Oracle Aktie: 300-Milliarden-Deal mit OpenAI
Oracles aggressiver Umbau zum KI-Infrastrukturanbieter treibt Schulden auf 130 Milliarden Dollar und belastet den freien Cashflow massiv.

- Kapitalausgaben von 55,7 Milliarden Dollar
- Freier Cashflow bricht auf minus 23,7 Milliarden ein
- Schuldenberg wächst auf rund 130 Milliarden
- Kursziel der Analysten bei 220,67 Euro
Oracle war einst der unscheinbare Datenbank-Gigant. Heute baut das Unternehmen die physischen Fabriken der Künstlichen Intelligenz. Dieser Umbau verschlingt Unsummen. Er treibt die Geduld selbst treuester Aktionäre ans Limit. Die Aktie ist zum Sinnbild einer viel größeren Debatte geworden. Erleben wir einen nachhaltigen Strukturwandel durch KI? Oder wiederholen sich die Exzesse der Dot-Com-Ära?
Das Milliarden-Paradoxon
Die Bilanz von Oracle offenbart eine enorme Diskrepanz. Zukunftsversprechen und aktuelle Liquidität klaffen weit auseinander. Einerseits meldet der Konzern einen gigantischen Auftragsbestand. Dieser liegt bei 638 Milliarden US-Dollar. Der Wert schoss im Jahresvergleich um 363 Prozent in die Höhe.
Teil dieses Bergs ist ein 300-Milliarden-Dollar-Deal mit OpenAI. Das zeigt die fast unstillbare Nachfrage nach der Oracle Cloud Infrastructure.
Doch der Bau dieser digitalen Fabriken kostet historisch viel. Im Geschäftsjahr 2026 lagen die Kapitalausgaben bei extremen 55,7 Milliarden Dollar.
Diese aggressive Expansion riss ein tiefes Loch in die Kasse. Der freie Cashflow stürzte auf minus 23,7 Milliarden Dollar ab. Diese harte Realität ließ den Kurs im Juni um 35 Prozent einbrechen. Es war der schlechteste Börsenmonat für Oracle seit 1990.
Umbau zum Versorger
Anfang Juli 2026 geht es nun um Stabilisierung. Nach einer brutalen Verlustserie fand das Papier am Montag bei 125,70 Euro einen Boden. Seit Jahresbeginn steht damit immer noch ein Minus von 24,73 Prozent auf der Kurstafel.
Die Experten von Piper Sandler sehen Oracle mittlerweile als Hightech-Versorger. Das Unternehmen plant die Aktivierung von 2.400 Megawatt neuer Kapazität. Das könnte zusätzliche OCI-Umsätze von 2,2 Milliarden Dollar generieren.
Tritt dieses Szenario ein, steigen die OCI-Gesamterlöse auf 41,1 Milliarden Dollar. Dieser Wachstumsmotor könnte die abkühlende Stimmung in anderen Software-Bereichen ausgleichen.
Die wachsende Schuldenlast
Diese Transformation finanziert Oracle allerdings auf Pump. Der Schuldenberg türmt sich auf rund 130 Milliarden Dollar. Für das kommende Geschäftsjahr benötigt das Unternehmen weitere 40 Milliarden Dollar.
Der Konzern wandert auf einem schmalen Grat. Kühlt der KI-Goldrausch ab, droht ein massives Problem. Oracle bliebe dann auf teuren Rechenzentren und extremen Schulden sitzen. Ein echtes Risiko.
Zusätzliche Warnungen von außen mehren sich. Interne Berichte des US-Finanzministeriums ziehen Parallelen zwischen dem aktuellen KI-Wahn und früheren Spekulationsblasen.
Parallel dazu bremsen erste Kunden. Analysen von UBS zeigen, dass etwa 60 Prozent der Unternehmen ihre KI-Ausgaben drosseln. Sie setzen strengere interne Vorgaben um.
Die harte Realität an der Börse
Charttechnisch steckt die Aktie tief in einer Erholungsphase. Mit dem aktuellen Kurs notiert Oracle deutlich unter wichtigen Marken. Der Abstand zum 50-Tage-Durchschnitt von 160,08 Euro beträgt stolze 21,48 Prozent.
Der 14-Tage-RSI signalisiert derweil einen Wert von 30,1. Die Aktie ist damit fast überverkauft. Solche Niveaus gehen oft einer Bodenbildung voraus.
Die Wall Street bleibt trotzdem optimistisch. Das Konsens-Kursziel liegt weiterhin bei ambitionierten 220,67 Euro. Das impliziert ein massives Aufwärtspotenzial von über 75 Prozent.
Um dieses Ziel zu erreichen, muss Oracle nun zwingend liefern. Der gewaltige Auftragsbestand darf keine reine Absichtserklärung bleiben. Das Management muss diese Verträge zügig in echten Cashflow verwandeln, bevor die Zinsen für den Schuldenberg erdrückend werden. Bis dahin bleibt Oracle die aggressivste Wette auf die physische Realität des KI-Zeitalters.
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