Oracle Aktie: 4,4-Prozent-Sturz nach S&P-Herabstufung
S&P stuft Oracle auf BBB- herab. Hohe Schulden und Investitionen belasten die Aktie, die 62 Prozent unter ihrem Rekordhoch notiert.

- S&P senkt Bonität auf BBB-
- Schuldenberg von 130 Milliarden Dollar
- Aktie verliert 62 Prozent seit Rekordhoch
- Investitionen steigen um 162 Prozent
Ein einziges Downgrade von S&P Global hat aus dem gefeierten KI-Infrastruktur-Gewinner eine Bonitätswette gemacht. Oracle schloss am Donnerstag bei 105,50 Euro, ein Tagesminus von 4,40 Prozent. Wer noch vor Monaten von der nächsten großen KI-Story sprach, blickt jetzt auf ein Chartbild der Erschöpfung.
Ein Rating, das die Story kippt
Reicht eine einzige Bonitätsabstufung, um eine Aktie neu zu bepreisen, deren operatives Geschäft nach den meisten Berichten intakt bleibt? Bei Oracle lohnt sich der Blick auf die Details. Ausgelöst hat den Kursrutsch keine schwache Cloud-Nachfrage, sondern die Bilanz. S&P Global setzte die Bonität auf BBB- herab, nur eine Stufe über Ramschniveau.
Oracle stemmt einen Datencenter-Ausbau im Stil der großen Hyperscaler – mit der Bilanz eines klassischen Softwarekonzerns. Der Markt bewertet den Konzern seither nicht mehr als verlässlichen Softwaretitel. Er gilt jetzt als hochgehebelte Infrastrukturwette. Ob diese Wette aufgeht, hängt davon ab, wie schnell Oracle sein Auftragsbuch in echtes Geld verwandelt, bevor die Gläubiger die Geduld verlieren.
Riesiges Auftragsbuch, leere Kasse
Die vertraglich gesicherten, aber noch nicht gelieferten Umsätze haben die Marke von 600 Milliarden Dollar durchbrochen. Bullische Investoren verweisen genau darauf, wenn sie von intakter Nachfrage sprechen. Nur: Das Geld dafür fließt bislang nicht in die Kasse.
Ende Mai saß Oracle auf rund 130 Milliarden Dollar Schulden. Im Geschäftsjahr 2026 kletterten die Investitionen um 162 Prozent auf fast 56 Milliarden Dollar. Diese Ausgabenwelle hat den freien Cashflow tief ins Minus gedrückt.
Auch die Kreditmärkte spiegeln das Misstrauen wider. Die Kosten, Oracle-Anleihen gegen einen Zahlungsausfall abzusichern, erreichten ein Rekordhoch. Anleiheinvestoren verlangen mehr Risikoprämie als je zuvor.
Oracle fehlt der massive operative Cashflow, mit dem die großen Tech-Konzerne ihre Investitionen aus eigener Kraft stemmen. Der Konzern muss stattdessen Kasse verbrennen und Schuldtitel platzieren – während das klassische Softwaregeschäft unter Druck steht. Dazu passt ein weiteres Signal aus dem jüngsten Geschäftsbericht: Die Belegschaft schrumpfte im Geschäftsjahr 2026 um etwa 21.000 Stellen, ein Rückgang von 13 Prozent. Der Markt liest das als Sparprogramm und zugleich als Warnsignal fürs Wachstumstempo.
Überverkauft, aber ungelöst
Vom Rekordhoch aus dem September 2025 bei 280,70 Euro hat die Aktie inzwischen 62,42 Prozent ihres Werts verloren. Ein Einbruch, wie man ihn eher von einem spekulativen Biotech-Titel kennt als von einem jahrzehntealten Softwareriesen. Technisch ist die Aktie tief in der Erschöpfung angekommen: Der 14-Tage-RSI notiert bei 29,8, deutlich im überverkauften Bereich.
Selbst das durchschnittliche Analysten-Kursziel von 219,22 Euro – mehr als das Doppelte des aktuellen Niveaus – hat den Ausverkauf bislang nicht gebremst. Genau diese Lücke zeigt, wie weit Stimmung und Modellrechnungen der Analysten inzwischen auseinanderliegen.
Oracle zahlt weiterhin seine Dividende, zuletzt 0,50 US-Dollar je Aktie mit Ex-Tag am 10. Juli. In der aktuellen Lage wirkt das weniger wie eine Belohnung für Aktionäre. Es liest sich eher wie eine Erinnerung daran, dass der Konzern noch immer wie das stabile Softwarehaus von einst aussehen will – während er die Bilanz auf ein komplett anderes Geschäftsmodell verwettet.
Die größere Lektion für die KI-Branche
Oracles Absturz erzählt eine Geschichte, die weit über den Konzern hinausreicht. Er zeigt die Spannung, die sich gerade im gesamten KI-Infrastruktur-Trade aufbaut: die Lücke zwischen Optimismus über Auftragsbücher und der Kreditrealität, Billionen-Dollar-Rechenkapazität mit geliehenem Geld zu finanzieren. Der Markt hat vorerst entschieden, dass diese Lücke schwerer wiegt als jede Wachstumsschlagzeile.
Ob diese Sichtweise den nächsten Berichtszyklus übersteht, hängt kaum an der KI-Nachfrage selbst – daran zweifelt kaum jemand ernsthaft. Sie hängt daran, ob Oracles Gläubiger dem Konzern weiter Vertrauen einräumen, und zu welchem Preis.
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