Oracle Aktie: 553 Milliarden Dollar Auftragsbestand im Test
Oracle präsentiert heute Abend die Q4-Zahlen 2026. Der riesige Auftragsbestand von 553 Milliarden Dollar steht im Fokus der Anleger.

- Quartalsbericht nach US-Börsenschluss erwartet
- Auftragsbestand von 553 Milliarden Dollar entscheidend
- Cloud- und KI-Geschäft treiben Wachstum
- Analysten sehen Kurspotenzial trotz Risiken
Oracle-Aktionäre erleben eine unruhige Woche. Nach einem Kurseinbruch von fast zehn Prozent am 5. Juni notiert die Aktie heute bei 172 Euro — rund 39 Prozent unter dem Allzeithoch vom September 2025. Heute Abend nach US-Börsenschluss präsentiert Oracle seine Zahlen für das vierte Quartal des Geschäftsjahres 2026. Wall Street hat selten so viel auf einen einzelnen Quartalsbericht gesetzt.
Der Rückstand, der alles entscheidet
Die eigentliche Frage ist nicht, ob Oracle die Erwartungen trifft. Analysten rechnen mit einem Umsatz von rund 19,1 Milliarden Dollar und einem bereinigten Gewinn je Aktie von 1,96 Dollar — das entspricht dem unteren Ende der eigenen Prognose des Unternehmens, die ein Umsatzwachstum von 19 bis 21 Prozent vorsieht.
Was Investoren wirklich beschäftigt, ist der Auftragsbestand. Oracles sogenannte Remaining Performance Obligations — also vertraglich gesicherte, aber noch nicht realisierte Umsätze — haben zuletzt die Marke von 553 Milliarden Dollar erreicht. Das entspricht einem Anstieg von 325 Prozent gegenüber dem Vorjahr und dem Achtfachen des jährlichen Konzernumsatzes. Getrieben wird dieser Wert von der starken Nachfrage nach Oracle Cloud Infrastructure und den neu gestarteten KI-gestützten Agentic-Anwendungen.
Die Frage ist, ob Oracle diese Verträge schnell genug in echten Umsatz umwandeln kann.
Q3 hat die Messlatte hochgelegt
Das dritte Quartal war beeindruckend. Der Gesamtumsatz stieg um 22 Prozent auf 17,2 Milliarden Dollar. Der Cloud-Umsatz legte um 44 Prozent zu, der Umsatz mit KI-Infrastruktur sogar um 243 Prozent. Besonders auffällig: Multicloud-Datenbankumsätze sprangen um 531 Prozent. Das Management räumte ein, dass die Nachfrage die verfügbare Kapazität weiterhin übersteigt.
Nach diesem Quartal hob Oracle sein Umsatzziel für das Geschäftsjahr 2027 auf 90 Milliarden Dollar an.
Analysten bleiben bullish — mit Abstrichen
Von 39 Analysten, die Oracle abdecken, empfehlen 36 den Kauf der Aktie. Das mittlere Kursziel liegt bei 251,20 Dollar. Die Bandbreite ist allerdings enorm: von 155 Dollar am unteren Ende bis 400 Dollar bei Guggenheim, das seine Kaufempfehlung zuletzt bekräftigte.
Mizuho hält an einem Kursziel von 320 Dollar fest und sieht das aktuelle Quartal als möglichen Katalysator für eine Beschleunigung des Umsatzwachstums auf 34 Prozent im Geschäftsjahr 2027. Bank of America hat sein Ziel von 200 auf 240 Dollar angehoben.
Allerdings warnt Guggenheim auch: Oracle dürfte seine Investitionen in KI-Infrastruktur im Geschäftsjahr 2027 auf rund 75 Milliarden Dollar hochschrauben. Das belastet den freien Cashflow kurzfristig erheblich.
Volatilität ist eingepreist
Der Optionsmarkt erwartet nach den Zahlen eine Kursbewegung von knapp 13 Prozent in beide Richtungen. Das liegt unter dem historischen Schnitt von 16 Prozent über die letzten vier Quartale. In fünf der vergangenen acht Berichtszeiträume übertraf Oracle diese implizite Bewegung — darunter ein Kurssprung von 45 Prozent im September 2025.
Die jüngsten Berichte verliefen ruhiger: Im März 2026 bewegte sich die Aktie um 9,3 Prozent, im Dezember 2025 um lediglich 1,1 Prozent nach unten. Kein Wunder, dass die aktuelle Nervosität vor allem durch den Einbruch vom 5. Juni genährt wird — ausgelöst durch Broadcom-Zahlen und aufkeimende Zweifel, ob die KI-Wachstumserwartungen zu aggressiv eingepreist sind.
Kapitalkosten als strukturelles Risiko
Oracle plant, im laufenden Kalenderjahr zwischen 45 und 50 Milliarden Dollar frisches Kapital aufzunehmen, um den Infrastrukturausbau zu finanzieren. Ob das künftige Wachstum mit diesem Investitionstempo Schritt halten kann, bleibt die zentrale Unsicherheit.
In allen vier zuletzt berichteten Quartalen hat Oracle die Gewinnerwartungen übertroffen — im November 2025 um mehr als 51 Prozent. Heute Abend entscheidet sich, ob diese Serie hält und ob die Guidance für 2027 den aktuellen Bewertungsaufschlag rechtfertigt.
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