Oracle Aktie: 14,55 Prozent Minus nach Zahlen
Oracle plant 40 Milliarden Dollar Kapitalaufnahme für KI-Infrastruktur. Die Aktie verliert deutlich, trotz starkem Cloud-Wachstum im Quartal.

- 40 Milliarden Dollar Kapitalaufnahme geplant
- Aktie verliert 14,55 Prozent in sieben Tagen
- Cloud-Umsatz steigt um 47 Prozent
- Negativer Free Cashflow von 23,7 Milliarden Dollar
Oracle hat mit seinen Quartalszahlen vom 10. Juni ein klares Signal gesendet: Der KI-Infrastrukturausbau ist längst auch eine Finanzierungsgeschichte. Für das Geschäftsjahr 2027 plant der Konzern, rund 40 Milliarden Dollar über Fremd- und Eigenkapital aufzunehmen — darunter eine bereits angekündigte Aktienplatzierung im Volumen von 20 Milliarden Dollar. Die Aktie reagierte prompt: Binnen sieben Tagen verlor sie 14,55 Prozent.
Kapitalausgaben weit über Erwartungen
Der Investitionsbedarf ist gewaltig. Oracle rechnet für das Geschäftsjahr 2027 mit Investitionsausgaben von bis zu 95 Milliarden Dollar. Analysten hatten laut LSEG im Schnitt rund 67,7 Milliarden Dollar erwartet. Die Lücke erklärt, warum der Finanzierungsplan sofort für Aufmerksamkeit sorgte.
Immerhin: Kunden tragen einen Teil der Last. Oracle erwartet Kundenzahlungen von bis zu 25 Milliarden Dollar. Außerdem stecken in den großen KI-Verträgen bereits 75 Milliarden Dollar an vorausbezahlter oder von Kunden gestellter Hardware. Das reduziert den Eigenfinanzierungsbedarf spürbar.
Die Nachfrage selbst ist kein Problem. Die verbleibenden Leistungsverpflichtungen — ein Indikator für künftige Umsätze — stiegen zum Quartalsende auf 638 Milliarden Dollar. Das sind 85 Milliarden Dollar mehr als im Vorquartal.
Starkes Quartal, negativer Free Cashflow
Die operativen Zahlen für das vierte Quartal des Geschäftsjahres 2026 waren stark. Der Gesamtumsatz kletterte um 21 Prozent auf 19,2 Milliarden Dollar. Der Cloud-Umsatz legte um 47 Prozent auf 9,9 Milliarden Dollar zu. Besonders dynamisch: Cloud-Infrastruktur wuchs um 93 Prozent auf 5,8 Milliarden Dollar.
Der Haken liegt im Cashflow. Der operative Cashflow für das Gesamtjahr stieg zwar um 54 Prozent auf 32 Milliarden Dollar. Nach Investitionen von rund 55,7 Milliarden Dollar blieb jedoch ein negativer Free Cashflow von 23,7 Milliarden Dollar. Das ist der Preis für das Wachstumstempo.
Für das Gesamtjahr 2026 meldete Oracle einen Umsatz von 67,4 Milliarden Dollar — ein Plus von 17 Prozent. Der Cloud-Umsatz erreichte 34 Milliarden Dollar, ein Anstieg von 39 Prozent.
Kurs zwischen Erholung und Unsicherheit
Technisch zeigt die Aktie ein gemischtes Bild. Mit 173,94 Euro liegt sie rund 10 Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt — aber noch knapp unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 177,01 Euro. Die Erholung der vergangenen Wochen hat den längerfristigen Trend noch nicht vollständig repariert.
Der RSI von 49,7 signalisiert weder Überkauf noch überverkaufte Lage. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 72,77 Prozent zeigt aber, dass der Markt die Aktie weiterhin als unsicheres Terrain behandelt.
Ausblick: Wachstum trifft Margendruck
Oracle bestätigte die Umsatzprognose für das Geschäftsjahr 2027 von 90 Milliarden Dollar und hob das Non-GAAP-Ergebnis je Aktie auf 8,05 Dollar an. Für das erste Quartal 2027 erwartet der Konzern ein Umsatzwachstum von 27 bis 29 Prozent und ein Cloud-Umsatzwachstum von 58 bis 64 Prozent.
Die Wachstumsziele sind ambitioniert. Allerdings warnte Finanzchefin Safra Catz, dass die Bruttomarge im Geschäftsjahr 2027 sinken werde — als direkte Folge des Hochlaufs neuer Rechenzentren. Das verschiebt die entscheidende Frage: Nicht mehr ob die KI-Nachfrage da ist, sondern ob Oracle sie profitabel und finanzierbar in Umsatz verwandeln kann. Die Antwort darauf liefern die Quartalszahlen für Q1 2027, die voraussichtlich im September erscheinen.
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