparte Borealis und Wasserstoff
- Aktienkurs kämpft mit Widerstand bei 50 Euro
Goldman Sachs drückt bei OMV auf die Bremse – und das in einem Moment, in dem der Kurs ohnehin an einer wichtigen Hürde feststeckt. Die Kombination aus skeptischer Analystenstimme und nachlassendem Aufwärtsmomentum sorgt für einen deutlichen Stimmungsdämpfer. Spannend ist dabei der Kontrast: Während die Bewertung für das klassische Öl- und Gasgeschäft unter Druck gerät, investiert der Konzern konsequent in Chemie, Recycling und Wasserstoff.
Goldman-Downgrade als Belastungsfaktor
Goldman Sachs hat die Einstufung für OMV von „Neutral“ auf „Sell“ gesenkt und das Kursziel von 48 auf 44 Euro zurückgenommen. Aus Sicht der Investmentbank ist der aktuelle Marktpreis damit klar zu ambitioniert.
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Im Fokus der negativen Einschätzung stehen vor allem die Gewinnperspektiven der kommenden Jahre. Analyst Michele Della Vigna sieht eine begrenzte Sichtbarkeit bei der Realisierung des sogenannten Sum-of-the-Parts-Werts und rechnet mit deutlichen Rücknahmen der Ergebnisprognosen für 2026 und 2027. Das aktuelle makroökonomische Umfeld erschwere es, den inneren Wert des breit aufgestellten Energie- und Chemiekonzerns vollständig am Markt abzubilden.
Wesentliche Punkte der Abstufung im Überblick:
- Rating: von „Neutral“ auf „Sell“ gesenkt
- Neues Kursziel: 44 Euro (zuvor 48 Euro)
- Impliziertes Abwärtspotenzial: rund 10 % vom aktuellen Niveau
- Erwartete Gewinnrevisionen: zweistellig negativ für 2026 und 2027
Damit stellt sich Goldman klar gegen die Kursentwicklung der vergangenen zwölf Monate, in denen die Aktie spürbar Boden gutgemacht hat.
Charttechnik: 50 Euro bleiben hartnäckig
Aus technischer Sicht hat sich das Bild zuletzt eingetrübt. Gestern schloss der Titel bei 49,28 Euro und damit knapp unter der hartnäckigen 50-Euro-Zone, die sich in den vergangenen Wochen als Widerstand etabliert hat. Trotz eines Anstiegs von rund 25 % auf Sicht von zwölf Monaten wirkt der Aufwärtstrend inzwischen ausgereizter.
Positiv ist, dass der Kurs weiterhin über allen wichtigen gleitenden Durchschnitten liegt:
- 50-Tage-Durchschnitt: 48,35 Euro (Aktie ca. 1,9 % darüber)
- 100-Tage-Durchschnitt: 47,49 Euro
- 200-Tage-Durchschnitt: 46,92 Euro (Abstand rund 5 %)
Gleichzeitig signalisiert der 14-Tage-RSI mit 47,9 eine neutrale Verfassung – weder überkauft noch überverkauft. Das 52-Wochen-Hoch bei 55 Euro ist gut 10 % entfernt, das Tief bei 38,10 Euro liegt deutlich darunter. Insgesamt deutet das Bild auf eine Konsolidierungsphase hin, in der neue Impulse nötig wären, um den Widerstand nachhaltig zu überwinden.
Borealis und Wasserstoff: Strategische Weichenstellungen
Parallel zum Druck von Analystenseite setzt OMV auf den Ausbau zukunftsträchtiger Geschäftsfelder. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Mehrheitsbeteiligung Borealis, spezialisiert auf Kunststoffe und Chemie.
Borealis hat vergangene Woche eine Investition von 49 Millionen Euro am Standort Burghausen in Bayern angekündigt. Das Kapital fließt in die Skalierung der Borstar Nextension Polypropylen-Technologie. Ziel ist es, eine neue Generation recycelbarer Kunststoffe bereitzustellen, die Kunden beim Erfüllen der strengen EU-Vorgaben im Verpackungsbereich unterstützen soll. Burghausen profitiert dabei von der direkten Pipeline-Anbindung an die OMV-Raffinerie im bayerischen Chemiedreieck – ein logistischer Vorteil, der die Integration von Raffinerie- und Chemiegeschäft stärkt.
Die Investition fällt in eine Phase größeren Umbruchs: Borealis soll mit Borouge und Nova Chemicals fusionieren. Der Zusammenschluss ist für das erste Quartal 2026 geplant und würde einen global bedeutenden Polyolefin-Anbieter formen, an dem OMV und die Abu Dhabi National Oil Company (ADNOC) maßgeblich beteiligt sind. Damit rückt die Chemiesparte noch stärker in den Mittelpunkt der langfristigen Konzernstrategie.
Auch im Bereich Wasserstoff setzt OMV Akzente. Anfang Januar erhielt der Konzern eine staatliche Förderung von 123 Millionen Euro für das bislang größte grüne Wasserstoffprojekt Österreichs. Geplant ist eine 140-MW-Anlage in Kooperation mit Masdar. Das Projekt unterstreicht den Anspruch, das klassische Öl- und Gasgeschäft schrittweise um klimafreundlichere Aktivitäten zu ergänzen.
Fazit: Kurzfristiger Druck, strategischer Umbau
Kurzfristig prallen bei OMV zwei Welten aufeinander: Das Downgrade von Goldman Sachs und das Scheitern an der 50-Euro-Marke verstärken den Verkaufsdruck, während der Kurs gleichzeitig noch klar über den langfristigen Durchschnitten notiert. Mittel- bis langfristig bleibt der Konzern mit Investitionen in Borealis, der geplanten Polyolefin-Fusion und dem geförderten Wasserstoffprojekt jedoch auf Transformationskurs.
Entscheidend für die weitere Kursentwicklung wird, ob OMV in den kommenden Quartalen operativ liefern und damit die von Goldman erwarteten Gewinnrevisionen abmildern kann – erst dann dürfte sich zeigen, ob die derzeitige Skepsis überzogen ist oder sich als gerechtfertigt erweist.
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