OMV: Emma Delaney folgt auf Alfred Stern

OMV steigert operatives Ergebnis um 65 Prozent auf 1,71 Mrd. Euro. Analysten bleiben trotz starker Bilanz skeptisch, während der Vorstandschef-Wechsel bevorsteht.

Die Kernpunkte:
  • Operatives Ergebnis steigt um 65 Prozent
  • Chemicals-Sparte verdoppelt ihren Gewinn
  • Vorstandswechsel zu Emma Delaney im August
  • Analysten bleiben trotz starker Zahlen vorsichtig

OMV hat im zweiten Quartal das bereinigte operative Ergebnis um 65 Prozent auf 1,71 Milliarden Euro gesteigert – der stärkste Zuwachs seit Jahren. Der österreichische Energiekonzern meldete die Zahlen am 31. Juli, kurz bevor Vorstandschef Alfred Stern das Unternehmen an seine Nachfolgerin übergibt. Anleger reagierten trotz der starken Bilanz zurückhaltend, denn parallel dazu bleiben mehrere Analysehäuser skeptisch gegenüber der weiteren Kursentwicklung.

Alle drei Sparten legen deutlich zu

Der Energy-Bereich, also das Öl- und Gasgeschäft, trug 885 Millionen Euro zum Ergebnis bei und legte damit um 50 Prozent zu. Gestiegene Preise glichen dabei geringere Verkaufsmengen aus, die auf den Nahost-Konflikt zurückgehen – ein Effekt, der die operative Stärke des Segments unterstreicht, ohne dass die Fördermenge mithalten konnte.

Im Fuels-Segment kletterte der Gewinn um 85 Prozent auf 446 Millionen Euro, getragen von höherer Auslastung und höheren Raffineriemargen. Die Chemicals-Sparte verdoppelte ihr Ergebnis auf 429 Millionen Euro – maßgeblich dank der neuen Beteiligung Borouge International, die aus dem im März abgeschlossenen Zusammenschluss von Borouge und Borealis sowie der Übernahme von NOVA Chemicals hervorging. Der unbereinigte Periodenüberschuss für das erste Halbjahr lag bei 2,015 Milliarden Euro, wobei die Dekonsolidierung von Borealis die Vergleichbarkeit verzerrt.

Für das Gesamtjahr hält OMV an ihrer Investitionsplanung von 3,4 Milliarden Euro fest und kalkuliert mit einem Rohölpreis zwischen 85 und 95 US-Dollar je Barrel. Die Produktionsprognose von 280.000 bis 290.000 Barreläquivalenten pro Tag steht allerdings unter dem Vorbehalt einer offenen Durchfahrt durch die Straße von Hormuz – ein Hinweis darauf, wie stark die geopolitische Lage im Nahen Osten weiterhin auf das Geschäft durchschlägt.

Führungswechsel und verhaltene Analystenstimmen

Noch im August übergibt Stern das Ruder an Emma Delaney, eine langjährige Managerin des britischen Konzerns BP. Der Wechsel fällt in eine Phase, in der der Konzern operativ auf einem Hoch steht, aber vor der Aufgabe steht, die frisch integrierte Chemicals-Sparte weiterzuentwickeln und die volatile Öl- und Gaslage zu steuern.

Ein Signal des Vertrauens in die Aktie kam vom eigenen Vorstand: Vorstandsmitglied Martijn van Koten kaufte am 5. August 250 OMV-Aktien zu je 64,21 Euro über die Handelsplattform Tradegate. Solche Insider-Käufe werden von Marktbeobachtern häufig als Ausdruck der Überzeugung gedeutet, dass das Unternehmen operativ auf Kurs bleibt.

Die Reaktion der Analysten fiel dagegen gemischt bis skeptisch aus. Barclays hob das Kursziel am 3. August von 53 auf 57 Euro an, beließ die Einschätzung aber bei „Underweight“. RBC bestätigte tags zuvor das Rating „Underperform“ mit einem Kursziel von 60 Euro und rechnet für die kommenden Jahre mit rückläufigen Gewinnen je Aktie. Beide Kursziele liegen damit unterhalb des aktuellen Marktniveaus, was auf anhaltende Vorsicht gegenüber der Bewertung hindeutet.

Kursreaktion bleibt verhalten

Am Kapitalmarkt kam die Kombination aus starken Zahlen und Führungswechsel bislang nicht euphorisch an. Zum Wochenschluss schloss die OMV-Aktie bei 62,55 Euro, ein Rückgang von 1,65 Prozent gegenüber dem Vortag. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein deutliches Plus von 32,38 Prozent, das die operative Erholung des Konzerns über das laufende Jahr widerspiegelt. Die Marktkapitalisierung liegt derzeit bei rund 20,48 Milliarden Euro. Ob der Führungswechsel zu Delaney den skeptischen Analystenstimmen neue Argumente liefert oder die operative Stärke der jüngsten Quartale den Ton am Markt künftig dominiert, wird sich in den kommenden Wochen zeigen.

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