Oracle Aktie: 567,9 Millionen Dollar DHS-Auftrag

Oracle erhält 567,9-Millionen-Dollar-Cloud-Auftrag vom US-Heimatschutzministerium, während S&P die Bonität auf BBB- senkt und die Aktie dennoch von einer Erholung profitiert.

Die Kernpunkte:
  • Neuer Cloud-Vertrag mit Heimatschutzministerium
  • S&P senkt Kreditwürdigkeit auf BBB-
  • Aktie erholt sich trotz hoher Verschuldung
  • Analysten bleiben mehrheitlich optimistisch

Oracle bekommt derzeit zwei Gesichter zu sehen: Auf der einen Seite ein neuer Behördenauftrag und eine mehrtägige Kurserholung, auf der anderen Seite wachsende Zweifel an der Bonität des Software- und Cloud-Konzerns.

Im deutschen Handel notiert die Aktie am Dienstag bei 131,90 Euro und legt damit 0,61 Prozent zu. Über die vergangenen sieben Handelstage hat das Papier bereits 4,37 Prozent gewonnen – auf Sicht von zwölf Monaten steht dennoch ein Minus von 39,44 Prozent zu Buche.

Neuer Cloud-Vertrag mit dem US-Heimatschutzministerium

Am Dienstag wurde bekannt, dass Oracle einen potenziellen Auftrag des US-Heimatschutzministeriums (DHS) über 567,9 Millionen Dollar für kommerzielle Cloud-Dienste im Rahmen des sogenannten Cumulus-Programms erhalten hat. Es handelt sich um einen Einzelvertrag mit unbestimmter Liefermenge, ausgelegt auf ein Basisjahr plus vier Optionsjahre.

Zum Vergleich: Amazon Web Services hatte im Juni bereits einen deutlich größeren DHS-Vertrag über 2,56 Milliarden Dollar zugesprochen bekommen. Das Ministerium hatte im Januar angekündigt, seine Cloud-Beschaffung zentralisieren zu wollen – Oracle sichert sich damit zumindest einen Teil dieses Geschäfts.

Der neue Auftrag reiht sich ein in eine Phase, in der Oracle im US-Handel zuletzt kräftig zulegte. Am Montag stieg die Aktie an der Nasdaq um 1,85 Prozent auf 149,75 Dollar, nachdem sie tags zuvor bereits um 2,74 Prozent auf 151,05 Dollar geklettert war.

Getragen wurde diese Erholung auch von einer branchenweiten Debatte um die Finanzierung des KI-Infrastrukturausbaus: Investment-Grade-Anleiheemissionen von Technologiekonzernen wie Google, Amazon, Meta, Nvidia, Oracle und SpaceX summierten sich bis Anfang Juli auf rund 240 Milliarden Dollar – mehr als doppelt so viel wie im gesamten Vorjahr.

S&P-Herabstufung und hohe Verschuldung belasten das Vertrauen

Der Kursanstieg der vergangenen Tage kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die fundamentale Lage angespannt bleibt. S&P Global Ratings hatte die Kreditwürdigkeit von Oracle im Juli auf BBB- gesenkt. Für das abgelaufene Geschäftsjahr weist der Konzern einen negativen freien Cashflow sowie Leasingverpflichtungen von rund 260 Milliarden Dollar aus.

Am Anleihemarkt spiegelt sich diese Sorge in den Kreditausfallversicherungen wider: Die Credit-Default-Swaps auf Oracle-Schulden lagen zuletzt bei über 180 Basispunkten – ein Niveau, das laut Marktbeobachtern seit der Finanzkrise nicht mehr erreicht wurde, während vergleichbare Werte für Microsoft bei rund 50 und für Alphabet bei rund 65 Basispunkten liegen.

Auch bei den institutionellen Anlegern zeigen sich gemischte Signale. Der Vermögensverwalter Generali Investments Management reduzierte seine Oracle-Position im zweiten Quartal um 73,8 Prozent. Oracle-Vizevorsitzender Jeffrey Henley hatte zudem Ende Juni 400.000 Aktien zu 159,16 Dollar verkauft und damit seinen Bestand halbiert.

Dem stehen jedoch deutliche Aufstockungen anderer Investoren gegenüber, etwa des New Mexico Educational Retirement Board oder von Planning Center. Der bekannte Investor Michael Burry positioniert sich unterdessen mit einer Short-Wette gegen Oracle – parallel zu einer ähnlichen Wette gegen den Nvidia-nahen Cloud-Anbieter Nebius.

Analysten bleiben mehrheitlich zuversichtlich

Trotz der Belastungsfaktoren überwiegt unter den Analysten weiterhin Optimismus. UBS bestätigte Anfang August eine Kaufempfehlung mit Kursziel 245 Dollar, Bernstein sieht das Papier mit einem Ziel von 325 Dollar sogar deutlich höher bewertet. Vorsichtiger äußert sich CLSA, das die Aktie mit einem Kursziel von 145 Dollar nur auf „Hold“ einstuft.

Ein Analyst mit dem Namen Dimitrov äußerte sich zurückhaltender und stufte den Titel auf „Hold“ ein, verwies aber darauf, dass die aktuelle Verschuldungssituation nicht zwangsläufig das Geschäftsmodell infrage stelle. Der breite Analystenkonsens bleibt mit überwiegend positiven Einstufungen bei einem Kursziel von rund 258,50 Dollar deutlich über dem aktuellen Kursniveau.

Für Anleger dürfte der 8. September zum nächsten wichtigen Termin werden: Dann legt Oracle seine Quartalszahlen vor, mit denen sich zeigen wird, ob der milliardenschwere Cloud- und KI-Ausbau tatsächlich die notwendigen Erträge abwirft, um die gestiegene Verschuldung zu rechtfertigen.

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