OMV: Emma Delaney neue Vorstandsvorsitzende

Emma Delaney wird erste Vorstandsvorsitzende der OMV. Milliardenprojekt Neptun Deep und verschobener Börsengang prägen die strategische Neuausrichtung.

Die Kernpunkte:
  • Erste Frau an der OMV-Spitze
  • Milliarden-Investition in Offshore-Gas
  • Dividendenkürzung durch Börsengang-Verschiebung
  • Leichter Kursrückgang trotz Jahresplus

Die OMV baut ihre Führungsspitze tiefgreifend um. Während die Aktie am Donnerstag bei 63,10 Euro leicht ins Minus rutscht, blicken Aktionäre auf ein starkes Jahr zurück. Auf Zwölf-Monats-Sicht steht ein sattes Plus von rund 46 Prozent auf der Kurstafel. Das Papier notiert damit in greifbarer Nähe zum jüngsten 52-Wochen-Hoch. Im Hintergrund justiert der Wiener Energiekonzern derweil seine strategischen Leitplanken neu.

Erste Frau an der Konzernspitze

Der Aufsichtsrat hat Emma Delaney zur neuen Vorstandsvorsitzenden ernannt. Sie übernimmt den Posten am 1. September 2026 von Alfred Stern. Damit zieht voraussichtlich erstmals eine Frau an die Spitze eines ATX-Unternehmens.

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Delaney bringt drei Jahrzehnte Branchenerfahrung mit. Zuvor verantwortete sie bei BP weite Teile der Transformation und Portfolioentwicklung. Parallel dazu stärkt das Kontrollgremium die Rolle von Finanzvorstand Reinhard Florey. Sein Vertrag läuft nun bis Mitte 2029, obendrein rückt er sofort zum stellvertretenden CEO auf.

Milliardenwette im Schwarzen Meer

Unter der neuen Führung dürfte die Gasförderung wieder stärker in den Mittelpunkt rücken. Ein klares Signal dafür liefert das Neptun-Deep-Projekt. Gemeinsam mit ROMGAZ investiert die OMV rund vier Milliarden Euro in die Offshore-Anlage.

Die Bauphase läuft auf Hochtouren. Aktuell verlegen Spezialschiffe die Pipeline und installieren die Unterwasserausrüstung. Ab 2027 soll das Feld jährlich acht Milliarden Kubikmeter Gas zur rumänischen Produktion beisteuern.

Das operative Tagesgeschäft bleibt indes anspruchsvoll. Im ersten Quartal sank das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis um zwölf Prozent auf knapp über eine Milliarde Euro. Störungen der Rohölflüsse und Absicherungsverluste belasteten die Bilanz. Die Kohlenwasserstoffproduktion fiel im Jahresvergleich auf 288.000 Fass Öläquivalent pro Tag.

Verzögerung im Chemiegeschäft

Ein weiterer Umbau bremst vorerst den Geldfluss. Das neu geschaffene Joint Venture Borouge International bündelt die Chemie-Aktivitäten von OMV und XRG zu einem globalen Polyolefin-Riesen. Allerdings verschiebt sich der geplante Börsengang des Gemeinschaftsunternehmens auf das Jahr 2027.

Das hat direkte finanzielle Konsequenzen. Die Dividendenausschüttung der Tochter an die OMV halbiert sich im laufenden Jahr auf 250 Millionen US-Dollar. Analysten kalkulieren bereits mit einem Dämpfer für die Aktionäre: Die OMV-Dividende je Aktie könnte dadurch um bis zu 70 Cent schrumpfen.

Für das Gesamtjahr 2026 hat das Management klare operative Grenzen gezogen. Der Vorstand plant mit einem durchschnittlichen Brent-Rohölpreis von 65 US-Dollar pro Barrel. Die eigene Öl- und Gasproduktion soll die Marke von 300.000 Fass pro Tag knapp verfehlen. Diese Prognose steht jedoch unter einem strikten Vorbehalt: Die Förderung in Libyen muss ohne weitere politische Einschränkungen laufen.

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