Oracle Aktie: 23,7 Milliarden Cashflow-Loch
Oracles gigantischer KI-Auftragsbestand von 638 Milliarden Dollar führt zu negativem Cashflow und einer geplanten Aktienverwässerung um 20 Milliarden Dollar.

- Auftragsbestand steigt auf 638 Milliarden Dollar
- Negativer freier Cashflow von 23,7 Milliarden
- Geplante Aktienverwässerung um 20 Milliarden
- Starke Abhängigkeit von OpenAI als Großkunde
In der Ära der Künstlichen Intelligenz sind volle Auftragsbücher ein zweischneidiges Schwert. Oracle demonstriert das gerade eindrucksvoll. Der Softwarekonzern sitzt auf einem gigantischen Berg an Leistungsversprechen. Das Volumen liegt bei 638 Milliarden US-Dollar. Das ist ein Plus von 363 Prozent zum Vorjahr. Eigentlich ein Grund zum Feiern. Die Börse sieht das anders. Investoren blicken nur auf die astronomische Rechnung. Oracle muss diese Versprechen erst noch in die Realität umsetzen.
Die Quittung folgte prompt. Bis Freitagabend verlor das Papier 14,20 Prozent an Wert. Der Schlusskurs lag bei 159,12 Euro. Damit rutscht die Aktie für das laufende Jahr ins Minus. Die Rendite seit Januar beträgt nun -4,72 Prozent.
Der hohe Preis der KI-Dominanz
Der zentrale Konflikt dreht sich um die Liquidität. Auf den ersten Blick glänzen die Zahlen für das vierte Quartal. Der Umsatz stieg auf 19,2 Milliarden US-Dollar. Treiber war das Infrastruktur-Geschäft mit einem massiven Sprung.
Aber das Wachstum hat einen extrem hohen Preis. Die nötige Hardware macht Oracle zu einer Geldvernichtungsmaschine. Für das gesamte Geschäftsjahr 2026 meldet der Konzern einen negativen freien Cashflow. Es fehlen 23,7 Milliarden US-Dollar.
Der Grund sind explodierende Investitionen. Oracle pumpt 55,7 Milliarden US-Dollar in neue Rechenzentren und Grafikprozessoren. Das Unternehmen baut seine KI-Cloud in Rekordtempo aus.
Die Folge: Oracle braucht dringend frisches Kapital. Für das Geschäftsjahr 2027 benötigt das Management rund 40 Milliarden US-Dollar. Die Hälfte davon soll über neue Schulden fließen. Die restlichen 20 Milliarden US-Dollar besorgt sich der Konzern über neue Aktien. Diese massive Verwässerung löste den jüngsten Ausverkauf aus.
Klumpenrisiko und Schuldenfieber
Neben den reinen Ausgaben hinterfragt der Markt die Qualität der Aufträge. Berichten zufolge entfallen rund 300 Milliarden US-Dollar des Auftragsbestands allein auf OpenAI. Der ChatGPT-Entwickler arbeitet derzeit mit stark negativen Margen. Reicht die Finanzkraft des Start-ups aus, um diese Verträge langfristig profitabel zu bedienen?
Einige Marktbeobachter sprechen bereits von einem Schuldenfieber. Das finanzielle Profil von Oracle hat sich drastisch verändert. Die Verbindlichkeiten belaufen sich auf etwa 130 Milliarden US-Dollar an Krediten. Dazu kommen langfristige Leasingverträge für Rechenzentren im Wert von 135 Milliarden US-Dollar. Investoren wiegen nun das ehrgeizige Umsatzziel gegen die drohende Aktienflut ab.
Fragiles Fundament
Das Chartbild spiegelt diese Unsicherheit wider. Die Aktie notiert deutlich unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 280,70 Euro. Die Volatilität schoss im letzten Monat massiv nach oben.
Aktuell verfehlt das Papier die wichtige 200-Tage-Linie um knapp zehn Prozent. Der RSI-Wert von 42 signalisiert dabei noch keinen extrem überverkauften Zustand. Das technische Fundament bleibt wackelig.
Trotz des akuten Finanzierungsdrucks bleibt die Wall Street langfristig optimistisch. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 220,58 Euro. Das entspricht einem deutlichen Aufwärtspotenzial. Oracle muss nun beweisen, dass es den gigantischen Infrastruktur-Aufbau effizient stemmen kann. Nur so verwandeln sich die Milliarden-Versprechen in echten Cashflow.
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