Oracle Aktie: 546 Stellen in Cloud-Sparte gestrichen

Oracle streicht 546 Cloud-Stellen, plant bis zu 95 Milliarden US-Dollar Investitionen und meldet negativen freien Cashflow.

Die Kernpunkte:
  • 546 Stellen in Cloud-Sparte gestrichen
  • Cloud-Infrastruktur wächst um 121 Prozent
  • Investitionen von 90 bis 95 Milliarden
  • Freier Cashflow mit 5,4 Milliarden Minus

Wer die Ambitionen von Oracle im Markt für künstliche Intelligenz verstehen will, blickt auf eine beispiellose finanzielle Kraftprobe. Einerseits treibt der Konzern den Ausbau seiner Rechenzentren mit astronomischen Summen voran. Andererseits offenbaren jüngste Vorgänge hinter den Kulissen, wie angespannt das finanzielle Gefüge des Softwarekonzerns in Wahrheit bereits ist.

Medienberichten zufolge strich Oracle erst in der vergangenen Woche 546 Stellen in seiner Sparte America Cloud Infrastructure. Dass dieser Abbau rund 7,6 Prozent der in einem internen Dokument erfassten Mitarbeiter der Organisationseinheit betrifft, halte ich für ein alarmierendes Signal.

Denn gekürzt wurde keineswegs nur in der Verwaltung, sondern tief im technischen Herzstück: 57 Stellen von Software-Entwicklern der Stufe III und Dutzende Managerposten fielen dem Rotstift zum Opfer.

Stellenabbau im eigentlichen Wachstumsmotor

Für mich passt dieser personelle Aderlass kaum zu den triumphierenden Botschaften des Managements über das Wachstum der Sparte. Zwar legte die Cloud-Infrastruktur im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 um 121 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu.

Gleichzeitig hatte Oracle jedoch bereits im vorherigen Geschäftsjahr rund 21.000 Arbeitsplätze abgebaut. Dass nun ausgerechnet in der amerikanischen Cloud-Sparte erneut gekürzt wird, belegt für mich unmissverständlich: Der Margendruck im KI-Segment erreicht eine Dimension, die drastische Einschnitte erzwingt.

Zusätzliche Wachstumsinitiativen wie die gestern verkündete Partnerschaft mit Wipro bei Pharmakovigilanz-Diensten können diese Spannungen nur oberflächlich überdecken.

Zwar setzt der Partner dabei künftig auf Oracles Argus Business Process Services, um Meldungen und regulatorische Abläufe in der Arzneimittelsicherheit abzuwickeln. Doch während solche Software-Allianzen das operative Geschäft stützen, liegt die wahre Belastungsprobe an einer ganz anderen Front.

Investitionswut belastet die Liquidität

Die gewaltigen Ausgaben für den Hardware-Ausbau zehren massiv an der Substanz des Konzerns. Für das laufende Geschäftsjahr 2027 peilt das Management Investitionen in Höhe von 90 bis 95 Milliarden US-Dollar an. Diesen immensen Ausgaben stand zuletzt ein negativer freier Cashflow von 5,4 Milliarden US-Dollar gegenüber.

Genau diese Schieflage ruft berechtigte Kritik hervor.

Selbst ein Auftragsbestand von 664 Milliarden US-Dollar bietet keine Garantie, wenn die Refinanzierung der teuren Infrastruktur den Kapitalmarkt zunehmend nervös macht.

Fazit: Hohe Risiken überwiegen vorerst

Unterm Strich tanzt Oracle derzeit auf einer hauchdünnen Rasierklinge. An der Börse beendete das Papier den gestrigen Handelstag bei 130,40 Euro. Seit Jahresanfang verzeichnet die Aktie ein Minus von 22 Prozent und bleibt mit einem Abschlag von 53 Prozent weit von ihrem 52-Wochen-Hoch entfernt.

Für Anleger spricht aus meiner Sicht derzeit wenig für eine rasche Entspannung. Solange Oracle Milliarden in Infrastruktur pumpen muss und zeitgleich Kernteams entlässt, um die Kosten im Zaum zu halten, überwiegen die bilanziellen Risiken die Wachstumsfantasie. Die Aktie dürfte erst dann wieder ein solides Fundament finden, wenn der Konzern beweist, dass seine gewaltigen Investitionen auch verlässliche freie Mittelzuflüsse erwirtschaften.

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