Oracle Aktie: 100-Milliarden-CapEx unter Ermittlung
Juristische Prüfung der KI-Investitionen und Gewinnmitnahmen belasten den Oracle-Kurs nach jüngster Rekordjagd.

- Ermittlungen wegen KI-Strategie eingeleitet
- Aktie fällt nach 28-Prozent-Rallye
- Analysten sehen weiterhin Kurspotenzial
- Quartalszahlen am 10. Juni erwartet
Oracle steht unter Druck. Eine rechtliche Untersuchung gegen das Management trifft den Konzern ausgerechnet in einer Phase, in der die Aktie nach einem spektakulären Lauf ins Stocken gerät.
Juristische Untersuchung wegen KI-Investitionen
Die US-Kanzlei Kuehn Law hat eine Untersuchung gegen Oracle-Führungskräfte eingeleitet. Im Kern geht es um den Vorwurf, das Management habe Anleger über die KI-Infrastrukturstrategie des Unternehmens in die Irre geführt. Konkret: Haben die massiven Investitionsausgaben für KI-Infrastruktur das Wachstum der Einnahmen überhaupt gerechtfertigt?
Die Kanzlei wendet sich an Aktionäre, die vor dem 12. Juni 2025 eingestiegen sind. Die Untersuchung zielt auf mögliche Risiken für Schuldenstand, Kreditrating und freien Cashflow. Hintergrund ist, dass Oracles Investitionsausgaben bis 2027 auf rund 100 Milliarden Dollar steigen könnten — deutlich mehr als frühere Schätzungen von etwa 71 Milliarden Dollar.
Sektorkorrektur verstärkt den Druck
Die juristische Nachricht trifft Oracle in einem ohnehin schwierigen Marktumfeld. Der Nifty-IT-Index verlor am Mittwoch knapp 6 Prozent. Oracle-Aktien gaben im Tagesverlauf zwischen 3 und 4 Prozent nach — in Euro gerechnet fiel der Kurs auf rund 205 Euro.
Das ist bemerkenswert, weil die Aktie zuvor in nur fünf Handelstagen um fast 28 Prozent gestiegen war. Die Marktkapitalisierung hatte dabei kurzzeitig die Marke von 700 Milliarden Dollar überschritten. Nun folgt die Gegenbewegung — angetrieben von Gewinnmitnahmen und makroökonomischen Unsicherheiten.
Trotz des Rücksetzers liegt die Aktie auf Sieben-Tages-Sicht noch gut 25 Prozent im Plus. Seit Jahresbeginn steht ein Zuwachs von fast 23 Prozent zu Buche.
Analysten bleiben optimistisch — Zahlen am 10. Juni
Nicht alle sehen die aktuelle Schwäche als Warnsignal. Scotiabank hat das Kursziel für Oracle von 215 auf 290 Dollar angehoben und bestätigt die Einstufung „Outperform“. Die Analysten verweisen auf Oracles Rolle als kritischer Anbieter von Cloud-Infrastruktur für KI-Anwendungen. Kurzfristige Volatilität sei eingepreist — das Chance-Risiko-Verhältnis bleibe positiv.
Mitgründer Larry Ellison hält rund 40 Prozent der Anteile. Sein Vermögen wurde zuletzt auf rund 300 Milliarden Dollar geschätzt, was ihn zeitweise zum drittreichsten Menschen der Welt machte.
Der nächste entscheidende Termin ist der 10. Juni. Dann veröffentlicht Oracle nach Börsenschluss die Zahlen für das vierte Quartal 2026. Analysten erwarten einen Gewinn je Aktie von 1,96 Dollar bei einem Umsatz von 19,1 Milliarden Dollar. Oracle selbst prognostiziert zwischen 1,96 und 2,00 Dollar je Aktie. Wie das Management die CapEx-Fragen beantwortet, dürfte die Reaktion des Marktes maßgeblich bestimmen.
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