Oracle Aktie: 203 Basispunkte CDS auf Mehrjahreshoch
Oracle sichert sich einen Milliardenauftrag vom Pentagon, doch die Aktie reagiert kaum. Anleihemärkte und hohe Schulden belasten den Kurs.

- Pentagon-Auftrag über 6,99 Milliarden Dollar
- Aktienkurs nahe 52-Wochen-Tief
- Kreditausfallversicherungen auf Mehrjahreshoch
- Analysten sehen 116 Prozent Kurspotenzial
Oracle hat gerade einen der größten Verträge seiner Firmengeschichte an Land gezogen. Der Aktienkurs? Reagiert kaum. Genau dieser Widerspruch macht die aktuelle Lage bei Oracle so bemerkenswert.
Am Freitag schloss die Aktie bei 101,20 Euro — nur 0,14 Prozent über dem gerade erst markierten 52-Wochen-Tief von 101,06 Euro. Innerhalb von 30 Tagen hat das Papier 27,11 Prozent verloren. Ein Pentagon-Auftrag im Milliardenbereich konnte daran nichts ändern. Für mich ist genau das die eigentliche Geschichte hinter den Kurszetteln dieser Woche.
Der Pentagon-Deal als Vertrauensbeweis
Am 23. Juli 2026 verkündete das US-Verteidigungsministerium einen Software-Konsolidierungsauftrag für Oracle. Volumen: bis zu 6,99 Milliarden Dollar über zehn Jahre. Die Marine, die Küstenwache und die US-Geheimdienste sollen künftig IT-Einkäufe über Oracle bündeln, die CIA fungiert als erster Hauptkunde.
Der Deal soll dem Steuerzahler 441 Millionen Dollar sparen und unterstreicht, wie tief Oracle inzwischen in sicherheitskritischer Infrastruktur verankert ist. Das ist kein kleiner Achtungserfolg. Trotzdem verpuffte die Nachricht binnen Tagen — der Kursrutsch der vergangenen Wochen setzte sich praktisch ungebremst fort.
Warum die Kreditmärkte nervös werden
Der eigentliche Belastungsfaktor liegt für mich nicht im operativen Geschäft, sondern in der Bilanz. Oracles Cloud-Infrastruktur wächst zwar rasant, aber die Kosten dafür explodieren regelrecht. Marktteilnehmer sprechen inzwischen von einer „KI-Steuer“ — den gewaltigen Investitionen, die der Aufbau neuer Rechenzentren verschlingt.
Die Kreditausfallversicherungen für Oracle-Anleihen (CDS) kletterten diese Woche auf ein Mehrjahreshoch von 203 Basispunkten. Das folgt auf eine Herabstufung durch S&P auf BBB- Anfang Juli. Auch Moody’s signalisiert, dass Oracles Bonität riskanter einzustufen ist als die der Hyperscale-Konkurrenz von Microsoft oder Amazon — wegen negativem freiem Cashflow und eines geplanten zusätzlichen Finanzierungsbedarfs von 40 Milliarden Dollar.
Diese Zahlen erklären, warum die Aktie binnen zwölf Monaten rund die Hälfte ihres Werts verloren hat. Der Markt preist hier nicht schlechte Geschäfte ein, sondern die Sorge, dass sich Oracle im KI-Wettlauf finanziell übernimmt.
Charttechnik gegen Analystenmeinung
Technisch betrachtet ist die Aktie tief überverkauft. Der 14-Tage-RSI notiert bei 27,6 — ein Niveau, das häufig eine technische Gegenbewegung ankündigt. Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt liegt bei -36,43 Prozent, ein Ausmaß, das zeigt, wie schnell sich der Kurs vom langfristigen Trend gelöst hat.
Noch größer ist die Kluft zu den Analystenerwartungen. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 219,14 Euro — ein Aufwärtspotenzial von mehr als 116 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau. Analysten verweisen dabei gerne auf den Auftragsbestand von angeblich 638 Milliarden Dollar. Mich überzeugt das nur bedingt: Ein voller Orderbestand nützt wenig, wenn die Finanzierung der dafür nötigen Investitionen selbst zur Belastung wird.
Zwei Narrative, ein Kurs
Oracle steckt gerade zwischen zwei Erzählungen fest. Die eine: ein Cloud-Champion, der die sichersten Regierungsverträge der Welt gewinnt. Die andere: ein Traditionskonzern, der unter den Kapitalkosten der KI-Revolution ächzt.
Der Pentagon-Deal zeigt, dass die erste Erzählung real ist — Oracles Umsatzbasis bleibt „klebrig“ und strategisch unverzichtbar. Solange aber die Anleihemärkte an der Schuldenlast zweifeln, dürfte die Aktie kaum einen stabilen Boden finden. Aktuell notiert das Papier fast 64 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 280,70 Euro.
Eine nachhaltige Erholung sehe ich erst dann als wahrscheinlich, wenn Oracle beweist, dass die massiven Investitionen tatsächlich in positiven Cashflow münden — bevor die Bonitätsnoten weiter in Richtung spekulativer Ratings abrutschen.
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