Oracle Aktie: 43-Milliarden-Rechenzentrum in Michigan
Oracle investiert massiv in KI-Cloud-Infrastruktur, während die Aktie nach 30-prozentigem Kursverlust bei 124 Euro notiert.

- Cloud-Expansion für KI vorangetrieben
- Lokaler Widerstand gegen Rechenzentrum
- Hohe Abhängigkeit von OpenAI
- Aktie 55 Prozent unter Rekordhoch
Oracle kämpft nach einem dramatischen Kursrutsch um Stabilität. Innerhalb von nur 30 Tagen verlor das Papier rund 30 Prozent an Wert. Aktuell notiert die Aktie bei 124,66 Euro. Der Softwarekonzern baut seine Cloud-Infrastruktur für Künstliche Intelligenz massiv aus. Das kostet enorm viel Geld und bringt neue Risiken.
Aggressive Expansion
Analysten bewerten die Lage überwiegend positiv. Billy Fitzsimmons von Piper Sandler sieht gewaltiges Potenzial. Er erwartet für die Oracle Cloud Infrastructure einen massiven Umsatzsprung. Bis zum Geschäftsjahr 2027 sollen diese Erlöse auf 41,1 Milliarden Dollar steigen. Aktuell liegt der Wert bei 20,8 Milliarden Dollar.
Dafür muss der Konzern seine Kapazitäten aggressiv ausbauen. Rund 2.400 Megawatt an neuer Leistung sollen das Wachstum stützen. Das zieht Experten auf die Käuferseite. Die breite Mehrheit der Analysten rät zum Kauf. Ihr durchschnittliches Kursziel liegt bei knapp 264 Euro.
Widerstand vor Ort
Physische Bauprojekte stoßen allerdings auf lokalen Gegenwind. In Saline Township im US-Bundesstaat Michigan plant Oracle ein neues Rechenzentrum. Die Baukosten liegen bei veranschlagten 43 Milliarden Dollar. Anwohner leisten Widerstand gegen die Anlage.
Der Gemeinderat verschob deshalb eine wichtige Abstimmung über Steuererleichterungen. Die Entscheidung fällt nun am 14. Juli. Ohne diese Subventionen zahlt Oracle jährlich 300 Millionen Dollar Steuern. Mit dem Erlass sinkt die Belastung auf 147 Millionen Dollar.
Laut einer früheren Gerichtsvereinbarung muss die Gemeinde das Projekt eigentlich unterstützen. Die Fertigstellung ist für Juni 2028 geplant.
Klumpenrisiko und Verwässerung
Ein zentrales Thema bleibt der Auftragsbestand. Dieser erreichte Ende des vergangenen Geschäftsjahres die Rekordsumme von 638 Milliarden Dollar.
Ein genauer Blick offenbart eine Schwäche. Das Unternehmen verbucht nur zwölf Prozent dieser Summe in den nächsten zwölf Monaten als Umsatz. Fast die Hälfte des Bestands entfällt auf einen einzigen Kunden. Berichten zufolge steuert OpenAI rund 300 Milliarden Dollar bei.
Hohe Investitionen belasten die Bilanz schwer. Die Folge: Oracle verzeichnet einen negativen freien Cashflow von 23,7 Milliarden Dollar. Für das nächste Jahr plant der Vorstand eine große Finanzierungsrunde.
Der Konzern benötigt voraussichtlich 40 Milliarden Dollar. Rund 20 Milliarden Dollar fließen über neues Eigenkapital. Das bedeutet für bestehende Aktionäre eine Verwässerung von etwa fünf Prozent.
Die Charttechnik liefert ein düsteres Bild. Die Aktie handelt mehr als 55 Prozent unter ihrem Rekordhoch. Der RSI-Indikator signalisiert mit einem Wert von 31 eine überverkaufte Lage.
Operativ setzt das Management weiterhin Akzente. Die US-Behörde für Personalverwaltung beauftragte Oracle kürzlich mit der Modernisierung ihrer IT-Systeme. Hält das 52-Wochen-Tief bei knapp 114 Euro, könnte das Papier einen Boden finden. Spätestens die Abstimmung in Michigan am 14. Juli liefert den nächsten fundamentalen Impuls.
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