Oracle Aktie: 3-Milliarden-Deal mit Microsoft geplatzt

Trotz Rekordumsatz und starkem Cloud-Wachstum verliert Oracle massiv an Wert. Geplatzter Microsoft-Deal und hohe Investitionen belasten den Kurs.

Die Kernpunkte:
  • Kursverlust von fast 19 Prozent
  • Rekordumsatz von 19,1 Milliarden Dollar
  • Cloud-Deal mit Microsoft geplatzt
  • 21.000 Stellen in zwölf Monaten gestrichen

Die Oracle-Aktie verlor allein in den vergangenen sieben Tagen fast 19 Prozent an Wert. Am Freitag schloss das Papier bei 130,50 Euro. Diese Woche bündelte eine Spannung, die sich seit Monaten aufbaut. Der Softwarekonzern meldet einerseits Rekordzahlen. Andererseits streicht er Tausende Stellen und verliert einen massiven Cloud-Deal. Für Investoren war diese Woche kein normaler Nachrichtenzyklus. Sie war ein Stresstest für die gesamte Oracle-These.

Das fundamentale Paradoxon

Das fundamentale Paradoxon des Jahres 2026 lautet: Das Geschäft sah auf dem Papier nie stärker aus. Die Aktie hingegen sah seit Jahren nicht schlechter aus.

Das vierte Geschäftsquartal lieferte 19,1 Milliarden US-Dollar Umsatz. Der bereinigte Gewinn lag bei 2,11 Dollar je Aktie. Beide Werte übertrafen die Erwartungen.

Auch die Cloud-Infrastruktur wuchs im Jahresvergleich um beeindruckende 93 Prozent. Die ausstehenden Leistungsverpflichtungen erreichten gigantische 638 Milliarden Dollar. Das ist ein massiver Sprung nach vorn.

Das sind keine Zahlen eines Unternehmens in Not. Dennoch stürzte der Kurs ab. Die Aktie notiert mehr als 53 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 280,70 Euro.

Der RSI-Wert von 29,6 signalisiert einen massiv überverkauften Zustand. Der Markt feiert den Rekord-Auftragsbestand nicht. Er preist etwas völlig anderes ein.

Eine Woche der Rückschläge

Zwei Ereignisse brachten den Kurs diese Woche massiv unter Druck. Sie offenbaren die Bruchlinien in Oracles Strategie.

Zunächst schockierte der Quartalsbericht die Anleger. Ein negativer freier Cashflow von 23,7 Milliarden Dollar sorgte für einen Kursrutsch von fast neun Prozent. Dazu plant das Management eine Kapitalerhöhung über 40 Milliarden Dollar. Die Folge: ein massiver Vertrauensverlust.

Dann platzte offenbar ein gewaltiger Deal. Medienberichten zufolge scheiterten Gespräche mit Microsoft über einen Cloud-Leasingvertrag. Das Volumen lag bei über drei Milliarden Dollar.

Als Grund gelten Sicherheits- und Compliance-Bedenken. Oracle bestreitet diese Darstellung vehement. Ein Sprecher nannte die Details inakkurat. Die Beziehung zu Microsoft sei extrem kooperativ.

Was bedeutet dieser geplatzte Deal für Oracles Fähigkeit, hochregulierte Kunden zu bedienen? Genau diese Frage stellen sich Investoren jetzt. Konkurrenten wie Amazon Web Services und Google Cloud schlafen nicht.

Der strukturelle Druck

Diese Vorfälle sind keine isolierten Ausrutscher. Sie sind Symptome eines strukturellen Wandels. Oracle navigiert durch einen massiven Umbruch.

Die Investitionsausgaben für das Geschäftsjahr 2027 sollen bei rund 70 Milliarden Dollar liegen. Schon die bisherigen Ausgaben von knapp 56 Milliarden Dollar rissen ein tiefes Loch in die Kasse.

Parallel dazu baut der Konzern radikal Personal ab. Der aktuelle Jahresbericht enthüllt den Wegfall von 21.000 Stellen in zwölf Monaten. Die globale Belegschaft sank auf 141.000 Mitarbeiter.

Der Konzern nennt den Einsatz künstlicher Intelligenz als direkten Grund für die Kürzungen. Weitere Stellenstreichungen könnten folgen.

Oracle gibt also Milliarden für neue Infrastruktur aus. Zusätzlich kostet der radikale Konzernumbau viel Geld. Obendrein muss das Unternehmen seine Compliance-Standards verteidigen. In diesem Markt entscheiden oft Regierungszertifikate über die größten Aufträge.

Die Kluft zwischen Analysten und Markt

Trotz dieses Absturzes bleiben Analysten optimistisch. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 221,14 Euro. Das entspricht einem Aufwärtspotenzial von fast 70 Prozent gegenüber dem Freitagsschluss.

Die Kluft zum aktuellen Kurs von 130,50 Euro verlangt nach einer Erklärung. Die Antwort liegt in der extremen Schwankungsbreite. Eine annualisierte 30-Tage-Volatilität von über 72 Prozent spricht Bände.

Der Markt behandelt Oracle nicht mehr als berechenbaren Wachstumswert. Die Aktie ist zu einer hochriskanten Wette mutiert. Wall Street glaubt an diese Wette. Der breite Markt reagiert jedoch mit tiefer Skepsis.

Die Aktie notiert 20 Prozent unter ihrer 50-Tage-Linie von 163,14 Euro. Seit Jahresbeginn verlor das Papier fast 22 Prozent.

Entlassungen, ein geplatzter Deal und explizite Warnungen vor weiterem KI-bedingten Stellenabbau prägen das Bild. Das aktuelle Setup begünstigt Investoren mit starken Nerven. Sie müssen darauf vertrauen, dass Oracle seinen gigantischen Auftragsbestand planmäßig in Umsatz verwandelt. Liefert das Management hier keine schnellen Erfolge, droht der nächste Ausverkauf.

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