Oracle: 47% Cloud-Wachstum, Aktie fällt 8-10%

Trotz Rekordumsätzen und starkem Cloud-Wachstum fällt die Oracle-Aktie aufgrund massiver Investitionspläne und Kapitalerhöhung.

Die Kernpunkte:
  • Umsatz steigt um 21 Prozent
  • Cloud-Infrastruktur wächst um 93 Prozent
  • Investitionsausgaben von 55,7 Milliarden Dollar
  • Aktienkurs fällt trotz Rekordergebnissen

Oracle hat gerade das beste Quartal seiner Geschichte gemeldet. Der Markt hat die Aktie trotzdem abgestraft. Dieses Paradox ist das Aufschlussreichste, was die Technologiebranche gerade zu bieten hat — und es trifft den Kern dessen, was der KI-Infrastrukturausbau Aktionäre wirklich kostet.

Rekordergebnisse, harte Reaktion

Die Zahlen für das vierte Quartal des Geschäftsjahres 2026 waren schlicht außergewöhnlich. Der Gesamtumsatz kletterte um 21 Prozent auf 19,2 Milliarden Dollar. Die Cloud-Erlöse sprangen um 47 Prozent auf 9,9 Milliarden Dollar. Die Cloud-Infrastruktur allein wuchs um 93 Prozent.

Noch beeindruckender: Die vertraglich gesicherten Zukunftsumsätze — die sogenannten Remaining Performance Obligations — erreichten 638 Milliarden Dollar. Das entspricht einem Anstieg von 363 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

In normalen Zeiten schickt ein solches Ergebnis eine Aktie steil nach oben. Stattdessen fiel Oracle am 11. Juni zwischen acht und zehn Prozent. Der Grund: Investoren reagierten auf aggressive Investitionspläne und eine milliardenschwere Kapitalerhöhung, die Verwässerungssorgen auslöste. Seither notiert die Aktie bei rund 161 Euro — rund 43 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 280,70 Euro.

Die Fußnoten, die den Markt erschreckten

Oracle verbrannte im Geschäftsjahr 2026 netto 23,7 Milliarden Dollar an freiem Cashflow. Die Investitionsausgaben sprangen um 162 Prozent auf 55,7 Milliarden Dollar — und übertrafen damit sogar die eigene Prognose von 50 Milliarden Dollar. Allein im vierten Quartal flossen 15,9 Milliarden Dollar in Rechenzentren und Infrastruktur.

Neue CFO Hilary Maxson kündigte an, dass die Netto-Investitionsausgaben im Geschäftsjahr 2027 rund 70 Milliarden Dollar erreichen werden. Hinzu kommt eine geplante Kapitalaufnahme von 40 Milliarden Dollar durch Schulden und Eigenkapital, darunter eine bereits angekündigte Aktienplatzierung über 20 Milliarden Dollar.

Die Botschaft kam beim Markt an: Oracle gibt mehr aus, als es einnimmt — und plant, das fortzusetzen. Bei einem Umsatzziel von 90 Milliarden Dollar für 2027 würden die Investitionsausgaben die Einnahmen des gesamten Jahres übersteigen. Das ist selbst für Big Tech ungewöhnlich.

Das Gegenargument steckt im Auftragsbestand

Wer Oracle nur durch die Cashflow-Brille betrachtet, verpasst die strukturelle Gegenseite. Fast das gesamte Wachstum der vertraglich gesicherten Zukunftsumsätze in den letzten beiden Quartalen kam aus großvolumigen KI-Verträgen. Kunden zahlen dabei entweder direkt für GPU-Kapazitäten vor — oder liefern eigene GPUs an Oracle zur Nutzung. Die kumulierten Investitionen aus diesen beiden Modellen belaufen sich auf 75 Milliarden Dollar. Das reduziert Oracles externen Finanzierungsbedarf erheblich.

Reicht das aus, um die Cashflow-Sorgen zu zerstreuen? Oracles Multicloud-KI-Datenbank wuchs im vierten Quartal um 404 Prozent. Unternehmenskunden weigern sich zunehmend, sich an einen einzigen Cloud-Anbieter zu binden — und genau dort liegt Oracles struktureller Vorteil: Die Datenbank- und Verbindungsdienste laufen parallel auf AWS, Azure und Google Cloud. Diese Nachfrage ist real und wächst schnell.

Eine Frage der Zeitspanne

Oracles Bewertungsrahmen hat sich grundlegend verändert. Ein Unternehmen mit 638 Milliarden Dollar an gesichertem Auftragsbestand lässt sich nicht mehr mit dem KGV messen, das Analysten vor zehn Jahren auf einen Datenbanksoftwareriesen angewendet hätten.

Kein Wunder, dass der Markt trotzdem zögert. Der freie Cashflow bleibt bis voraussichtlich 2029 negativ. Die Schulden steigen. Die Verwässerung ist real. Laut Bloomberg-Daten könnten sich die Investitionen erst um 2030 vollständig auszahlen.

Bank of America hält trotz des Kursrückgangs an der Kaufempfehlung fest und sieht das Kursziel bei 240 Dollar. Das Konsensus-Kursziel liegt bei rund 220 Euro — ein impliziertes Aufwärtspotenzial von fast 37 Prozent gegenüber dem aktuellen Kurs. Der RSI von 44 und ein Kurs, der knapp am 50-Tage-Durchschnitt von 161 Euro klebt, spiegeln eine echte Unentschlossenheit wider: kein Kapitulationsverkauf, aber auch keine Erholung mit Überzeugung.

Was der Oracle-Ausverkauf wirklich zeigt, ist die zentrale Spannung des aktuellen KI-Infrastrukturzyklus. Das Umsatzwachstum ist real. Der Auftragsbestand ist real. Die Kundennachfrage ist real. Aber der Cashburn ist es auch — ebenso die Verwässerung und die jahrelange Wartezeit, bis der freie Cashflow dreht. Wer durch das Investitionstal hindurchhält, wettet auf ein Unternehmen, das sich strukturell neu aufgestellt hat. Der Preis dafür ist jahrelang negativer freier Cashflow. Nicht jeder ist bereit, ihn zu zahlen. Der Aktienkurs sagt genau das.

Anzeige

Oracle-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Oracle-Analyse vom 17. Juni liefert die Antwort:

Die neusten Oracle-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Oracle-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 17. Juni erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Oracle: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

Diskussion zu Oracle